Pleß (Schlesien)

Bildergebnis für pleß oberschlesien landkarte Kartenausschnitt Oberschlesien 1905 (Abb. aus: wikipedia.org)

In Pleß a.d.Plesse (poln. Pszczyna) – ca. 45 Kilometer südlich von Kattowitz (Katowice) bzw. ca. 25 Kilometer nördlich von Bielitz (Biala-Bielsko) gelegen - wurden Juden zu Beginn des 16.Jahrhunderts erstmals urkundlich genannt. Eine jüdische Gemeinschaft bildete sich im Laufe des 17.Jahrhunderts durch Zuwanderung böhmischer Juden. Erst 1812 gründete sich eine selbstständige Gemeinde; einige Jahre später wurden in eigener Friedhof (1814) und ein Bethaus (1816) eröffnet.

Mitte der 1830er Jahre weihte die damals ca. 200 köpfige Gemeinde einen hölzernen Synagogenbau ein, der bereits 15 Jahre später durch ein massives Ziegelsteingebäude ersetzt wurde. Seit den 1870er Jahren gab es in Pleß eine jüdische Schule, die von jüdischen und christlich-evangelischen Kindern gemeinsam besucht wurde.

In den Anfängen jüdischer Ansässigkeit wurden Verstorbene auf dem jüdischen Friedhof in Nikolai (Mikolov) begraben; seit 1814 stand nun ein eigenes Beerdigungsgelände zur Verfügung. Eine Chewra Kadischa gründete man um 1830.

In den 1860er Jahren erreichte die Gemeinde mit ca. 330 Mitgliedern ihren Höchststand, danach sank die Zahl schnell wieder.

Juden in Pleß:

--- 1787 ..........................  85 Juden,

--- 1834 .......................... 210   "  ,

--- 1842 .......................... 249   “   (ca. 8% d. Bevölk.),

--- 1861 .......................... 331   “   (ca. 10% d. Bevölk.),

--- 1885 .......................... 341   “  ,

--- 1918 ...................... ca. 100   “  ,

--- um 1925 ................... ca.  60   “  ,

--- 1931 ..........................  83   "  ,

--- 1939 ...................... ca. 100   “  ,

--- um 1950 ................... ca. 200   "  ,

--- um 1985 ................... ca.  35   "  .

Angaben aus: Pszczyna, in: sztetl.org.pl


Pleß: Gartenstraße und Ring mit Tuchmacherstraße (hist. Aufn., um 1925, aus: wikimapia.org)

Als nach dem Ersten Weltkrieg das oberschlesische Pleß an Polen fiel, verließ ein Teil der jüdischen Familien die Kleinstadt in Richtung Deutschland. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten in Pleß noch 15 jüdische Familien, die im Frühjahr 1940 nach Sosnowitz (Sosnowiec) „umgesiedelt“ wurden; von hier aus erfolgte 1943 ihre Deportation nach Auschwitz-Birkenau.

Unmittelbar nach Kriegsende erreichten zahlreiche jüdische Flüchtlinge (zumeist aus der Sowjetunion) die Stadt, die mehrheitlich bis in die 1950er Jahre hier blieben, um dann nach Israel zu emigrieren.

Das während der deutschen Okkupation verwüstete Synagogengebäude wurde ab 1941 als Kino benutzt. Der Baukörper des einstigen Gotteshauses ist bis auf den heutigen Tag erhalten.

   Ehem. Synagogengebäude (Aufn. Slav, 2008, aus: wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

Der jüdische Friedhof hat die Zeit des Zweiten Weltkrieges weitgehend unzerstört überstanden. Die meisten Grabsteine tragen deutsche und hebräische Inschriften. In jüngster Vergangenheit hat es hier allerdings Zerstörungen gegeben.

Jewish Cemetery in Pszczyna

       Taharahaus (aus: jews.3bird.pl/jews-place-pszczyna.html) und Inschrift über dem Eingang

Jewish Cemetery in Pszczyna Teilansicht des Friedhofs (Aufn. aus: jews.3bird.pl/jews-place-pszczyna.html)

Weitere Informationen:

E. Zellner, Stadt und Schloß Pleß. Geschichte und kulturelles Leben, Pleß (1910)

Peter Maser/Adelheid Weiser, Juden in Oberschlesien, Teil I: Historischer Überblick, in: Schriften der Stiftung Haus Oberschlesien, Landeskundliche Reihe 3.1, Gebr. Mann Verlag, Berlin 1992

Adelheid Weiser, Juden in Oberschlesien, in: Zur Geschichte der deutschen Juden. Ostdeutschland - Böhmen - Bukowina, Kulturpolitische Korrespondenz 61/1993

Janusz Spyra, In the shadow of the Skorzow synagogue, Bielsko-Biala 1998

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 2, S. 1037 

Pszczyna, aus: sztetl.org.pl

Collection of photographs of the Jewish cemetery in Pless (Pszczyna), in: archive.org/details/plesspszczynaje2004 

Jewish traces:Jews in Pszczyna (mit diversen Aufnahmen vom jüdischen Friedhof), online abrufbar unter: jews.3bird.pl/jews-place-pszczyna.html