Pakosch/Netze (Posen)

In der ca. 15 Kilometer westlich von Hohensalza gelegenen Kleinstadt Pakosch (poln. Pakość) soll bereits in der Mitte des 16.Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde existiert haben, die über Synagoge, Schule und Friedhof verfügte. Erste jüdische Ansässigkeit soll im ausgehenden 15.Jahrhundert erfolgt sein. Auf Grund vorliegender Steuerlisten sollen gegen Mitte des 16.Jahrhunderts knapp 150 Juden im Ort gelebt haben.

Als polnische Soldateska im Jahre 1656 Pakosch besetzte, kam es hier zu einem Pogrom gegenüber den jüdischen Bewohnern. Während des polnisch-schwedischen Krieges löste sich die Gemeinde völlig auf, nachdem auch die gemeindlichen Einrichtungen durch marodierende Truppen zerstört waren.

Erst nach 1812 ließen sich erneut jüdische Familien in Pakosch nieder und gründeten in den 1830er Jahren wieder eine Gemeinde; ihre Statuten stammen aus dem Jahre 1834. Wenige Jahre später legte man einen Friedhof an.

Seit 1904 gab es ein neues Synagogengebäude, das einen älteren maroden Fachwerkbau (aus dem frühen 19.Jahrhundert) ersetzte.

Seit Anfang der 1890er Jahre bestand eine jüdische Elementarschule; zudem soll es eine kleine jüdische Privatschule gegeben haben.

Juden in Pakosch:

--- um 1565 .......... ca. 140 Juden (nach Schätzungen)

--- 1834 .................  89   "  ,

--- 1849 ................. 112   “  (ca. 11% d. Bevölk.),

--- 1858 ................. 143   “  (ca. 13% d. Bevölk.),

--- 1885 ................. 139   “  ,

--- 1895 ................. 163   “  ,

--- 1900 ................. 132   “  ,

--- 1905 ................. 103   "

--- 1910 .................  61   “  (ca. 2% d. Bevölk.),

--- 1920 .................  42   “  ,

--- 1935 .................  25   “  ,

--- 1939 .................  28   "  .

Angaben aus: Pakość, in: sztetl.org.pl

Als das neue Synagogengebäude eingeweiht wurde, hatte bereits die Abwanderung jüdischer Familien ins Innere Deutschlands, vor allem nach Berlin, eingesetzt. In den 1920er Jahren war dann die inzwischen stark dezimierte Gemeinde in Auflösung begriffen; 1933 datiert deren offizielles Ende. Das gemeindliche Eigentum ging in den Besitz der Hohensalzaer Gemeinde über. Die wenigen verbliebenen jüdischen Bewohner wurden in religiösen Angelegenheiten vom Rabbiner aus Hohensalza betreut, der gelegentlich nach Pakosch kam.

Ende 1939 lebten keine Juden mehr in Pakosch; sie waren nach der deutschen Okkupation verschleppt worden.

               Abriss des Synagogengebäudes (hist. Aufn. 1941)

Nach dem Kriege gründete sich keine jüdische Gemeinde mehr im Ort.

Das Areal des ehemaligen jüdischen Friedhofs ist heute überbaut.

Weitere Informationen:

Adolf Warschauer, Geschichte der Stadt Pakosch,Verlag der Historischen Gesellschaft für Posen, Posen 1905

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909, S. 429 – 491

Pakość, in: sztetl.org.pl