Saarbrücken (Saarland)

Saarbrücken ist heute die Hauptstadt des saarländischen Bundeslandes; die derzeit von ca. 180.000 Menschen bewohnte Großstadt ist 1909 aus dem Zusammenschluss der drei bis dahin selbstständigen Städte Saarbrücken, St. Johann a. d. Saar und Mastadt-Burbach hervorgegangen.

Im Zusammenhang mit dem Erhalt der Freiheitsbriefe für die Städte St. Johann und Saarbrücken (1321) werden erstmals Juden erwähnt. Für die Folgejahrhunderte gibt es keine urkundlich begründeten Nachweise für jüdische Ansiedlung in der Stadt.

Im 18.Jahrhundert lebten nur sehr wenige Familien in Saarbrücken, deren Lebensspielraum durch Reglementierungen stark eingeengt war. Im letzten Viertel des 18.Jahrhunderts lebten keine Juden in der Stadt; denn die christlichen Kaufleute hatten sich vom regierenden Fürsten dessen Einwilligung, zur Vertreibung der Juden aus der Stadt erkauft (laut einem Dekret von 1776). Bis in die erste Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde Juden eine Ansiedlung sehr schwer gemacht. Gegen Mitte der 1830er Jahre wohnten nur zehn jüdische Familien in Saarbrücken.

Gottesdienste wurden zunächst in Privathäusern abgehalten. Anfang der 1880er Jahre begannen die Planungen für den Bau einer Synagoge; 1889 erfolgte die Grundsteinlegung; ein Jahr später wurde an der St. Johanner Futterstraße in Saarbrücken die neue Synagoge in Anwesenheit der lokalen „Prominenz“ eingeweiht; der Hauptraum bot Platz für ca. 170 Männer, auf der Empore war Raum für ca. 110 Frauen.

Die „Saarbrücker Zeitung“ berichtete in ihrer Ausgabe am 22.Nov. 1890 über die Einweihung: „ (…) Die Gemeinde darf sich zu dem so lange entbehrten, nunmehr prächtig erstandenen Gotteshause aufrichtig Glück wünschen, und mit ihren israelitischen Mitbürgern freut sich die gesamte Bürgerschaft unserer beiden Städte. Man gab dann auch dieser Freude namentlich in St. Johann durch reiche Beflaggung der Straßen Ausdruck. (und weiter wird in dem sehr ausführlichen Bericht über den Ablauf der Einweihungsfeierlichkeit und die anwesenden Ehrengäste berichtet.) ... Nach der nunmehr erfolgten Eröffnung der Synagoge strömten die Gemeinde und die Festteilnehmer in das Gotteshaus und nahmen die ihnen vom Komité angewiesenen Plätze ein. Alles war überrascht von der ebenso prächtigen, wie würdigen dekorativen Ausstattung des Gotteshauses und der effektvollen Beleuchtung des schönen Raumes. ... Möge die neue Synagoge für unsere israelitischen Mitbürger stets eine Stätte der Erhebung zum Ewigen und des Friedens mit den Menschen sein; das walte Gott!“.

      

  Bauzeichnung des Architekten Friedrich Mertz          Synagoge nach Fertigstellung (1890)                 Gemälde von Alexander Dettmar

Dass die Synagoge in einem Vorort errichtet wurde, lag auch daran, dass hier die Mehrzahl der hiesigen Juden lebte. Der Einbau einer Orgel bewies die liberale Haltung der jüdischen Gemeinde.

Mit der Verrichtung gemeindlicher religiöser Aufgaben war u.a. ein Lehrer betraut, der auch als Kantor tätig war. Zudem war ein Schochet angestellt. In den 1920er-Jahren gab es in Saarbrücken zwei Kantoren, einer von ihnen war Oberkantor. 

          Stellenangebot für einen Religionslehrer/Kantor vom 29.Febr. 1892

Zeitweilig war Saarbrücken Sitz eines Rabbinates.

Die sog. „Ostjuden“ besaßen in der Stadt einen eigenen Betraum.  

Bis um 1840 wurden die Saarbrücker Juden in Forbach bestattet; danach erhielt die kleine Gemeinde einen eigenen Begräbnisplatz in unmittelbarer Nähe des christlichen Friedhofs an der Graf-Simon-Straße zugewiesen. Mit dem enormen Anwachsen der Gemeinde Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein größeres Friedhofsgelände notwendig; es wurde 1918/1920 an der Goldenen Bremm angelegt und wird bis heute von der Synagogengemeinde Saar belegt.

Juden in Saarbrücken:

        --- 1808 ..................    61 Juden,

    --- 1829 ..................    14 jüdische Familien,

    --- 1843 ..................    45 Juden,

    --- 1871 .............. ca.   230   “  ,

    --- 1885 .............. ca.   380   “  ,

    --- 1905 ..................   872   “  ,

    --- 1925 .............. ca. 2.200   “  (ca. 2% d. Bevölk.),

    --- 1933 (Jan.) ....... ca. 2.100   “  ,

    --- 1939 (Mai) ........ ca.   180   “  ,*

    --- 1910 .............. ca. 1.100   “  ,*

    --- 1922 .................. 1.852   “  ,**

    --- 1930 .................. 2.009   “  ,

    --- 1942 (Ende) ...........  keine.

* nach Zusammenschluss der Städte St.Johann und Saarbrücken   ** nach Anschluss weiterer Ortschaften des Kreises Saarbrücken

Angaben aus: Albert Marx, Die Geschichte der Juden im Saarland

und                 Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “, S. 451/452

Ende des 19. und in den ersten beiden Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts stieg die Zahl der jüdischen Einwohner deutlich an; sie kamen z.T. aus Osteuropa, wo sie vor dortigen Pogromen geflüchtet waren.  1899 umfasste der Synagogenbezirk den Kreis Saarbrücken. Bis 1910 stieg die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde auf ca. 1.100 Personen. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurden Brebach, Dudweiler, Friedrichsthal, Gersweiler, Heusweiler, Kleinblittersdorf, Ludweiler, Püttlingen, Quierschied, Riegelsberg, Sulzbach und Völklingen angeschlossen; so überschritt Anfang der 1920er Jahre die Zahl der Gemeindeangehörigen die Grenze von 2.000 Personen. Schließlich wurden 1932 auch noch die Ortschaften Altenkessel, Fürstenhausen, Großrosseln, Güchenbach, Schafbrücke, Scheidt und Wehrden angegliedert.

Die Juden Saarbrückens waren wirtschaftlich vor allem in den Bereichen Textil-, Schuh-, Leder- und Warenhaushandel tätig. Auch zahlreiche jüdische Ärzte und Anwälte arbeiteten in den 1920er Jahren in Saarbrücken. Die Saarbrücker Juden schienen bis 1930 in die Gesellschaft integriert gewesen zu sein; bis zu diesem Zeitpunkt kam es zu keinen nennenswerten antisemitischen Aktionen in der Saarregion, wenn von den Vorgängen im Zusammenhang des Generalstreiks vom Oktober 1919 absieht. Als sich um 1930 die Wirtschaftskrise zuspitzte, setzte aber eine Hetzkampagne der rechten Presse gegen die jüdische Bevölkerung ein; obwohl der Anteil der NSDAP-Wählerschaft an der Saar sehr gering war, gelang es den Nationalsozialisten, sich auch hier durch lautstarke Propaganda und erste Gewaltakte Gehör zu verschaffen.

                     aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1933

Anfang 1933 lebten in Saarbrücken etwa 2.100 Juden; bereits im Mai 1933 - unter dem Eindruck des Boykotts jüdischer Geschäfte in Deutschland - verließen die ersten saarländischen jüdischen Familien ihre Heimat; bis Mitte 1935 hatten schon 750 Juden Saarbrücken den Rücken gekehrt; Zielländer waren vor allem Frankreich und Luxemburg. Der eigentliche Wegzug der jüdischen Bevölkerung setzte mit dem „Anschluss“ des Saargebietes an das Deutsche Reich 1935 ein; 1939 waren fast 90% aller Juden an der Saar emigriert. Die damit einhergehende Schließung und Veräußerung von Firmen in jüdischem Besitz - allein in Saarbrücken waren 1934/1935 fast 70 Unternehmen jüdischer Besitzer verkauft worden - zogen erhebliche wirtschaftliche Probleme nach sich; so war etwa ein Drittel des gesamten saarländischen Großhandels abgewandert, ohne „arische“ Nachfolger gefunden zu haben. Die zahlreichen Geschäftsaufgaben bedeuteten für die saarländischen Städte erhebliche Steuereinbußen und damit deutliche wirtschaftliche Nachteile.

          

aus: „Saarbrücker Zeitung“ vom 1.Sept. 1935 und 25.Jan. 1936

Im Mai 1939 lebten nur noch 173 Juden in Saarbrücken. Das Schrumpfen der jüdischen Gemeinde führte dazu, dass der Synagogenvorstand nicht mehr dem Gemeindestatut entsprechend besetzt werden konnte; so wurden die Gemeindegeschäfte ab Frühjahr 1936 kommissarisch durch den Saarbrücker Rechtsanwalt Oskar Schloß wahrgenommen. Der seit 1935 in Saarbrücken tätige (und damit letzte) Rabbiner, Dr. Lothar Simon Rothschild, gab sein Amt auf und emigrierte 1938 in die Schweiz.

aus: „Jüdisches Gemeindeblatt Kassel" vom 4. Nov. 1938  

Die Aktionen während der Reichspogromnacht im November 1938 wurden in Saarbrücken vornehmlich von örtlichen, in Zivil auftretenden SS-Einheiten der Standarte 85 getragen; in vier Trupps zogen sie randalierend durch die Stadt. Die Saarbrücker Synagoge in der Futterstraße wurde demoliert und ihre Inneneinrichtung zerstört; danach wurde Feuer gelegt und das Gebäude brannte völlig aus. Die jüdischen Männer wurden aus ihren Wohnungen geholt, Wohnungseinrichtungen demoliert und Familienmitglieder misshandelt; anschließend trieb man die etwa 140 Männer unter dem Gespött der Menge durch die Innenstadt; an einer Baustelle wurden die Juden aufgefordert, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln. Danach wurden sie ins Gefängnis an der Lerchenflur gebracht, wo sie erneut gedemütigt wurden; so malte man ihnen mit Farbe Hakenkreuze auf die Stirn. Zahlreiche von ihnen wurden ins KZ Dachau verbracht, wo sie für einige Wochen „in Schutzhaft“ gehalten wurden.

                                                  Brennende Synagoge in Saarbrücken Nov. 1938 (Stadtarchiv)

                 Aus einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung” vom 11.11.1938:

... Ein Judenbengel setzte durch seine feige Mordtat an dem deutschen Gesandtschaftsrat vom Rath die ganze deutsche Öffentlichkeit in siedendheiße Erregung, und diese Hitze schien sich gestern morgen auf die Synagoge in der Kaiserstraße übertragen zu haben. Jedenfalls schlugen gegen 8 Uhr in der Frühe die Flammen aus dem Zwiebelturm, der samt dem darunter befindlichen Gebäude noch nie in unser Stadtbild hineingepaßt hatte. Bald hatte sich eine große Menschenmenge in der Kaiser- und Futterstraße angesammelt, die mit größter Spannung den weiteren Verlauf der Dinge verfolgte. Keiner konnte die Genugtuung verbergen darüber, daß nun das Haus, in dem sich noch immer die Judenclique ungestört hatte zusammenfinden können, verschwand. ...

Mitte Dezember 1938 gab der Polizeipräsident von Saarbrücken die Einführung von Kennkarten für Juden bekannt. Die „Saarbrücker Zeitung“ berichtete am 13.Dezember 1938 darüber:

J U D E N !

Der Polizeipräsident in Saarbrücken teilt mit:

Sämtliche Juden (Männer, Frauen und Kinder) ohne Rücksicht auf ihr Alter müssen bis zum 31.Dezember 1938 bei dem Polizeirevier, in dem ihre Wohnung liegt, oder in dem sie sich mangels einer Wohnung aufhalten, Kennkarten beantragen. Ist die Kennkarte bis zum 31.Dezember nicht beantragt, erfolgt Bestrafung. Für minderjährige Kinder haben die gesetzlichen Vertreter die Anträge zu stellen.

Auskünfte über Anzahl und Form der Lichtbilder und die sonstigen beizubringenden Unterlagen erteilen die Polizeireviere und das Paßbüro des Polizeipräsidiums in Saarbrücken, Schloßplatz 2.

Bei der Volkszählung am 17.5.1939 lebten im gesamten Saarland nur noch ca. 480 Personen mosaischen Glaubens, davon 177 in Saarbrücken; war es fast 90% der jüdischen Bevölkerung inzwischen gelungen auszuwandern, so waren die noch hier zurückgebliebenen Menschen meist mittellos oder zu alt, um eine Emigration bewerkstelligen zu können.

Am 22. Oktober 1940 wurden - auf Initiative des saarpfälzischen Gauleiters Joseph Bürckel - die meisten zu diesem Zeitpunkt noch im Saarland verbliebenen Juden zusammen mit denen aus der Pfalz und aus Baden nach Gurs in Südfrankreich deportiert, von wo aus die meisten später in "Lager des Ostens" (Vernichtungslager) weitertransportiert wurden. Wochen nach der Deportation wurden die Wohnungen der Deportierten ausgeräumt und das Inventar beschlagnahmt; Wäsche und Kleidung der NS-Volkswohlfahrt übergeben. In Saarbrücken lebte 1941 nur noch eine Handvoll Juden, die in den folgenden Jahren direkt in "Lager im Osten“ deportiert wurden. Der letzte Transport aus dem Saarland in Richtung Theresienstadt wurde noch im März 1945 (!) - unmittelbar vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen - "abgewickelt". Etwa 100 Saarbrückener Juden wurden Opfer der Shoa.

Mit Unterstützung der französischen Militärverwaltung gründeten etwa 40 überlebende Juden Mitte 1946 eine neue Kultusgemeinde, die heute als „Synagogengemeinde Saar” geführt wird. Zwei Jahre später wurde mit dem Bau einer neuen Synagoge in der Lortzingstraße begonnen; Anfang 1951 wurde das etwa 250 Personen fassende Gotteshaus eingeweiht. Diese neue Synagoge in Saarbrücken war ein Werk des Architekten Heinz Sievers, der das Gebäude nach Vorbild der ehemaligen, von den Nazis zerstörten Synagoge in der Kaiserstraße, konstruiert hatte.

   

Saarbrücker Synagoge in der Lortzingstr. (Aufn. U. Knufinke und bruckissammelsurium.blogspot.com)

Synagogeninnenraum (aus: juedische-allgemeine.de) http://images.juedische-allgemeine.de/gemeinden/40.jpg

2008 zählte die Synagogengemeinde Saar etwa 1.100 aktive Mitglieder. Eine seit 1978 angebrachte Gedenktafel in der Futterstraße erinnert an die zerstörte Synagoge; ihre Inschrift lautet:

Hier stand die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Saarbrücken.

Sie wurde in der Zeit der Gewaltherrschaft am 9.November 1938 zerstört.

Zur ehrenden Erinnerung

Landeshauptstadt Saarbrücken,

Synagogengemeinde Saar 1978

Seit 2010 findet man auch in Saarbrücken sog. „Stolpersteine“; inzwischen sind es mehr als 30 (Stand: 2014).

 Erste in Saarbrücken verlegte „Stolpersteine“ (Aufn. aus: saarbruecken.de)

weitere "Stolpersteine"     (aus: wikipedia.org)

 Unter dem dunklen Kopfsteinpflaster des Mittelstreifens auf dem Saarbrücker Schlossplatz befinden sich die Ortsnamen aller jüdischen Friedhöfe, die bis 1933 auf deutschem Boden bestanden, - eingemeißelt in 2146 Steinen. Auf Initiative von Jochen Gerz und einer Gruppe von Studierenden der Hochschule für Bildende Künste Saar war dieses Mahnmal von April 1990 bis Mai 1993 entstanden, das in der Bevölkerung als „Unsichtbares Mahnmal gegen Rassismus“ bekannt ist. Auf einer am Saarbrückener Bahnhof angebrachten Tafel soll künftig folgender Text in deutscher und französischer Sprache stehen:

„Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus.

Annähernd 80 Deportationszüge mit 77.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern sowie 26 Deportationszüge mit Widerstandskämpfern der Résistance, politischen Oppositionellen und Homosexuellen durchfuhren zwischen 1940 und 1944 diesen Bahnhof.“

Im November 2013 wurde auf dem neu gestalteten Rabbiner-Rülf-Platz* ein Mahnmal („Der unterbrochene Wald“ - konzipiert von Ariel Auslender) für die ermordeten saarländischen Juden eingeweiht; 40 bronzene Baumstämme gruppieren sich ungeordnet auf der Freifläche.

http://www.saarbruecken.de/cache/media/attachments/2013/12/x650_y487_613a4e_12.jpg "Der unterbrochene Wald" (Aufn. aus: saarbruecken.de)

* Benannt ist dieser Erinnerungsort nach Dr. Schlomo Friedrich Rülf, der zwischen 1929 und 1935 als Rabbiner in Saarbrücken wirkte und vielen Juden das Leben rettete. Er selbst emigrierte 1935 nach Palästina.

Eingangspforte zum alten jüdischen Friedhof (Aufn. A., 2011, aus: wikipedia.org, CCO)

Auf dem alten jüdischen Friedhof an der Graf-Simon-Straße/Ecke Komturstraße findet man heute noch ca. 180 Grabsteine; der älteste datiert von 1841, dem Jahre der Erstbelegung des Areals.

Der seit 1920 betriebene neue israelitische Friedhof An der Goldenen Bremm/Rue de la Princesse (direkt an der dt.-franz. Grenze) ist ein geschütztes Kulturdenkmal. Das Areal wird auch in der Gegenwart von der Synagogengemeinde Saar genutzt.

  Eingang zum neuen Friedhof (Aufn. A., 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

In Sulzbach/Saar - etwa zehn Kilometer nordöstlich Saarbrückens - lebten nur wenige jüdische Familien; um 1895 waren es ca. 30 Personen, Ende der 1920er Jahre fast 50. Sie gehörten der Kultusgemeinde Illingen an. In den 1930er Jahren hielten sich hier vorübergehend etwa 100 jüdische Personen auf, die über die Grenze nach Frankreich flüchten wollten.

In der nördlich von Saarbrücken liegenden Ortschaft Riegelsberg, in der nur wenige jüdische Familien gelebt haben, erinnern mehrere sog. „Stolpersteine“ an ehemalige Bewohner mosaischen Glaubens. Bei der Recherche nach dem Schicksal der jüdischen Familien waren Schüler/innen der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule gemeinsam mit dem „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ initiativ.

Stolpersteine für Riegelsberg

sog. "Stolpersteine" in der Kirchstraße von Riegelsberg (Aufn. Monika Jungfleisch, 2015)

Im nur zwölf Kilometer von Saarbrücken entfernten Saargemünd (franz.: Sarreguemines) gab es auch eine jüdische Gemeinde; die ersten jüdischen Familien sollen sich bereits im 14. Jahrhundert in Saargemünd angesiedelt haben.

[vgl. Saargemünd (Lothringen)]

Weitere Informationen:

Lothar Rothschild, Saarabstimmung und jüdisches Schicksal 1935, in: Allgemeine Jüdische Wochenzeitung 19/1965 vom 29.1.1965

Lothar Rothschild, Jüdisches Schicksal an der Saar - Zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung Saarbrückens, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, 19/1971, S. 249 - 264

Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz und Landesarchiv Saarbrücken (Hrg.), Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 bis 1945, 9 Bände, Koblenz 1972 ff.

Hans-Walter Herrmann, Das Schicksal der Juden im Saarland 1920 bis 1945, in: Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 - 1945, Hrg. Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz in Verbindung mit dem Landesarchiv, Saarbrücken, Bd. 6, Koblenz 1974

H. Rudnick, Nachforschungen über das weitere Schicksal der am 22.Oktober 1940 aus dem Saarland nach Gurs verschickten Juden und Träger des Judensterns im Saarland, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 1/1975, S. 346 ff.

Hans-Walter Herrmann, Beiträge zur Geschichte der saarländischen Emigration 1935 - 1939, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 4/1978, S. 357 - 412

Harold Hammer-Schenk, Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. u. 20.Jahrhundert, Hans Christians Verlag, Hamburg 1981, Teil 1, S. 355 und Teil 2, Abb. 268

Paul Gerhard, Die jüdische Volksschule in Saarbrücken, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 33/1985, S. 157 - 183

Albert Marx, Die Geschichte der Juden an der Saar. Vom Ancien Régime bis zum Zweiten Weltkrieg, Saarbrücken 1985

Hans-Georg Treib, „Jetz krien die Juden Schläh!“. Die „Reichskristallnacht“ 1938, in: K.M. Mallmann/G.Paul/R.Schock/R.Klimmt (Hrg.), Richtig daheim waren wir nie. Entdeckungsreisen ins Saarrevier 1815 - 1955, Bonn 1987

Albert Marx, Die Jüdische Gemeinde Saarbrücken (1933 - 1945), in: “Zehn statt tausend Jahre” - Die Zeit des Nationalsozialismus an der Saar 1935 - 1945. Katalog zur Ausstellung des regionalgeschichtlichen Museums im Saarbrücker Schloß Saarbrücken 1988, S. 201 - 217

Hans-Peter Schwarz (Hrg.), Die Architektur der Synagoge. Ausstellungskatalog Dt. Architekturmuseum Frankfurt/M., Frankfurt/M. 1988, S. 340

Albert Marx, Die Geschichte der Juden an der Saar. Vom Ancien Régime bis zum 2.Weltkrieg, Verlag “Die Mitte”, Saarbrücken 1992

H.Jochum/J.P.Lüth (Hrg.), Jüdische Friedhöfe im Saarland. Informationen zu Orten jüdischer Kultur - Ausstellungsführer, Saarbrücken 1992, S. 23 f.

Dieter Wolfanger, Das Schicksal der saarländischen Juden unter der NS-Herrschaft, VFG-Verlag, St. Ingbert 1992

Hans-Walter Herrmann (Bearb.), Das Schicksal der Juden im Saarland 1920 - 1945, in: Joh. Simmert, Die nationalsozialistische Judenverfolgung in Rheinland-Pfalz 1933 - 45, Koblenz 1994

Cilli Kasper-Holtkotte, Juden im Aufbruch. Zur Sozialgeschichte einer Minderheit im Saar-Mosel-Raum um 1800, Hannover 1996

Eva Tigmann, Was geschah am 9.November 1938 ? - Eine Dokumentation über die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Saarland im November 1938, hrg. vom Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel, St. Wendel 1998, S. 74 - 83

Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken unter der NS-Herrschaft, in: R.Wittenbrock (Hrg.), Geschichte der Stadt Saarbrücken, Saarbrücken 1999, Bd. 2, S. 288 - 293

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 1114/1115

Wolfgang Mayn, Jüdische Friedhöfe im Saarland, hrg. vom Freundeskreis zur Rettung jüdischen Kulturgutes im Saarland, Saarbrücken 2004 (Anm.: ist eine Dokumentation der Ausstellung ‘Gelöst ist die Schnur, gebrochen das Band - Jüdische Friedhöfe im Saarland’, gezeigt im Saarbrücker Museum für Vor- und Frühgeschichte 2004)

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 451 – 455

Saarbrücken, in: alemannia-judaica.de (mit zahlreichen Dokumenten aus der jüdischen Gemeindehistorie)

Ab 10.März liegen Stolpersteine in Saarbrücker Boden, in: „Portal für Saarbrücken und das Saarland“ vom 3.3.2010

Dieter Wolfanger, Das Schicksal der saarländischen Juden unter der NS-Herrschaft, in: Beiträge zur Regionalgeschichte, VFG-Verlag 13/2011

Andrea von Treuenfeld, In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel. Geflohene Frauen erzählen ihr Leben, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2011, S. 167 – 179 (Lebensgeschichte der 1922 in Saarbrücken geborenen Oda Kissinger)

Synagogengemeinde Saar Kd.ö.R (Bearb.), Die Synagogengemeinde im 18. und 19.Jahrhundert - Die Blütezeit - Auflösung, online abrufbar unter: sgsaar.de

Zu den in Saarbrücken verlegten Stolpersteinen (mit Kurzbiographien) siehe: kunstlexikonsaar.de

Stadt Saarbrücken würdigt Nazi-Gegnerin – Ein Schild für den neuen Cora-Eppstein-Platz steht vor der Alten Kirche in St. Johann, in: „Saarbrücker Zeitung“ vom 23.5.2016

Riegelsberg: Die Schicksale der Verfolgten, in: „Saarbrücker Zeitung“ vom 16.11.2016