Sachsenhagen (Niedersachsen)

Die Samtgemeinde Sachsenhagen - im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform in Niedersachsen 1974 geschaffen - ist der nördlichste Kommunalverband im Landkreis Schaumburg – ans Südufer des Steinhuder Meeres angrenzend.

Sachsenhagen war zunächst hessisch und gehörte später zur Grafschaft Schaumburg. Seit Anfang des 17.Jahrhunderts sind jüdische Bewohner in Sachsenhagen nachweisbar. Bis ins 19.Jahrhundert hinein sind aber genauere Daten nicht vorhanden; doch sicher ist, dass bereits um 1750 den jüdischen Dorfbewohnern ein Friedhofsgelände und ein Betraum in einem Privathaus zur Verfügung standen.

Die Angehörigen der stets kleinen Gemeinde lebten in sehr bescheidenen Verhältnissen; die Familienväter verdienten ihren Lebenserwerb zumeist in der Metzgerei, verbunden mit Vieh- und Kleinhandel.

Zwischen 1859 und 1889 leistete sich die kleine Gemeinde eine Schule, wobei der dort angestellte Lehrer häufig wechselte; zuletzt wurden die Schüler von einem Wanderlehrer unterrichtet.

1870 weihte die damals etwa 60köpfige Gemeinde ihre neue Synagoge in Kuhle (einem eingemeindeten Dorf) ein, in der sich nun auch die Schulräume befanden.

  Synagoge im Hintergrund (hist. Karte, aus: sachsenhagen-gestern-und-heute.de)

Ein eigener Begräbnisplatz – erstmals 1835 erwähnt - befand sich an den Dühlholzgärten (östlich des Ortes).

Der dem Landrabbinat Kassel unterstellten Gemeinde Sachsenhagen waren die Dörfer Bergkirchen, Lindhorst und Wölpinghausen angeschlossen.

Juden in Sachsenhagen:

        --- um 1750 .............  3 jüdische Familien,         

    --- 1795 ................  6     "        "   ,

    --- 1823 ................ 47 Juden,

    --- 1861 ................ 52   “  ,

    --- 1871 ................ 55   “  ,

    --- 1885 ................ 58   “  ,

    --- 1895 ................ 35   “  ,

    --- 1925 ................ 19   “  ,

    --- 1933 ................ 22   “  ,

    --- 1939 ................ 21   “  ,

    --- 1942 (März) ......... 19   “  ,

             (Aug.) ......... keine.

Angaben aus: K.H.Schneider (Red.), Sachsenhagen, in: H. Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen ..., Bd. 2, S. 1328

Zu den wohlhabenderen Familien des Städtchens gehörte die Familie Philippsohn; ein Familienmitglied war zeitweilig auch im Stadtrat vertreten.

Bis Anfang der 1940er Jahre blieb die Zahl der jüdischen Bewohner Sachsenhagens nahezu konstant; so lebten hier Anfang 1942 noch ca. 20 Personen. Im April und Juli 1942 wurden sie nach Riga bzw. Theresienstadt deportiert. Vom letzten Transport überlebte nur eine einzige Jüdin.

Das ehemalige Synagogengebäude diente nach 1945 als Scheune; etwa 20 Jahre später wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut.

Auf dem versteckt liegenden jüdischen Friedhof am Dühlholzkamp, der sich in einem gepflegten Zustand befindet, sind ca. 50 Grabsteine vorhanden.

Friedhof in Sachsenhagen (Aufn. aus: spurensuche.schaumburgerlandschaft.de)

Die Grundschule in Sachsenhagen trägt seit 2000 den Namen Gerda-Phillipsohn-Schule; die Namensgeberin (geb. 1927) war die letzte jüdische Schülerin im Ort gewesen.

In naher Zukunft soll in Sachsenhagen mit der Verlegung von sog. „Stolpersteinen“ begonnen werden.

Weitere Informationen:

Otto Korthöber, Der Raum Sachsenhagen und der nördliche Kreis Landkreis Grafschaft Schaumburg. Geschichte - Landschaft - Wirtschaft, Oldenburg 1967

Kreisvolkshochschule des Landkreises Schaumburg (Hrg.), Spuren jüdischen Lebens in Schaumburg, Bückeburg 1989

Karl Heinz Schneider (Red.), Sachsenhagen, in: Herbert Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Wallstein-Verlag, Göttingen 2005, Band 2, S. 1328 - 1331