Salzburg (Österreich)

Die Stadt Salzburg ist Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes gleichen Namens und mit derzeit ca. 150.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Österreichs.

Im Gefolge römischer Legionäre sollen erstmals Juden nach Salzburg gekommen sein - zu einer Zeit, als die Stadt „Juvavum“ hieß. Die ersten jüdischen Familien siedelten sich in Salzburg vermutlich bereits im Laufe des 10.Jahrhunderts im Bereich der späteren Judengasse an, die im Zentrum der Stadt zwischen Dombezirk und Salzach lag. Urkundlich nachweisbar sind hier lebende Juden allerdings erst seit dem ausgehenden 13.Jahrhundert. Nach 1404 bis Ende des 15.Jahrhunderts wohnten alle jüdischen Familien außerhalb der Judengasse.

Hauptgeschäftspartner der Salzburger Juden waren die hiesigen Erzbischöfe, mit denen Handels- und vor allem Geldgeschäfte abwickelt wurden; so war es nicht verwunderlich, dass die Erzbischöfe nur Interesse an der Niederlassung wirtschaftlich leistungsfähiger Juden hatten und diese mit gewissen Privilegien versahen. Aus der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts ist überliefert, dass jüdische Geldgeber zu den Gläubigern der in Geldnöten stehenden Erzbischöfe zählten.

         Judengasse und Synagoge links im Bild (Abb. aus: salzburgmuseum.at)

Die ältere Synagoge, die bis 1404 genutzt wurde, befand sich in der Judengasse; eine spätere soll im Stadtzentrum - gegenüber dem Rathaus - gelegen haben. Die Begräbnisstätte lag am Nordhang des Mönchsberges in der Vorstadt Mülln unweit der Müllner Kirche.

Nach den Pestpogromen von 1349 kam es im Sommer 1404 in Salzburg zu einem weiteren blutigen Pogrom; Anlass dafür war ein Kirchendiebstahl (mit Hostienschändung) und ein angeblicher Ritualmord an einem christlichen Jungen. Die Juden aus der Stadt Salzburg und Hallein wurden zusammengetrieben und öffentlich verbrannt - mit Ausnahme von 25 Kindern und einem Juden, der sich taufen ließ. Der Erzbischof Erhard III. zog den Besitz der Juden zu seinen Gunsten ein. Nach erneuter Ansiedlung jüdischer Familien in Salzburg -  sie lebten damals vor allem vom Geldverleih und der Pfandleihe - war es 1498 Erzbischof Leonhard von Keutschach, der die Juden wegen angeblichen Diebstahls einer goldenen Monstranz aus dem Stift Nonnberg endgültig aus der Stadt und später aus dem gesamten Fürsterzbistum „für immer und ewig“ vertrieb. Der Erzbischof kam damit den Forderungen der Bürger und Stände nach, wurde aber dabei auch selbst von blindwütigem Judenhass getrieben. Allerdings geschah die Ausweisung ohne Blutvergießen; die Juden mussten ein Schriftstück unterzeichnen, in dem sie versicherten, das Erzstift nicht mehr zu betreten.

Anm.: Am ältesten Rathaus der Stadt (am Waagplatz) wurde nach der letzten Judenvertreibung (1498) eine Relieftafel angebracht, die ein Mutterschwein zeigt, das jüdische Kinder säugt; die Tafel wurde im Volksmund „Judensau“ genannt. Dieses Bildnis wurde Ende des 18.Jahrhunderts auf Veranlassung des Salzburger Erzbischofs wieder entfernt.

Mehr als 360 Jahre war Salzburg eine Stadt ohne Juden; in dieser Zeit durften diese das Stadtgebiet überhaupt nicht bzw. nur gegen Sondererlaubnis sowie unter Aufsicht eines Polizeidieners kurzfristig betreten.

https://www.stadt-salzburg.at/jpg/salzburg_um_1850_003324611.jpg

Blick auf Salzburg, Gemälde um 1850 (Abb. Stadtgemeinde Salzburg, aus: stadt-salzburg.at)

Zögerlich siedelten sich Juden erst wieder ab Mitte des 19.Jahrhunderts in Salzburg an. Nachdem ihnen im Staatsgrundgesetz von 1867 alle staatsbürgerliche Rechte zugestanden worden waren, wurden in den Folgejahrzehnten immer mehr Juden in Salzburg ansässig. Die jüdischen Zuwanderer kamen zumeist aus dem deutsch-tschechischen Grenzgebiet; ihren Lebensunterhalt verdienten sie damals im Kleinhandel. Die Wurzeln einer Gemeinde liegen im Jahre 1867; die ersten hier lebenden Juden waren zunächst der Kultusgemeinde von Linz angegliedert; erst 1911, nachdem die Zahl der in Salzburg lebenden jüdischen Familien langsam, aber stetig zugenommen hatte, gründete sich eine eigenständige Kultusgemeinde, zu der auch die jüdischen Familien des dörflichen Umlandes zählten.

1892/1893 wurde ein jüdischer Friedhof in der Gemeinde Aigen - heute Stadtteil von Salzburg - in Nutzung genommen. Das Areal hatte der neu gegründete Beerdigungsverein von der damals noch eigenständigen Gemeinde Aigen erworben, die nach dem Verkauf jedoch die Errichtung eines jüdischen Friedhofs mit der Begründung ablehnte (!), dass dies die religiösen Gefühle der katholischen Einwohner von Aigen beleidigen würde; doch durch Intervention der Salzburger Landesregierung wurde aber der Beschluss des Gemeinderates für null und nichtig erklärt.

Acht Jahre später konnte in der Lasserstraße (Stadtteil Schallmoos) auch eine schlichte Synagoge eingeweiht werden.

Der Bau ging auf eine Initiative des böhmischen Fabrikanten Ignaz Glaser zurück, der erhebliche finanzielle Mittel für den Bau des Tempels zur Verfügung stellte, doch zunächst bei den zuständigen Behörden auf Ablehnung stieß. Nachdem bauliche Auflagen seitens der Kommunalbehörden erfüllt waren, konnte das jüdische Gebetshaus errichtet werden. Das „Salzburger Tageblatt” berichtete am 16. September 1901 wie folgt:

Ganz in der Stille hat nun die Salzburger Judenschaft doch das jahrelange, wiederholt vereitelte Ziel ihres Strebens errichtet und am verflossenen Samstag als Beginn ihres neuen Jahres den neuen Tempel in der Lasserstraße eingeweiht. Durch welche Schliche es ihr ermöglicht wurde, von einem christlichen deutschen Salzburger einen Grund für diesen Zweck zu erwerben, wissen wir nicht, eine Ehre und Zierde für Salzburg bildet aber dieser neue Judentempel sicherlich nicht.

 Synagoge in Salzburg in der Lasserstraße (Planungsskizze, IKG Salzburg)

Juden in Salzburg:

        --- um 1350 ......................   70 Juden,

    --- um 1430 ......................    5 jüdische Familien,

    --- 1598 ..................... ca.   30 Juden,

    --- 1498 - 1860 ..................  keine,

    --- 1869 .........................   42   “  ,*    * Stadt u. Land Salzburg

    --- 1882 .........................  115   “  ,*

    --- 1890 .........................  141   “  ,

    --- 1911 ..................... ca.  200   “  ,(285 Personen Stadt u. Land Salzburg)

    --- 1934 .........................  198   “  ,(239 Personen Stadt u. Land Salzburg)

    --- 1936 ..................... ca.  280   “  ,*

    --- 1938 (Dez.) ..................  keine,

    --- 2000 ..................... ca.  70 - 80 Juden.

Angaben aus: Adolf Altmann, Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg

und                 Marko M. Feingold (Hrg.), Ein ewiges Dennoch - 125 Jahre Juden in Salzburg

Die um 1920/1930 in Salzburg lebenden Juden waren beruflich nicht mehr nur auf Handel und Gewerbe fixiert; einige waren nun auch Beamte und Angestellte, aber auch in freien Berufen tätig. Im wirtschaftlichen Leben der Stadt spielten sie aber kaum eine Rolle; auch im politisch-gesellschaftlichen Bereich traten sie überhaupt nicht in Erscheinung; sie bildeten „eine Insel im Gefüge der Salzburger Gesellschaft“.

Als während des Ersten Weltkrieges jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa nach Salzburg gelangten - diese waren in Barackensiedlungen in Grödig und Niederalm untergebracht - , verschärfte sich die feindselige Haltung der Bevölkerung gegenüber Juden. Der aufkeimende Antisemitismus fiel besonders in Salzburg auf fruchtbaren Boden: Seit 1923 erschien hier der „Eiserne Besen - Ein Blatt der Notwehr”, das offizielles Presseorgan des „Antisemitenbundes”; mit damals gängigen judenfeindlichen Klischees sollte die jüdische Minderheit im Salzburger Raum in Wort und Bild diffamiert werden.

Bereits Ende der 1920er Jahre veröffentliche dieses „Kampforgan gegen das Judentum in Stadt und Land Salzburg“ einen sog. „Judenkataster”, in dem Anschriften aller in Salzburg wohnenden Juden verzeichnet waren - ein Vorgriff auf spätere NS-Maßnahmen.

Als wenige Wochen nach der NS-Machtübernahme 1933 jüdische Geschäfte in Deutschland boykottiert wurden, kommentierte die „Salzburger Chronik” die Vorgänge wie folgt:

... Man hat überall in deutschen Landen den Kampf der neuen Reichsregierung gegen die Auswüchse des Judentums mit höchstem Interesse verfolgt. Man hat den aufrichtigen Wunsch in sich getragen, es möge bei diesem Kampfe das Judentum in jene Stellung zurückgedrängt werden, die mit der gesunden Entfaltung aller positiven Kräfte des deutsches Volkes vereinbar ist. ...

Am 23. April 1938 wurden die ca. 20 jüdischen Gewerbetreibenden der Stadt Opfer eines Boykotts: Geschäfte, wie jene von Viktor Weinstein (Rainerstraße), Oswald Löwy (Mirabellplatz), Pasch-Schuhe (Dreifaltigkeitsgasse), das Kaufhaus Ornstein (Getreidegasse) und das Kaufhaus S. L. Schwarz (Alter Markt und Kranzlmarkt) wurden an den Schaufenstern als „Judengeschäfte“ markiert; SA-Angehörige verhinderten das Betreten der Geschäfte.

 Krieger Film 122,3 SA-Posten vor dem Kaufhaus Ornstein, April 1938 (Abb. Stadtgemeinde Salzburg)

Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich im März 1938 verließen einige Salzburger Juden ihre Heimatstadt; die meisten warteten aber erst mal ab. Während der „Reichskristallnacht“ wurde die Synagoge der Kultusgemeinde Salzburg in der Lasserstraße demoliert; sieben der noch nicht „arisierten“ Geschäfte waren ebenfalls Ziel des „Volkszorns“; einige sollen von Anwohnern geplündert worden sein. Die noch vorhandenen Warenbestände mussten an die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“ abgeliefert werden. Etwa 70 Juden aus Salzburg wurden von der SS verhaftet, einige von ihnen später ins KZ Dachau verbracht.

                   Aus dem Bericht des Führers des SD-Unterabschnitts Salzburg an den SS-Führer des SS-Oberabschnitts Donau in Wien vom 10.11.1938:

Eilt sehr. Bitte sofort vorlegen.

Betrifft: Zerstörung von Einrichtungsgegenständen in jüdischen Geschäften und in der Synagoge in Salzburg-Stadt

Im Laufe der Nacht des 10.11.1938 kam es in Salzburg zu einer Zerstörung von Einrichtungsgegenständen in einer Reihe von jüdischen Geschäften und in der jüdischen Synagoge durch ungefähr 30 - 50 Personen, die, wie bisher bekannt, fast sämtliche Angehörige der SA waren. Die Geschäfte wurden mit verschiedenen Werkzeugen erbrochen und das Inventar demoliert und teilweise vollständig vernichtet. Ebenso wurde in der jüdischen Synagoge Salzburg, Lasserstraße, die Einrichtung zertrümmert. ... Sämtliche Juden Salzburgs wurden daraufhin von der Stapo in Schutzhaft genommen.

Umfassender Bericht folgt.

Unmittelbar nach dem Novemberpogrom flüchtete die Mehrzahl der Salzburger Juden ins Ausland. Alle übrigen mussten nach Wien übersiedeln. So erklärte NSDAP-Gauleiter Friedrich Rainer drei Tage nach dem Novemberpogrom den „Mustergau Salzburg” für „restlos judenrein”. Einige wenige Juden Salzburgs überlebten in Verstecken oder in sog. „Mischehen“. Das Synagogengrundstück in der Lassergasse und der Friedhof in Aigen wurden 1939 enteignet; ersteres übernahm die Salzburger Polizei als Dienstgebäude.

Unmittelbar nach Kriegsende 1945 erreichten die ersten jüdischen Überlebenden aus den Außenlagern von Mauthausen, Flossenbürg und Dachau die Stadt Salzburg und gründeten dort ein jüdisches Hilfskomitee. In den ersten Nachkriegsjahren wurde Salzburg - verkehrsgünstig und in der amerikanischen Besatzungszone gelegen - auch eines der Hauptziele der jüdischen Fluchtorganisation „Bricha”, die Juden aus Osteuropa illegal ausschleuste und ihnen half, über die Zwischenstation Österreich und Italien weiter nach Palästina oder in westliche Länder zu gelangen. Zwischen 1945 und 1948 fanden mindestens 180.000 jüdische Flüchtlinge in Österreich vorübergehend Aufnahme.

1953 bildete sich in Salzburg offiziell eine kleine jüdische Kultusgemeinde, die das Synagogengebäude in der Lasserstraße Ende der 1960er Jahre mit Spendengeldern restaurieren und erneut einweihen konnte; mitfinanziert wurde die Synagogenerneuerung von der Stadt und dem Land Salzburg. Anfang der 1990er Jahre setzte sich die jüdische Gemeinde Salzburgs aus etwa 100, meist älteren Menschen zusammen; gegenwärtig ist ihre Zahl nicht wesentlich größer.

  Synagoguesbg1.jpg

Synagoge in Salzburg (Aufn. 1946, IKG Salzburg und von 2006, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

       Synagogenraum (Aufn. Hanna Feingold, 2007)

Das in den Kriegsjahren als Weidefläche entweihte Friedhofsgelände in Aigen wurde 1946 von den US-Besatzungsbehörden der sich neu gebildeten jüdischen Gemeinschaft übergeben; die meisten Grabsteine blieben verschwunden.

Blick auf den jüdischen Friedhof (Aufn. aus: ojm.at vom 17.1.2010)  Blick auf den jüdischen Friedhof in Salzburg Aigen

1985 wurde im Garten der Israelitischen Kultusgemeinde zum Gedenken an die jüdischen NS-Opfer aus Salzburg ein Mahnmal enthüllt. Die Stadt Salzburg errichtete 1993 auf dem Friedhofsgelände anlässlich eines Besuches ehemaliger Salzburger Juden ein Denkmal, um an die Zerstörung der Kultusgemeinde während der nationalsozialistischen Ära zu erinnern. Die Inschrift des Denkmals zählt Namen und Lebensdaten jener auf, die hier vor 1939 begraben und deren Grabsteine zerstört worden waren.

2004 wurde in Salzburg das „Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte“ eröffnet, das das geistig-kulturelle Erbe des österreichischen Judentums dokumentiert und sich dem interreligiösen Zusammenleben verpflichtet fühlt.

Mit Unterstützung der Stadt Salzburg wurde von einer überparteilichen lokalen Organisation im Jahre 2007 das Projekt „Stolpersteine“ des deutschen Künstlers Gunter Demnig nach Salzburg gebracht; mittlerweile sind im Stadtgebiet mehr als 300 Steine für NS-Opfer verlegt worden (Stand: 2017).

„Stolpersteine“ in der Rainerstraße (Aufn. E., 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

HIER WOHNTE
IRMA HERZ
GEB. POLLAK
JG. 1870
DEPORTIERT 30.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 18.11.1942 HIER WOHNTE
ANNA STUCHLY
GEB. POLLAK
JG. 1872
DEPORTIERT 14.7.1942
THERESIENSTADT
21.9.1942 TREBLINKA 
ERMORDET  http://www.stolpersteine-salzburg.at/stolpersteine_imgs/138 HIER WOHNTE
RICHARD LÖWIT
GEN. FRITZ RICHARD
JG. 1870
TOT 9.2.1933 
BERLIN

in der Ritterstraße  -  Rainerstraße  -  Judengasse  -  im Sonnleitenweg (alle Aufn. aus: stolpersteine-salzburg.at)

 Max Reinhardt wurde 1873 in Baden bei Wien als Maximilian Goldmann und Sohn eines jüdischen Textilhändlers geboren. Er gelangte als künstlerischer Leiter mehrerer Berliner Bühnen zu Weltruhm. Am Ende des Ersten Weltkrieges zog es Reinhardt wieder in seine Heimat zurück; hier hatte er das südlich Salzburgs gelegene Schloss Leopoldskron - einst Sitz der Erzbischöfe - erworben, das fortan gesellschaftlicher Mittelpunkt in der Zeit der Salzburger Festspiele werden sollte. Die Festspiele hatte Reinhardt 1920 ins Leben gerufen. Von Anfang an war der Regisseur Max Reinhardt antisemitischen Attacken ausgesetzt. Der stetig wachsende Druck ließ Reinhardt bereits 1932 Salzburg verlassen; er setzte in den USA seine künstlerische Tätigkeit fort. Im Frühjahr 1938 wurde das im Besitz Reinhardts befindliche Schloss Leopoldskron „entjudet“ und als „volksfeindliches Vermögen“ eingezogen. Max Reinhardt verstarb 1943 in New York.

 Der 1881 in Wien geborene jüdische Schriftsteller Stefan Zweig, Sohn eines Textilindustriellen, lebte von 1919 bis 1934 in Salzburg, um „der Großstadt Wien zu entfliehen“. Der erfolgreiche Schriftsteller und Pazifist kaufte das auf dem Kapuzinerberg liegenden „Paschingerschlössl“ und zog sich ins Private zurück. Bereits zu Beginn der 1920er Jahre wurde Zweig in Salzburg an den „Judenpranger“ gestellt. Von einer Reise in die Sowjetunion zurückgekehrt, sah er sich sogar Morddrohungen ausgesetzt; als 1934 die Staatspolizei eine Hausdurchsuchung veranlasste, verließ Stefan Zweig seine Wahlheimat Salzburg. Die weiteren Stationen seines Lebens waren London und New York; von hier ging er nach Südamerika. 1942 beging Stefan Zweig in Petropolis bei Rio de Janeiro Selbstmord.

Auch andere jüdische Künstler ließen sich nach dem Ersten Weltkrieg in Salzburg nieder: so der Maler Felix Albrecht Harta (1884-1967) und die bildende Künstlerin Helene von Taussig (1879-1942).

In Hallein, ca. 15 Kilometer südlich von Salzburg, lebten im 14./15.Jahrhundert jüdische Familien. Bis zu ihrer Auslöschung im Jahre 1349 war die Gemeinde bedeutender als jene in Salzburg. In der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts ermunterte Erzbischof Pilgrim erneut jüdische Handelsleute, sich in Hallein niederzulassen. Doch bei einer 1404 durch eine angebliche Hostienschändung ausgelösten Verfolgung wurden alle Juden Halleins auf dem Scheiterhaufen verbrannt und ihre Synagoge zerstört. Jahrzehnte danach haben dann erneut Juden in der Salinenstadt gewohnt; 1498 wurden sie endgültig von hier vertrieben.
Nach 1945 existierte in Hallein-Puch ein von der US-Militärverwaltung errichtetes DP-Camp, in dem vorwiegend Personen jüdischen Glaubens untergebracht waren. Das Lager, das von seinen Bewohnern „Beth Israel“ genannt wurde, bestand bis Mitte der 1950er Jahre.

„Givat Avoda“ war der Name eines Lagers in Saalfelden (heute Wallner-Kaserne) für jüdische Vertriebene, das als eine Art „Basiscamp“ für die Überquerung der Krimmler Tauern diente. Von hier flüchteten 1947 ca. 5.000 Menschen über die Berge in Richtung Italien, um von hier nach Palästina zu gelangen.

Weitere Informationen:

Adolf Altmann, Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart, Berlin, Band 1 (1913) u. Band 2 (1930)

Germania Judaica, Band II/2, Tübingen 1968, S. 728 – 731, Band III/1, Tübingen 1987, S. 508 (Hallein), Band III/2, Tübingen 1995, S. 1288 – 1295 (Salzburg) und Band III/3, Tübingen 2003, S. 2000 - 2004

Ernst Fuchs, Die neue Synagoge in der Lasserstraße, in: Salzburgs wiederaufgebaute Synagoge - Festschrift zur Einweihung, Salzburg 1968

Hermann Einziger, Der jüdische Neubeginn in Salzburg im Mai 1945, in: Salzburgs wiederaufgebaute Synagoge - Festschrift zur Einweihung Salzburg 1968, S. 21 - 37

Alexander Altmann, Geschichte der Juden in Salzburg, in: Hugo Gold (Hrg.), Geschichte d. Juden in Österreich - ein Gedenkbuch, Olemanu-Verlag, Tel Aviv 1971, S. 67 – 80

Herbert Klein, Zur Geschichte der Juden in Salzburg, in: Zeitschrift für die Geschichte der Juden 9/1972, S. 103 - 118

Herbert Rosenkranz, Verfolgung und Selbstbehauptung. Die Juden in Österreich 1938 - 1945, Herold-Verlag Wien 1978

Wolfgang Wiener, Die ‘Kristallnacht’ in Salzburg - Ein Unterrichtsprojekt, in: Zeitgeschichte Heft 9-10/1979, S. 346 f.

Günther Fellner, Antisemitismus in Salzburg 1918 - 1938, Wien/Salzburg 1979

Ernst Hanisch, Nationalsozialistische Herrschaft in der Provinz Salzburg im Dritten Reich, Salzburg 1983

Markus J. Wenninger, Zur Geschichte der Juden in Salzburg, in: H. Dopsch (Hrg.), Geschichte Salzburgs - Stadt und Land, Band 1/1984 (Teil 2), S. 747 ff.

Adolf Altmann, Geschichte der Juden in Stadt u. Land Salzburg von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart (1911), Otto Müller Verlag, Salzburg 1990 (Reprint)

Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945 - Eine Dokumentation, Hrg. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Band 2, Wien 1991

Pierre Genée, Synagogen in Österreich, Löcker Verlag, Wien 1992, S. 32/33 und S. 107/108

Thomas Albrich (Hrg.), Flucht nach Eretz Israel - Die Bricha und der jüdische Exodus durch Österreich nach 1945, Band 1, Studienverlag Innsbruck o.J.

Marko M. Feingold (Hrg.), Ein ewiges Dennoch - 125 Jahre Juden in Salzburg, Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 1993 (Anmerkung: detaillierte Darstellung)

D.Ellmauer/H.Embacher/A.Lichtblau (Hrg.), Geduldet, geschmäht und vertrieben. Salzburger Juden erzählen, Salzburg 1998

Eveline Brugger, "Sechs hundert marchen silbers, di er uns schuldich was um di Gastewn..." - Juden als Geldgeber des Salzburger Erzbischofs beim Kauf des Gasteiner Tales, In: Salzburg Archiv 27/2001, S. 125 - 134

Helga Embacher/Heinz Dopsch, Juden in Salzburg. Ausstellung im Salzburger Museum Carolino Augusteum Juli 2002 - Januar 2003, Salzburg 2002

Helga Embacher/Albert Lichtblau, Die Jüdische Gemeinde in Salzburg seit 1867 - Ein Neubeginn nach 369 Jahren Verbannung, in: Eleonore Lappin (Hrg.), Jüdische Gemeinden. Kontinuitäten und Brüche, Philo-Verlagsgesellschaft Berlin/Wien 2002, S. 179 – 198

Albert Lichtblau, „Arisierungen“, beschlagnahmte Vermögen, Rückstellungen und Entschädigungen in Salzburg, in: Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich, Band 17/2, Oldenbourg Verlag Wien/München 2004

Peter Gutschner, Aspekte jüdischen (Über-)Lebens im Salzburg des 20.Jahrhunderts, in: DAVID - Jüdische Kulturzeitschrift, Heft 65 (Juni 2005)

Johannes Hofinger, Max Reinhardts Schloß Leopoldskron - Beutegut der Nationalsozialisten, in: DAVID - Jüdische Kultuszeitschrift, Heft 64 (April 2005)

Stan Nadel, Ein Führer durch das Jüdische Salzburg, Salzburg/Wien 2005

Sabine Aschauer-Smolik, Das DP-Camp „Givad Avoda“ Saalfelden: Auf den Spuren einer vergessenen Geschichte, in: Tamid Kadima - immer vorwärts (2010), S.187 – 206

E.Brugger/M.Keil/A.Lichtblau/Chr.Lind/B.Staudinger, Geschichte der Juden in Österreich, Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2013, S. 198 – 203 u.a.

Auflistung aller in Salzburg verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_der_Stadt_Salzburg

Stolpersteine in Salzburg – Ein Kunstprojekt für Europa von Gunter Demnig, in: stolpersteine-salzburg.at (Anm. Aufnahmen der Stolpersteine und Biographien der Personen)