Schweinheim (Elsass)

Die im Unterelsass gelegene, wenige Kilometer von Zabern (Saverne) entfernt gelegene Ortschaft Schweinheim mit derzeit ca. 750 Einwohnern trägt den frz. Ortsnamen Schwenheim.

Die Anfänge einer jüdischen Gemeinde in Schweinheim liegen im 17.Jahrhundert. Doch möglicherweise sollen sich bereits zwei Jahrhunderte zuvor jüdische Familien im Dorf aufgehalten bzw. sogar auch zeitweilig ansässig gemacht haben; sie waren zuvor aus Zabern (Saverne) vertrieben worden.

Im Laufe des 18.Jahrhunderts nahm die Zahl der im Dorf lebenden jüdischen Familien kontinuierlich zu; gegen Ende dieses Jahrhunderts waren es mehr als 20 Familien. Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts erreichte dann die Gemeinde ihren personellen Höchststand mit mehr als 160 Angehörigen.

Ein gegen Mitte des 18.Jahrhunderts geschaffenes Synagogengebäude wurde etwa 100 Jahre später durch einen Neubau ersetzt, dessen Einweihung 1868 erfolgte.

Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer betraut. Der letzte Lehrer/Vorbeter in Schweinheim war Isidor Levy, der hier seit 1882 sein Amt versah.

Seit etwa 1730 gab es in Ortsnähe ein Begräbnisareal für verstorbene Schweinheimer Juden; zuvor waren Verstorbene in Zabern begraben worden.

Die jüdische Gemeinde Schweinheim gehörte dem Rabbinat Maursmünster (Marmoutier) an, nach 1910 dem von Zabern (Saverne).

Juden in Schweinheim:

        --- um 1670 ...................   3 jüdische Familien,

    --- 1716 ......................   6     “       “    ,

    --- 1725 ......................   8     "       "    ,

    --- 1760 ......................  18     "       "    ,

--- 1784 ......................  22     “       “   (ca. 100 Pers.),

    --- 1808 ...................... 108 Juden (in 21 Familien),

    --- 1846 ...................... 163   “  ,

    --- 1870 ...................... 117   “  ,

    --- 1895 ......................  52   "  ,

    --- 1900 ......................  35   “  ,

    --- 1910 ......................   4   “  ,

    --- 1914 ......................  keine.

Angaben aus: Michel Rothé / Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 33

und                 Pierre Katz, La communauté juive de Schwenheim, aus: judaism.sdv.fr

Noch Mitte des 19.Jahrhunderts waren mehr als 30 jüdische Familien in Schweinheim ansässig; wenige Jahrzehnte später löste sich die Gemeinde infolge Abwanderung - noch verstärkt nach der französischen Niederlage von 1871 - völlig auf; der letzte jüdische Bewohner - es war der ehemalige Lehrer und Vorbeter der Gemeinde - verließ kurz vor dem Ersten Weltkrieg den Ort.

 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20263/Schweinheim%20FrfIsrFambl%2028061912.jpgaus: "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 28. Juni 1912

   aus: „Frankfurter Israelitisches Familienblatt“ vom 5. Juni 1914

Mit dem Ende der Gemeinde wurde auch die Synagoge aufgegeben; das bis heute noch vorhandene Gebäude wurde verkauft und zu Wohnzwecken genutzt.

An die einstige jüdische Gemeinde erinnert heute nur noch ihr Friedhof, der auf Initiative des örtlichen Bürgermeisters Ende der 1990er Jahre wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzt wurde.

   

Grabreihen des jüdischen Friedhofs in Schwenheim (Aufn. P. Katz, um 2000 und J. Hahn, 2004)

Weitere Informationen:

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Pierre Katz, La communauté juive de Schwenheim (Internetpräsentation), 2000 (abrufbar unter: judaism.sdv.fr)

Pierre Katz, Le Cemetière de Schwenheim (Internetpräsentation), 2000 (abrufbar unter: judaism.sdv.fr)

Schwenheim/Elsass, in: alemannia-judaica.de