Samter (Posen)

Im ca. 30 Kilometer nordwestlich von Posen gelegenen Samter (poln. Szamotuly) existierte im 18./19.Jahrhundert eine zahlenmäßig große jüdische Gemeinde, deren Angehörige um 1820 immerhin fast die Hälfte der Kleinstadtbevölkerung stellten. Allererste Hinweise auf jüdische Ansiedlung reichen bis zu Beginn des 15.Jahrhunderts zurück. Nach einem Brand, der das jüdische Viertel fast vollständig vernichtete (um 1635), hatten die Juden den Ort verlassen; sie kehrten zu Beginn des 18.Jahrhundert zurück und bildeten hier eine neue Gemeinde.

Juden in Samter (Posen):

--- um 1800 ............... ca.   300 Juden,

--- 1871 ......................   949   "  ,

--- 1890 ......................   710   "  ,

         .................. ca. 2.000   “  ,*     * im Landkreis Samter

--- 1900 .................. ca. 1.600   “  ,*

--- 1900 .................. ca.   550   “  ,

--- 1910 ...................... 1.200   “  ,*

--- 1921 ......................   264   “  (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1939 (Sept.) ..............    88   “  ,

--- 1940 ......................    keine.

Angaben aus: The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 3, S. 1274

Um 1870 lebten fast 1.000 Juden in Samter; einige wohlhabende Familien besaßen Fabriken; so gab es eine Möbelfabrik und mehrere Mühlenbetriebe, die jüdische Besitzer hatten.          

   samter Szamotuły Poznań Markt in Samter (hist. Ansicht, um 1910)

Im letzten Viertel des 19.Jahrhunderts setzte eine Abwanderungsbewegung jüdischer Familien ein; Ziele waren zum einen größere Städte (wie Posen oder Berlin), zum anderen eine Emigration nach Übersee (USA). Zu Beginn des 20.Jahrhunderts zählte die jüdische Bevölkerung in Samter noch etwa 550 Personen; Anfang der 1920er Jahre lebten in der Kleinstadt dann nur noch ca. 260 Juden (ca. 4% der Bevölkerung); ein Großteil hatte bereits die Stadt - unter dem Druck des wachsenden Antisemitismus in Polen - in Richtung Deutschland verlassen.

Unmittelbar nach Kriegsbeginn - die Stadt gehörte nun zum "Wartheland" - wurden die verbliebenen jüdischen Bewohner von den NS-Besatzungsbehörden ins „Generalgouvernement“ vertrieben. Nahezu alle sollen dem Holocaust zum Opfer gefallen sein.

Der ehemalige jüdische Friedhof ist heute nicht mehr als solcher erkennbar; das Gelände dient einer Schule als Standort bzw. stellt sich als Grünanlage dar. Einige Grabsteinrelikte befinden sich heute im lokalen Museum.

Weitere Informationen:

Bernhard Breslauer, Die Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen, Berlin 1909

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909 (1912)

Sophia Kemlein, Die Emanzipation der Juden im Großherzogtum Posen 1815 - 1848, Magisterarbeit an der Christian-Albrechts-Universität Kiel 1987

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 3, S. 1274

Michael Alberti, Die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Reichsgau Wartheland 1939 - 1945, hrg. vom Deutschen Historischen Institut Warschau, Quellen und Studien, Band 17, Wiesbaden 2006

Szamotuly, in: sztetl.org.pl