Salmünster (Hessen)

Salmünster ist mit derzeit ca. 4.500 Einwohnern ein Kernstadtteil von Bad Soden-Salmünster im südosthessischen Main-Kinzig-Kreis.

In Salmünster, sind Juden erstmals 1384 urkundlich erwähnt; weitere Hinweise auf jüdisches Leben stammen dann aus dem ausgehenden 17.Jahrhundert, als am Ort drei Schutzjuden mit ihren Familien genannt werden.

Eine kleine Gemeinde gründete sich aber erst zu Beginn des 19.Jahrhunderts. Sie verfügte über eine im Jahre 1865 eingerichtete Synagoge in der Schwanengasse (es war der Umbau eines Schafstalles), die einen bestehenden Betraum ablöste. An der Rückseite des zweigeschossigen Fachwerkgebäudes floss der Mühlbach, von dem das rituelle Bad gespeist wurde.

Gemeinsam mit der benachbarten Gemeinde Eckardroth-Romsthal beschäftigte man zeitweilig einen jüdischen Lehrer, wobei die Besetzung der Stelle einem häufigen Wechsel unterworfen war. Nachdem Mitte der 1920er Jahre die Religionsschule Salmünster aufgelöst worden war, wurden die Kinder dann vom jüdischen Lehrer aus Schlüchtern unterrichtet.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2077/Salmuenster%20Israelit%2030071885.jpg   

aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30.7.1885, vom 17.2.1904 und 8.9.1921

Ein kleines Friedhofsgelände am Ortsausgang (Hanauer Landstraße) war seit Anfang der 1920er Jahre vorhanden; zuvor waren Verstorbene in Gelnhausen, später in Eckardroth begraben worden.

Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Hanau.

Juden in Salmünster:

--- um 1685 ....................  3 jüdische Familien,

--- 1813 .......................  2     “        “   ,

--- 1827 ....................... 10 Juden,

--- 1861 ....................... 33   “  ,

--- 1871 ....................... 41   “  ,

--- 1885 ....................... 42   “  ,

--- 1895 ....................... 42   "  ,

--- 1905 ....................... 45   “  ,

--- 1910 ....................... 58   "  ,

--- 1925 ....................... 34   “  ,

--- 1933 ................... ca. 40   “  ,

--- 1938 ....................... keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 2, S. 244/245

und                Georg-Wilhelm Hanna, Geschichte der Juden in Bad Soden-Salmünster

Um die Jahrhundertwende hatte die Gemeinde kanpp 60 Mitglieder und stellte damit ca. 4% der Ortsbevölkerung. Die meisten von ihnen – Kaufleute, Viehhändler und Besitzer von Ladengeschäften - sollen in wirtschaftlich gesicherten Verhältnissen gelebt haben.

Gewerbliche Anzeigen aus den 1890er Jahren:

Am 17. Juli 1935 beschloss die Kommunalvertretung von Salmünster: „Auftragserteilungen an Handwerker, die mit Juden Geschäfte tätigen, werden zukünftig stadtseitig nicht mehr erteilt. Ebenso sollen Lieferanten behandelt werden. Von den betreffenden Geschäftsleuten soll eine Verpflichtung unterzeichnet werden, daß sie Geschäfte mit Juden nicht mehr tätigen.“

Bis Ende 1937 hatten alle jüdischen Familien Salmünster verlassen; ein Teil war nach Übersee emigriert, der andere in größere deutsche Städte (vor allem nach Frankfurt/M.) verzogen. Das Synagogengebäude ging alsbald in Privatbesitz über und wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Die Kultgegenstände waren zuvor nach Schlüchtern gebracht und dort beim Novemberpogrom 1938 zerstört worden.

Das Gebäude wurde Anfang der 1990er Jahre von der Stadt erworben; nach dessen Renovierung wurde hier das kommunale Sozialamt untergebracht.

Ehem. Synagogengebäude (Aufn. aus: geo.viaregio.org) http://geo.viaregia.org/testbed/pool/editmain/B3_17048_synagoge_salmuenster.jpg

Seit 1966 erinnert auf dem kleinen Friedhof – dieser wurde 1937 geschlossen, danach geschändet und teilzerstört - ein Gedenkstein an die in Salmünster verstorbenen jüdischen Einwohner; dessen Beschriftung lautet: "Den Verstorbenen jüdischen Mitbürgern zum Gedenken. Stern Samuel 1863-1923 - Neuhaus Michael 1850-1925 - Grünebaum Moses 1871-1920 - Stern Karlmann 1858-1931 - Grünebaum Sophie 1917-1932 - Stern Johanna geb. Plaut 1863-1933 - Hess Sabine geb. Grünebaum 1869-1935 - Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20389/Salmuenster%20Friedhof%20IMG_6763.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20Hessen01/Salmuenster%20Friedhof%20101.jpg
Friedhof – fast ohne Grabsteine (Aufn. J. Hahn, 2015)  -  der älteste Grabstein, Begräbnis 1923 (Aufn. H. Hausmann)

In Eckardroth, einem Ortsteil der Kommune Bad Soden-Salmünster, erinnert heute ein jüdischer Friedhof an die einstige jüdische Gemeinde, die gemeinsam von den jüdischen Familien aus Eckardroth und Romsthal gebildet worden war. Diese Kultusgemeinde zählte gegen Mitte des 19.Jahrhunderts immerhin ca. 160 Mitglieder. Der Betraum befand sich in Eckardroth.

Während die Juden Eckardroths gegen Mitte der 1920er Jahre den Ort verlassen hatten, lebten in Romsthal zu Beginn der 1930er Jahre noch ca. 25 jüdische Einwohner.

vgl. Eckardroth-Romsthal (Hessen)

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 244/245

Georg-Wilhelm Hanna, Geschichte der Juden in Bad Soden-Salmünster, in: "Bergwinkel-Bote" 40/1989, S. 39 - 47 (auch online abrufbar unter: badsoden-salmuenster.de/kultur/stadtgeschichte/die-geschichte-der-juden-in-bad-soden-salmuenster)

Thea Altaras, Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II., 1994, S. 137

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Hessen I: Regierungsbezirk Darmstadt, VAS-Verlag, Frankfurt/M. 1995, S. 199/200

Salmünster, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Textbeiträgen zur jüdischen Ortshistorie und Aufnahmen vom jüdischen Friedhof)