Saarburg (Lothringen)

Saarburg/Sarrebourg ist eine französische Kommune im Département Moselle mit derzeit ca. 12.500 Einwohnern - am Oberlauf der Saar zwischen Nancy und Straßburg gelegen.

Bis in die Zeit der Französischen Revolution besaß Sarrebourg das Privileg, keine Juden innerhalb der Stadt aufnehmen zu müssen; dieses Privileg hatte zunächst der Herzog von Lothringen (1464), später dann noch einmal der französische König (1661) der Stadt zugestanden, wobei die christliche Kaufmannschaft sich der jüdischen Konkurrenz für lange Zeiten entledigte.

Erst um 1800 wurden dann die ersten jüdischen Familien in Saarburg ansässig; sie kamen zumeist aus umliegenden Dörfern.

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts eine israelitische Gemeinde, die schnell wuchs und in den 1880er Jahren mehr als 1.000 Angehörige gezählt haben soll (?).

Im Zuge der sog. „Hepp-Hepp-Krawalle“ von 1819 war es in der Stadt zu gewaltsamen antijüdischen Ausschreitungen gekommen.

An Stelle eines kleinen Bethauses hatte die Gemeinde 1857 einen Synagogenbau errichten lassen, der die Judenschaft in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Auch der Erlös aus dem Verkauf fester Plätze in der Synagoge konnte das monitäre Problem nicht lösen.

Mit der Verlegung des Rabbinats von Pfalzburg (Phalsbourg) nach Saarburg besaß die jüdische Gemeinde erstmals hier einen Rabbiner.

Juden in Saarburg/Lothringen:

--- um 1800 ................... sehr wenige Juden,

--- 1836 .................. ca. 210 Juden,

--- 1889 .................. ca. 340   “  (ca. 10% d. Bevölk.),

--- 1910 ..................

--- 1930 ..................

--- 1939 .................. ca. 240   "  .

Angaben aus: Jean-Bernard Lang/Pascal Faustini (Red.), Sarrebourg, online abrufbar unter: judaisme.sdv.fr/synagog/moselle/sarrebourg.htm

Ansichtskarte / Postkarte Sarrebourg Saarburg Moselle, Gesamtansicht der Stadt Sarrebourg um 1915, hist. Postkarte

Ab der Jahrhundertwende ging die Zahl der Juden Sarrebourgs deutlich zurück.

Zusammen mit den Juden des Elsass wurden in der Zeit der deutschen Okkupation die jüdischen Bewohner Sarrebourgs nach Südfrankreich deportiert; 75 von ihnen wurden Opfer der Shoa.

Das Synagogengebäude diente während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg als Lagerraum und entging so seiner Zerstörung. In den 1950er Jahren erfolgte eine Renovierung; seitdem nutzt es die bestehende kleine Gemeinde für gottesdienstliche Zusammenkünfte. Seit 1983 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

  

Synagoge in Sarrebourg (Aufn. A., 2014, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0 bzw. judaisme.sdv.fr)

Der jüdische Friedhof in Sarrebourg zeigt sich in einem sehr gepflegten Zustand. Die ältesten Grabsteine datieren aus der Zeit des ausgehenden 18.Jahrhunderts.

  Bildergebnis für sarrebourg cimetière juif Friedhof in Sarrebourg (Aufn. A., 2014, aus: commons.wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Hinweis: Im gleichnamigen rheinland-pfälzischen Saarburg gab es auch eine jüdische Gemeinde. vgl. Saarburg (Rheinland-Pfalz)

 

Nur wenige Kilometer südwestlich von Saarburg/Sarrebourg liegt Imlingen (frz. Imling), in dem sich vor 1700 eine israelitische Gemeinde gebildet hatte. Ein Betsaal in einem Privathaus wurde 1846 mit der Errichtung einer Synagoge in der Oberstadt abgelöst, in der bis gegen Ende des Ersten Weltkrieges Gottesdienste abgehalten wurden.

Auf dem jüdischen Friedhof in Sarrebourg wurden die verstorbenen Gemeindeangehörigen beerdigt.

Reste einer privaten Mikwe haben sich bis in die Gegenwart erhalten.

 

 

In Schalbach – einem Dorf ca. 15 Kilometer nordöstlich von Saarburg/Sarrebourg – gab es seit dem ausgehenden 18.Jahrhundert eine israelitische Gemeinde, die 1802 ihre Synagoge errichtete.

Gegen Kriegsende wurde das Synagogengebäude verkauft; der neue Eigentümer nutzte das es fortan als Scheune/Lagerraum.

 

Aufn. ehem. Synagoge (Aufn. Aimelaime, 2013, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Erhalten geblieben ist der relativ große jüdische Friedhof mit zahlreichen Grabsteinen.

 

In Duß (frz. Dieuze) - ca. 30 Kilometer nordwestlich von Saarburg/Sarrebourg - bestand spätestens seit dem 18.Jahrhundert eine israelitische Gemeinde. Die damalige Synagoge wurde auch von jüdischen Bewohnern der benachbarten Orte aufgesucht. Ein wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg errichtetes Synagogengebäude - im Stile der Neoromanik mit orientalischen Elementen versehen - wurde während der deutschen Okkupation zerstört.

Synagoge in Dieuze (hist. Aufn., aus: Sammlung Rothé)

Ein 1955 neu erstelltes Synagogengebäude wird heute aber nicht mehr gottesdienstlich genutzt.

Aufgegebene Synagoge (Aufn. A., 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Der jüdische Friedhof in Dieuze wurde in den 1990er Jahren schwer geschändet, zahlreiche Grabsteine beschädigt.

 

In dem kleinen Dorfe Helleringen (frz. Hellering-lès-Fénétrange) gab es spätestens seit dem 18.Jahrhundert eine jüdische Gemeinde. Zu ihren gemeindlichen Einrichtungen gehörten eine Synagoge (Einweihung unbekannt), die während der deutschen Okkupation zerstört wurde, und ein Friedhof.

Die an einem Hanggelände liegende Begräbnisstätte weist heute noch etliche Grabmale auf, die möglicherweise aus der Zeit frühester Belegung stammen.

 Aufn. Aimelaime, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 

In der Ortschaft Blankenberg (frz. Blâmont) – fast 30 Kilometer südwestlich von Saarburg/Sarrebourg gelegen – erinnert heute noch ein im Laufe des 19.Jahrhunderts angelegter Friedhof an ehemalige jüdische Familien, die im Ort und der nahen Umgebung ihr Zuhause hatten. Auf dem Begräbnisgelände haben zahlreiche Grabsteine die Zeiten überlebt.

Aufn. Aimelaime, 2014, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0

Weitere Informationen:

Jean-Bernard Lang/Pascal Faustini (Red.), Sarrebourg, online abrufbar unter: judaisme.sdv.fr/synagog/moselle/sarrebourg.htm

Jean-Bernard Lang/Pascal Faustini (Red.), Dieuze, Gélucourt, Vergaville, Kerprich, Bourgaltroff, Domnon, online abrufbar unter: judaisme.sdv.fr/synagog/moselle/dieuze.htm