Ueckermünde (Mecklenburg-Vorpommern)

Ueckermünde mit derzeit ca. 10.000 Einwohnern ist heute eine amtsfreie Hafenstadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern.

Ueckermünde im 17.Jahrhundert (Stich von Eilhard Lubinus 1565–1621 - Pommersches Landesmuseum)

Ende des 17.Jahrhunderts wird erstmals ein in Ueckermünde lebender Jude urkundlich erwähnt; demzufolge wurde David Judas nach Zustimmung des Magistrats erlaubt, in der Stadt zu wohnen und „Leinen- und Beurenzeug zu verkaufen“; er erhielt sogar in Ueckermünde das Bürgerrecht und konnte hier ein Haus erwerben. Eine Synagogengemeinde wurde erst um 1855 gegründet, als jüdische Familien aus Osteuropa hierher verschlagen wurden; sie zählte stets relativ wenige Mitglieder. Aus einem Statut der Gemeinde von 1860 geht hervor, dass auch kleine Ortschaften aus dem näheren Umkreis wie Altwarp, Neuwarp, Eggesin und Torgelow zum Synagogenbezirk gehörten. Der Betraum der Gemeinde befand sich in der Töpferstraße; auch eine kleine Religionsschule soll bestanden haben.

Seit den 1820er Jahren nutzte die kleine jüdische Gemeinschaft einen ‚alten’ Friedhof, der nahe der vier Jahrzehnte später angelegten neuen Begräbnisstätte an der Ecke Wiesenstraße/Liebgartener Straße lag.

Juden in Ueckermünde:

         --- 1816 ............... 11 Juden,

    --- 1831 ............... 38   “  ,

    --- 1841 ............... 55   “  ,

    --- 1852 ............... 48   “  ,

    --- 1861 ............... 58   “  ,

    --- 1887 ............... 46   “  ,

    --- 1909 ............... 29   “  ,

    --- 1932 ............... 19   “  .

Angaben aus: Wolfgang Wilhelmus, Juden in Vorpommern, S. 45 f.

Die antijüdischen Kampagnen schienen im Kreis Ueckermünde nicht den gewünschten Erfolg gehabt zu haben; im Lagebericht der Staatspolizeileitstelle Stettin vom 4.7.1935 hieß es: „Im Kreis Ueckermünde ist beobachtet worden, daß von Seiten der Landbevölkerung ein gesteigertes Aufsuchen der jüdischen Geschäfte zu verzeichnen ist.

                   Über das ‚Ergebnis’ des Novemberpogroms in Ueckermünde hieß es lapidar im Lagebericht des Reg.präs. von Stettin vom 10.11.1938:

Ueckermünde: Synagoge innen demoliert und ausgeräumt. Gebrauchsgegenstände auf dem Schloßhof verbrannt. Keine Plünderung. Zwei jüdische Geschäfte-Schaufenster eingeschlagen. Beim früheren jüdischen Med.Rat Dr.Glaser 6 Altertumswaffen und 2 neue Teschings sichergestellt.

Über das Schicksal der verfolgten ca. zehn jüdischen Familien Ueckermündes liegen keine gesicherten Informationen vor.

Einzige Erinnerung an die kleine jüdische Gemeinde am Oderhaff ist heute der bis 1938 genutzte Friedhof an der Wiesenstraße; dieser war 1938 verwüstet worden. Anfang der 1960er Jahre wurde das Gelände in eine Gedenkstätte umgestaltet und die noch vorhandenen Grabsteine in einer Reihe niederlegt. Heute sind noch zwölf Grabsteine vorhanden. Ein später hier aufgestellter Findling trägt die Inschrift: „Zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Faschismus”.

Hinweis: Von 1939 bis 1942 wurden rund 600 kranke und behinderte Menschen aus der Klinik Ueckermünde in nationalsozialistische Vernichtungslager transportiert, wo sie getötet wurden. An ihr Schicksal erinnert ein Denkmal auf dem Klinikgelände.

Initiiert von Schülern des Greifen-Gymnasiums wurden in der Ueckermünder Altstadt im Jahre 2010 mehrere sog. „Stolpersteine“ verlegt, die an ehemalige jüdische Bewohner erinnern.

Aufn. A., 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0

Weitere Informationen:

M.Brocke/E.Ruthenberg/K.U.Schulenburg, Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin), in: Veröffentlichungen aus dem Institut Kirche und Judentum, Hrg. Peter v.d.Osten-Sacken, Band 22, Berlin 1994, S. 646/647

M.Heitmann/J.H.Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem ganzen Land jedes Verderben ...” Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich 1995

Wolfgang Wilhelmus, Juden in Vorpommern, in: Reihe Geschichte Mecklenburg-Vorpommern No.8/1996, hrg. von Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Mecklenburg-Vorpommern

Wagner, Auf den Spuren jüdischer Mitbürger in Ueckermünde, Hrg. Stadt Ueckermünde/Heimatbund ‘August Bartelt’, Ueckermünde 2000 (2.Aufl.)

Wolfgang Wilhelmus, Geschichte der Juden in Pommern, Ingo Koch Verlag, Rostock 2004

Juden verspottet: Ueckermünde plant erstmals „Marsch des Lebens“, in: dpa vom 16.1.2015