Deutschkreutz (Österreich)

http://bglv1.orf.at/static/vietnam2/images/site/oesv1/201008/sieben_big.jpg In der jüdischen Welt ist die Gemeinde Deutschkreutz (Németkeresztur) – ehemals die größte der "Siebengemeinden" des Burgenlandes - fast ausschließlich unter ihrem hebräischen Namen „Zelem“ (= „Ebenbild“) bekannt. (Das hebräische Wort „Zelem“ und wurde offensichtlich gewählt, um das ›-kreutz‹ im Ortsnamen Deutschkreutz zu vermeiden.)

Anm.: Der Begriff „Siebengemeinden“ steht synonym für die israelitischen Gemeinden von Deutschkreutz (Németkeresztur), Eisenstadt (Kismarton), Frauenkirchen (Boldogasszony), Kobersdorf (Kabold), Kittsee (Köpcsény), Lackenbach (Lakompak) und Mattersdorf/Matterburg (Nagymarton).

Die Anfänge der Deutschkreutzer Judengemeinde waren recht bescheiden; im Jahre 1478 sind erstmals zwei jüdische Handwerker urkundlich nachgewiesen. Gegen Mitte des 16.Jahrhunderts zählte man vier jüdische Familien in Deutschkreutz. Ab den 1670er Jahren zogen immer mehr jüdische Familien in die Marktgemeinde zu; zunächst unter dem Schutz des Grafen Nádasdy, danach des Fürsten Esterházy, der sie auf seinen Gütern aufnahm, fanden die Juden - meist Flüchtlinge aus Wien und Niederösterreich - eine dauerhafte Bleibe. Mit den Juden in Deutschkreutz und Frauenkirchen schloss der Palatin Esterházy im Jahre 1701 einen ersten Kontrakt.

Heunt Undter Gesetzter Dato ist auf Hochfürstlichen Herrn Gnädigsten befelch zwischen den Christen in Markt Creuz und der Juden Gemain alda nach folgender Contract auff gericht und beschlossen wordten, als nemlich sind. Von Erste weüllen die Juden 5 ¼ halbe Christen Hofstädt Heusl an Markht an sich erkauft als sollen Gedachte Juden der Christen Gemain Jährl. Als von prima January bris ultimo X bris 1701 von alles und iedes worunter die Robath, Saldathen Speüssen, Pfare, Schull und Wacht Gelt. Item durch märsch und der Gleichen vorstanden fünff und Neunzig Gulden. Item die Juden Balbirer ödpärte Vüre Guldten zusamben 99 fl. Pahres Geldt und solisches zu St. Georgy u. Michael als halb zu halb Jahre richtig ohne weiteren Einwurff wie in Paren Geldt abführen sollen und müssen, dahin gegen Anderten die Christen Gemain die zu deren obbermelten Hofstät Häusern Gehörige Grundstuck von Sye allein zugeniessen und aus zuteüllen können, und mögen jedoch Drittens ist die Gemain schuldig auff bedeute heüsl khomt zum Vorzeimer abzugeben nicht weniger ist auch die Weyd dabey, und das seye nach Zweyheüsl Erbauen unter diesen Contract ausser der herrschaftlichen Schuldigkeit verstanden. Viertens dieses Sto und Vordt zuhalten.
Welche Gemain wider dieses Vergleich handeln würden, solle unnachlessig der Herrschaft dreyhunderth Guldten Pennfahl zu Erlegen Schuldig sein.
Datum Schloss Creutz den Ersten Jenner 1701
L.S. Fr. Rentambt Alda.

Ein umfangreiches Privileg von 1720 garantierte den Deutschkreutzer Juden fürstlichen Schutz, weitgehende Selbstständigkeit in der Ausübung ihrer Religion und sicherte ihnen politische und wirtschaftliche Freiheiten zu. So wurden ihnen z.B. auf dem Gebiete der Verwaltung Vorrechte eingeräumt: sie durften eine eigene Polizei aufstellen und eigene Richter und Geschworene bestimmen. Dieser „Privilegiumsbrief“ führte aber auch zu einer Abschottung gegenüber der christlichen Bevölkerung. Das ursprüngliche Siedlungsgebiet der jüdischen Familien befand sich am Ortsrand, in der Neugasse nahe dem Schloss.

Die Deutschkreutzer Juden verdienten im 18.Jahrhundert und auch noch später ihren Lebensunterhalt im Viehhandel, im Handel mit Häuten und Leder, aber auch überregionalen Weinhandel; aus dem nahen Mähren wurden Stoffe und Kurzwaren eingeführt. Die meisten verdingten sich aber im nur wenig ertragreichen Hausierhandel. Da die Ausübung eines Handwerks in Deutschkreutz keinerlei Beschränkungen unterlag, waren Juden auch in verschiedensten handwerklichen Berufen tätig.

Zwei Großbrände im 18.Jahrhundert (1762 und 1777) zerstörten fast alle Gebäude des Ghettos, das am Ortsrand nahe des Schlosses lag; doch die Gebäude wurden schnell wiederaufgebaut.

In einem neuen Kontrakt, den die fürstliche Behörde 1813 mit den Juden abschloss, wurden diese zur jährlichen Zahlung von „Schutzgeld und Gaben“ verpflichtet; zudem wurde der Gemeinde auferlegt, keine neuen jüdischen Zuwanderer aufzunehmen oder einheiraten zu lassen, ohne vorher die Erlaubnis des Fürsten eingeholt zu haben. Ursächlich für diese einschränkenden Maßnahmen war wohl die Befürchtung der Obrigkeit, die Ortsjudenschaft könnte sich im Ort zu sehr ausbreiten und an Einfluss gewinnen. Trotzdem war ein weiteres Wachstum der Gemeinde zu verzeichnen.

1759 wurde ein jüdischer Friedhof am südwestlichen Ortsrande - nahe der christlichen Begräbnisstätte – angelegt, nachdem die fürstliche Herrschaft ihre Erlaubnis dazu gegeben hatte. Von den 1840er Jahren bis 1938 diente das großflächige Bestattungsareal auch verstorbenen Angehörigen umliegender Gemeinden als letzte Ruhestätte.

Ihren ersten Synagogenbau konnte die wenig vermögende Judenschaft 1747 fertigstellen, nachdem Fürst Paul Anton Esterházy dessen Errichtung ein Jahr zuvor gestattet hatte. Ersetzt wurde dieses Gebäude knapp 90 Jahre später durch einen mitten im Dorfzentrum gelegenen massiven Neubau, der die umstehenden Wohnhäuser überragte.

                              Synagogenportal (Teil einer hist. Bildpostkarte)

(Anm.: Dieser Bau blieb bis ins Jahr 1941 bestehen; dann wurde er - auf Betreiben der SS - teils abgetragen, teils durch Sprengung zerstört.)

Die Deutschkreutzer Judenschaft war insgesamt streng religiös-orthodox ausgerichtet; neben der genauen Beachtung der rituellen Speisevorschriften war der regelmäßige Besuch der Synagoge - der „Schulklopfer“ rief die Glaubensgenossen zum Gebet zusammen - eine Selbstverständlichkeit. Jedes Gemeindemitglied hatte seinen festen Platz in der Synagoge. Die Sabbat-Vorschriften wurden derart eng ausgelegt, dass christliche Nachbarn von jüdischen Familien gebeten wurden, an diesem Tage Licht bzw. Feuer zu machen! Der zionistisch orientierte Publizist Otto Abeles bezeichnete die Deutschkreutzer Gemeinde als „dunkelste jüdische Enklave des Burgenlandes“. Neben einer weithin bekannten Talmudschule (der sog. „Rabbinerschule“), an der zahlreiche bekannte Rabbiner wirkten und die vor allem von Studenten aus Osteuropa besucht wurde, gab es in Deutschkreutz seit den 1780er Jahren auch eine Elementarschule, die ausschließlich den hier lebenden jüdischen Kindern vorbehalten war. Die Talmudschule wurde vor allem von polnischen, ungarischen und tschechoslowakischen Schülern im Alter von 15 bis 25 Jahren besucht. Unterrichtssprache war jiddisch, die Studiendauer betrug zwei Jahre; die Absolventen fungierten danach als Synagogendiener und als Schächter. Die Studenten waren bei jüdischen Familien untergebracht und wurden auch von diesen verköstigt.

                Talmudschule in Deutschkreutz (aus: vs-deutschkreutz.schulweb.at )

Juden in Deutschkreutz :

    --- um 1560 ......................     4 jüdische Familien,

    --- 1672 .........................    28 Juden,

    --- um 1700 ......................    20   “  ,

    --- 1729 .........................    20 jüdische Familien,

    --- um 1735 ......................   222 Juden (in 54 Familien),

    --- 1768 .........................   268   “  ,

    --- 1785 .........................   535   “  ,

--- 1802 .........................   585   “  ,

    --- 1836 .................... ca.  1.000   “  ,

    --- 1857 ......................... 1.244   “   (ca. 38% d. Bevölk.),

    --- 1880 ......................... 1.230   “  ,

    --- 1911 .........................   764   “  ,

    --- 1925 .........................   435   “  ,

    --- 1936 .........................   433   “   (ca. 12% d. Bevölk.),

    --- 1938 (Jan.) ..................   420   “  ,

    --- 1939 .........................   keine.

Angaben aus: Hugo Gold (Hrg.), Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes

und                 Shlomo Spitzer, Die jüdische Gemeinde von Deutschkreutz

Aus einer Schilderung des Rabbiners von Deutschkreutz, Joseph Roth: ... 70 jüdische Familien wohnen seit 1.000 Jahren im Deutsch-Kreutzer Getto. Denn sie wohnen alle zusammen, in einer großen Häusergruppe hinter den weiten Gehöften der reichen Bauern und führen ein eigenes Leben. In der Mitte steht der Tempel, mindestens ein paar Jahrhunderte alt. Links vom Tempel wohnt der Rabbiner, ein Mann in mittleren Jahren mit blondem Bart und einem schwarzen Samtkäppchen auf dem Haupte. Er sitzt an einem langen Tisch und um ihn herum seine Jünger. Judenburschen im Alter von sechzehn bis zwanzig. Sie lernen Talmud, alle durcheinander, in ihren monotonen Sing-Sang klingt nur von Zeit zu Zeit der grelle Schrei der Ziehharmonika vom Wirte drüben. ... Die Juden von Deutsch-Kreutz und den Schweh-Khilles beschäftigen sich nur mit ehrlichem Handel und werden von der christlichen Bevölkerung sehr geschätzt. Sie haben sich rein und unvermischt erhalten, und aus ihren Gesichtern klagte das jahrtausendealte Leid Ahasvers. Sie kennen keinen Tanz, kein Fest und kein Spiel. Nur Beten und Weinen und Fasten. Die Deutsch-Kreuzer Juden fasten zweimal in der Woche und beten den halben Tag lang.Der Tempeldiener kommt morgens und abends an jede Tür, klopft mit einem Hammer und ruft die Juden zum Gebet. ...  (aus: Joseph Roth, Reise durch das Heanzenland, in: „Der Neue Tag”, Ausgabe vom 9.8.1919)

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts setzte - wie in den anderen burgenländischen Gemeinden - eine starke Abwanderung ein; das lag daran, dass sich Juden nun frei in den Städten niederlassen konnten. Nach der Jahrhundertwende hatte sich die jüdische Gemeinde wieder gefestigt; die Zahl ihrer Mitglieder betrug knapp 800 Personen. Mitte der 1920er Jahre bildete die Deutschkreutzer die größte burgenländische Judengemeinde; außer einigen wohlhabenden Familien besaßen die allermeisten nur einen bescheidenen Lebensstandard. Mit Ausnahme der Gasthäuser befand sich beinahe das gesamte Geschäftsleben von Deutschkreutz in Händen jüdischer Familien. Deren Geschäfte befanden sich fast ausnahmslos in der Hauptstraße, der Rausnitzer Straße.

Bis 1938 entsandte die Judengemeinde zwei Vertreter in den Gemeinderat von Deutschkreutz; zwischen Christen und Juden sollen bis dahin gutnachbarschaftliche Beziehungen bestanden haben. Fast das gesamte Geschäftsleben des Ortes wurde bis 1938 von jüdischen Familien getragen; mit Ausnahme der Gasthäuser hatten alle hiesigen Läden jüdische Besitzer, die ihr Angebot auch der ländlichen Bevölkerung der Region zur Verfügung stellten. Wenige Wochen nach dem sog. „Anschluss” an das Deutsche Reich mussten alle jüdischen Bewohner auf Anweisung der NS-Behörden Deutschkreutz innerhalb kürzester Frist verlassen; die Ausgewiesenen hatten noch nicht einmal ausreichend Zeit, ihren Besitz zu verkaufen; mitnehmen durften sie nur das, was sie tragen konnten. Bis Anfang Mai 1938 hatten alle Juden Deutschkreutz verlassen. Die zurückgelassenen Geschäfte und Wohnungen wurden von NS-Sympathisanten geplündert und teilweise zerstört; das noch vorhandene Eigentum wurde zu Schleuderpreisen öffentlich versteigert. Ziel der Zwangsausgewiesenen war zunächst Wien; von hier aus gelang es den allermeisten, in andere europäische Länder bzw. nach Übersee zu emigrieren.

                              

Synagogenruine und deren Abtragung (Aufn. 1941, aus: burgenland.at)

Mit der völligen Zerstörung der Synagoge im Februar 1941 war auch die Schleifung des jüdischen Friedhofs verbunden; alle vorhandenen Grabsteine wurden entfernt und noch kurz vor Kriegsende teilweise zur Errichtung von Straßensperren benutzt. Nur etwa 40 Grabsteine überstanden die NS-Zeit unzerstört; vom Wiener Zentralfriedhof wurden sie Anfang der 1990er Jahre wieder nach Deutschkreutz überführt. 

Nach Kriegsende kehrten keine ehem. Deutschkreutzer Juden hierher zurück. Im Rahmen der Wiedergutmachung erhielten sie zwar die Rechte auf ihren Haus- und Grundbesitz zugewiesen; doch meist wurde dieser umgehend an Privatleute veräußert.

Am ehemaligen Standort der Synagoge von Deutschkreutz wurde vier Jahre nach Kriegsende ein marmorner Gedenkstein mit der folgenden Inschrift aufgestellt.  

Auf diesem Platz stand der jüdische Tempel,

der im Jahre 1940 von den Nazibarbaren zerstört wurde.

Die Jahreszahl ist falsch angegeben.

Dieser Stein wurde in den 1970er Jahren entfernt, als hier ein Geschäftshaus errichtet wurde. Seit 2012 erinnert am Geburtshaus des Komponisten Carl Goldmark nun wieder ein neues Denkmal an die einstige jüdische Gemeinde des Ortes, das die folgenden Worte trägt:

Zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde Deutschkreutz – Zelem

1938 wurden alle jüdischen Einwohner aus ihrem Heimatort vertrieben.

Nur wenige konnten der Vernichtung durch die Nazi-Barbarei entkommen.

Denkmal in Deutschkreutz 

Denkmal für die Juden aus Zelem (Aufn. aus: burgenland.orf.at und Chr. Michelides, 2017, aus: wikipedia.org, CC BY.SA 4.0)

1991 wurde der jüdische Friedhof, dessen Grabsteine während der NS-Zeit zumeist zerstört bzw. entfernt worden waren, mit großem finanziellen Aufwand restauriert; Grabsteinfragmente wurden in die Friedhofsmauer integriert.

 

Aufn. Chr. Michelides, 2017 und Steindy, 2011, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0 bzw. 3.0

Auf dem Areal befindet sich auch ein Massengrab von ca. 265 ungarischen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Der letzte Rabbiner der Deutschkreutzer Gemeinde, Levi Jitzchak Grünwald (geb. 1893), emigrierte 1938 in die USA und gründete in New York/Brooklyn eine Gemeinde, deren Einrichtungen den Namen „Zelem“ erhielten. Grünwald starb 1980 an seinem Wirkungsort.

 Rabbiner Salomon Friedmann wurde 1875 in Deutschkreutz als Sohn des bekannten Rabbiners David Friedmann geboren. In Baden/b.Wien und Vöslau war Salomon Friedmann für die dortigen Gemeinden tätig. Im Oktober 1938 flüchtete er mit seiner Familie nach St.Gallen und ging anschließend nach Antwerpen. Nach dem deutschen Einmarsch in Belgien gelang ihm abermals die Flucht in die Schweiz; von hier er emigrierte er mit seinen Töchtern nach Israel, wo er 1967 im hohen Alter von 92 Jahren verstarb.

Zu den Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde von Deutschkreutz, die über ihren Heimatort hinaus gewisse Bedeutung erlangten, gehörten der Komponist Carl Goldmark (1830–1915), der Schriftsteller Alexander Grünbaum (1896–1965) und der Dichter Ludwig Dux (1845-1919); letztgenannter wurde unter dem magyarisierten Namen Dóczi Lajos bekannt.

http://www.deutschkreutz.at/images/c-goldmark.jpg Carl Goldmark   http://www.mek.oszk.hu/01100/01149/html/images/doczilaj.jpg Ludwig Dux (Dóczi Lajos)

 

Im nur wenige Kilometer nördlich von Deutschkreutz gelegenen ungarischen Sopron (dt. Ödenburg) lebten bereits im 13.Jahrhundert Juden; das Wohngebiet der ca. 15 Familien war die Neugasse. Aus dem beginnenden 14.Jahrhundert stammt eine hier im gotischen Stil errichtete Synagoge; daneben gab es eine weitere (Privat)Synagoge, die ein Bankier um 1370 hatte errichten lassen.

 

Zugang zur alten Synagoge in der Neugasse (Aufn. Vadaro, 2006, aus: wikipedia.org, gemeinfrei und Alexandra Vogt, 2012)

1526 erfolgte die Vertreibung der jüdischen Bewohner - mehrere hundert Menschen - aus Ödenburg; die verlassene Synagoge wurde später zu einem Wohnhaus umgebaut. In den 1960er Jahren erhielt das Gebäude seinen alten Glanz zurück. Im oberen Trakt befindet sich eine Ausstellung über das Leben der Ödenburger Juden im Mittelalter.

Um 1840 konnten Juden wieder dauerhaft in Ödenburg sich niederlassen; 30 Jahre später lebten fast 900 jüdische Bewohner in der Stadt, weitere zwei Jahrzehnte später waren es mehr als 1.600. Zu den gemeindlichen Einrichtungen zählten eine Begräbnisstätte (1868 angelegt) und eine Synagoge. Die nach der Spaltung sich gebildete orthodoxe Gemeinde verfügte ebenfalls über eigene Einrichtungen, wie Friedhof, Synagoge, Schule und Mikwe.  

Während der deutschen Besatzung zählte die Soproner jüdische Gemeinde ca. 1.800 Personen; auf behördliche Anordnung vom April 1944 musste in der Stadt ein Ghetto eingerichtet werden. Anfang Juli d.J. wurden die Ghettobewohner nach Auschwitz deportiert.

Nach 1945 kam es zu einem kurzzeitigen Wiederaufleben der jüdischen Gemeinde, die schließlich 1954 sich ganz auflöste. Im Jahre 2003 bildete sich erneut eine jüdische Gemeinschaft in Sopron.

An die 1868 erbaute und 1944 zerstörte neologische Synagoge in der Tempelstraße erinnert heute eine Gedenktafel am Haus, das an ihrer Stelle steht. Das unter Denkmalschutz stehende Synagogengebäude der orthodoxen Gemeinde (erbaut 1890/1891) hat die Kommune Sopron 2005 gekauft; das inzwischen sanierte Gebäude soll künftig für Kunstausstellungen genutzt werden.

                           

Synagogengebäude in Sopron (Aufn. E. Dyan, 2010, aus: wikipedia.org, CC BY 2.0 und Aufn. von 2013)

Weitere Informationen:

Joseph Roth, Reise durch das Heanzenland, in: “Der Neue Tag”, Ausgabe vom 9.8.1919

Otto Abeles, Deutschkreutz - der sechste Erdteil, in: Wiener Morgenzeitung vom 3.2.1927

Josef Loibersbeck, Beiträge zur Geschichte des Burgenlandes, in: “Volk und Heimat”, No. 5 – 7

Pater Gratian Leser, Aus der Vergangenheit der Gemeinde Deutschkreutz. Ortschronik, Deutschkreutz 1951

Alfred Zistler, Geschichte der Juden in Deutschkreutz, in: Hugo Gold (Hrg.), Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes, Edition ‘Olamenu’, Tel Aviv/Israel 1970, S. 57 - 75

Herbert Rosenkranz, Verfolgung und Selbstbehauptung. Die Juden in Österreich 1938 - 1945, Herold-Verlag Wien 1978

J. Klampfer, Das Eisenstädter Ghetto, in: Burgenländische Forschungen 51, S. 88 f.

Widerstand und Verfolgung im Burgenland 1934 bis 1945 - eine Dokumentation, Hrg. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien 1979, S. 294 ff.

Shalom Fried, Auf den Spuren jüdischen Lebens im Burgenland. Das Erbe der Schewa Kehiloth, in: Mahnmale. Jüdische Friedhöfe in Wien, Niederösterreich und Burgenland, Wien 1992, S. 116 ff.

Rudolf Kropf (Hrg.), Juden im Grenzraum. Geschichte, Kultur und Lebenswelt der Juden im Burgenländisch-Westungarischen Raum und in den angrenzenden Regionen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, in: Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, Heft 92, Eisenstadt 1993

Pierre Genee, Synagogen im Burgenland, in: Schlomo Spitzer (Hrg.), Beiträge zur Geschichte der Juden im Burgenland (Tagungsberichte), Wien 1995

Shlomo Spitzer, Die jüdische Gemeinde von Deutschkreutz, Böhlau-Verlag, Wien/Köln/Weimar 1995

Adalbert Putz, Zelem – Zentrum jüdischer Kultur, in: Franz Schneller (Hrg.), Deutschkreutz, Deutschkreutz 1995, S. 173 - 179

Johannes Reiss, Aus den sieben Gemeinden - Ein Lesebuch über Juden im Burgenland, hrg. aus Anlass des Jubiläums 25 Jahre Österreichisches Jüdisches Museum Eisenstadt 1997, S. 201 f.

Burgenländische Volkshochschulen (Hrg.), Zerstörte Gemeinden im Burgenland - Eine Spurensuche 2002, in: http://www.vhs.a-business.co.at

Peter F.N. Hörz, Jüdische Kultur im Burgenland. Historische Fragmente – volkskundliche Analysen, in: Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, Band 26, Wien 2005, S. 325 – 343

Adalbert Putz, Das Judentum auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes, hrg. von der Marktgemeinde Deutschkreutz (online abrufbar unter: deutschkreutz.at)

David-Redaktion (Bearb.), Ein neuerrichtetes Denkmal in Deutschkreutz-Zelem. Zur Erinnerung an die ehemalige jüdische Gemeinde, in: DAVID - Jüdische Kulturzeitschrift 96/2013

Naama G. Magnus, Auf verwehten Spuren – Das jüdische Erbe im Burgenland, Teil 1: Nord- und Mittelburgenland, hrg. vom Verein zur Erhaltung und kulturellen Nutzung der Synagoge Kobersdorf, 2013

Burgenländische Forschungsgesellschaft (Hrg.), Jüdische Kulturwege im Burgenland – Rundgänge durch die „Sieben Gemeinden“ (Schewa Kehillot) und die Gemeinden des Südburgenlandes, Broschüre, Eisenstadt 2016, S. 26/27, auch online abrufbar unter: forschungsgesellschaft.at