Dürrmaul (Böhmen)

Der böhmische kleine Marktflecken Dürrmaul - nur wenige Kilometer südwestlich von Marienbad/Mariánské Lázně gelegen - ist das heutige tschech. Drmoul mit derzeit ca. 1.000 Einwohnern.

Nach ihrer Vertreibung aus Plan (1686) ließen sich jüdische Familien in den benachbarten Ortschaften Dürrmaul und Kuttenplan nieder; ihre Behausungen legten sie um den großen Dorfplatz an. Zu Beginn des 18.Jahrhunderts wurden den hier lebenden Juden Privilegien zugestanden bzw. bestätigt; diese gewährten ihnen im Handel, Gewerbe und in der Religionsausübung gewisse Freiheiten und entlasteten sie von bestimmten Abgaben. Allerdings waren die Dürrmauler Juden zu Zahlungen an die Obrigkeit verpflichtet: so mussten sie jährliche Abgaben für ihre Wohnhäuser und die Nutzung des Bethauses zahlen, zudem die Abnahme einer bestimmten Menge Branntwein aus der herrschaftlichen Brennerei garantieren.

1801 (oder 1803) errichtete die Judenschaft inmitten des Dorfes - unmittelbar neben der Kirche - ein neues Synagogengebäude, dessen Eingangsportal die Inschrift „In das Gotteshaus will ich gehen” trug.

                       Synagoge in Dürrmaul (hist. Aufn., aus: zanikleobce.cz)

Ein seit der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts genutztes Begräbnisgelände lag auf einem Hügel vor dem Dorfe.

Juden in Dürrmaul:

         --- 1724 ...........................  17 jüdische Familien,

    --- um 1770 ........................  18     “       “    ,

    --- 1837 ...........................  29     “       “    ,

    --- 1880 ........................... 110 Juden,

    --- 1900 ...........................  77   “  ,

    --- um 1930 ........................  35   “  .

Angaben aus: Hugo Gold, Zur Geschichte der Juden in Dürrmaul

Ende der 1920er Jahre war die jüdische Gemeinde in Dürrmaul in Auflösung begriffen. Die letzten jüdischen Familien verließen das Dorf unmittelbar nach der „Kristallnacht“, in der die Synagoge niedergebrannt wurde.

Mehr als 500 Grabsteine – die ältesten und historisch wertvollsten stammen aus dem ausgehenden 17.Jahrhundert – erinnern heute noch an die einstige jüdische Gemeinde. Anfang der 1940er Jahre war der Friedhof von den deutschen Besatzern zerstört worden, wurde aber in jüngster Zeit wieder restauriert und gehört jetzt zu den Sehenswürdigkeiten von Dürrmaul.

 

Blick auf den jüdischen Friedhof Dürrmaul/Drmoul (Aufn. ML, 2009, aus: wikipedia.org, CC BY 2.0)

Bekannteste Persönlichkeiten der Dürrmauler Judengemeinde waren der Rabbiner Isaac Mayer Weis, einer der Mitbegründer des amerikanischen Reform-Judentums, und der Schriftsteller Norbert Fryd, der die Dürrmauler Judengemeinde in seinen Büchern beschrieb.

 

Im Nachbarort Kuttenplan (tsch. Chodová Planá) gewährte gegen Ende des 17.Jahrhunderts der Graf von Haimhausen jüdischen Flüchtlingen Schutz. Um 1740 sollen im Dorfe mehr als 20, um 1770 mehr als 30 jüdische Familien gelebt haben, die in einem eigenen Viertel wohnten. Neben einer erstmals 1645 erwähnten Synagoge – um 1750 durch eine neue ersetzt - stand auch ein eigener Begräbnisplatz am Kellerberge zur Verfügung; er war vermutlich bereits im 15./16.Jahrhundert angelegt worden. Ein neues Begräbnisgelände wurde im letzten Jahrzehnt des 19.Jahrhunderts geschaffen.

                   Synagoge in Kuttenplan (hist. Aufn., Fiedler 2008)

Anfang der 1930er Jahre lebten nur noch sehr wenige Juden in Kuttenplan. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Synagogengebäude als Stallung benutzt, später dann abgerissen.

An die ehemalige israelitische Gemeinde erinnert der alte jüdische Friedhof, der in den letzten Jahren wieder in den Blick der Öffentlichkeit rückte und eine gewisse Sanierung erfuhr.

Chodová Planá - starý ŽH 01.jpg jüdisches Begräbnisgelände bei Chodová Planá

 https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ea/Chodov%C3%A1_Plan%C3%A1_-_star%C3%BD_%C5%BDH_10.jpg

Alte Grabstätten und -steine (alle Aufn. Krabat, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

Zudem sind von dem im ausgehenden 19.Jahrhundert angelegten neuen jüdischen Friedhof noch ca. 120 Grabstätten erhalten geblieben; Vegetation überwuchert immer mehr dieses Gelände.

Zugang zum neuen Friedhof (Aufn. Krabat, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Weitere Informationen:

Hugo Gold, Zur Geschichte der Juden in Dürrmaul, in: Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart, Brünn/Prag 1934, S. 119/120

Alfred Schapirnik (Bearb.), Geschichte der Juden in Kuttenplan und Umgebung, in: Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart, Brünn/Prag 1934, S. 335 - 341