Dillich (Hessen)

Datei:Borken (Hessen) in HR.svg Dillich ist seit 1971 ein Stadtteil der nordhessischen Kleinstadt Borken im Schwalm-Eder-Kreis (Karte NNW, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

In Dillich lebten einige jüdische Familien, deren dauerhafte Ansässigkeit ab ca. 1750 nachweisbar ist. Doch schon gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges lässt sich eine Familie urkundlich nachweisen. Die Zahl der Gemeindemitglieder erreichte in den Folgejahrhunderten aber zu keiner Zeit mehr als 40 - 50 Personen. Die häufigsten Familiennamen der Dillicher Juden waren Wolff, Israel und Katz.

Außer einem eigenen Begräbnisgelände besaß die kleine Gemeinde alle zur Ausübung ihres Glaubens notwendigen kultischen Einrichtungen. Eine „Judenschule“ (Synagoge) bestand im Dorf seit dem ausgehenden 18.Jahrhundert. Als das mehr als 100 Jahre alte Gebäude baufällig geworden war und vor einer Schließung stand, wandte sich die Dillicher Gemeinde an ihre Glaubensbrüder und bat um finanzielle Unterstützung bei den notwendigen Erhaltungsmaßnahmen.

  Anzeige aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16.Juli 1900

Im 19.Jahrhundert leistete sich die Gemeinde zeitweilig einen Lehrer, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war. Elementarunterricht erhielten die jüdischen Kinder seit Mitte der 1880er Jahre an der israelitischen Volksschule im nahen Zimmersrode.

Beerdigungen fanden auf dem jüdischen Verbandsfriedhof in Haarhausen statt; das seit Mitte des 16. Jahrhunderts bestehende Bestattungsgelände diente ursprünglich mehr als einem Dutzend jüdischer Gemeinden des Borkener Bereiches als Begräbnisplatz.

(vgl. Borken (Hessen)

Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die sehr wenigen in Neuenhain lebenden jüdischen Personen.

Die Kultusgemeinde Dillich gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.

Juden in Dillich:

--- um 1745 .......................   5 jüdische Familien,

--- 1776 ..........................   6     “        “   ,

--- 1835 ..........................  27 Juden,

--- 1861 ..........................  39   “  ,

--- 1871 ..........................  28   “  (ca. 5% d. Bevölk.),

--- 1885 ..........................  48   “  (ca. 9% d. Bevölk.),

--- 1895 ..........................  34   “  ,

--- 1905 ..........................  25   “  ,

--- 1924 ..........................  27   “  ,

--- 1933 ..........................  17   “  ,

--- 1942 (Dez.) ...................  keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 141

1933 lebten in Dillich noch 17 Menschen mosaischen Glaubens; die allermeisten verzogen in den folgenden Jahren nach Frankfurt/M. bzw. nach Kassel. Die allermeisten wurden von ihren neuen Wohnorten später deportiert.

Das Synagogengebäude am Kirchring war - nach Auflösung der Gemeinde - bereits vor 1938 an einen Privatmann verkauft worden, der es zu einem Wohnhaus umbaute, und entging so der Zerstörung.

ehemaliges jüdisches Gemeindehaus* (Aufn. aus: Th. Altaras, 1980er Jahre)

* Im Gebäudekomplex befanden sich die jüdische Schule, die Lehrerwohnung und eine Mikwe.

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 141

Eva Grulms/Bernd Kleibl, Jüdische Friedhöfe in Nordhessen. Bestand und Sicherung, Kassel 1984, S. 130 f.

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Hessen II: Regierungsbezirke Gießen und Kassel, VAS-Verlag, Frankfurt/M. 1996, S. 168/169

Thea Altaras, Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988, S. 47/48

Dillich mit Neuenhain, in: alemannia-judaica.de (mit einigen personenbezogenen Dokumenten)