Ebersheim (Rheinland-Pfalz)

Ebersheim ist heute ein Ortsbezirk der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.

In Ebersheim sind jüdische Bewohner seit Mitte des 18.Jahrhunderts urkundlich nachweisbar. Ein Ebersheimer "Schutzjude" namens Beer lässt sich für das Jahr 1785 nachweisen.
Seit 1853 (andere Angabe: bereits seit 1842) besaß die Ebersheimer Gemeinde ein eigenes Synagogengebäude in der Mainzer Straße (heute Konrad-Adenauer-Straße).

      Synagoge am linken Bildrand (hist. Aufn., um 1900 ?)

Zur Verrichtung gemeindlicher Aufgaben war bis in die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende ein Lehrer angestellt; neben der religiösen Unterweisung der Kinder war er - wie es in kleinen Gemeinden üblich war - zugleich als Vorbeter/Schochet tätig.

Stellenanzeigen aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18.März 1863, vom 3.Okt. 1877 und vom 18.Jan. 1886

Seit ca. 1905 besaß die inzwischen kleiner gewordene jüdische Einwohner keinen eigenen Lehrer mehr; zunächst wurde die von der Nachbargemeinde in Hechtsheim „versorgt“, ehe dann eigene Gemeindeangehörige nun ehrenamtlich dessen Tätigkeit übernahmen; teilweise wurde der Religionsunterricht auch durch auswärtige „Wanderlehrer“ erteilt.

                                            Stellenanzeige aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Sept. 1907

Um die Mitte des 19.Jahrhunderts ist wohl auch die Anlage einer eigenen Begräbnisstätte erfolgt; der älteste Grabstein datiert von 1870.

Zur Ebersheimer Gemeinde, die dem Bezirksrabbinat in Mainz angehörte, zählten auch die jüdischen Familien in Harxheim.

Juden in Ebersheim:

--- 1802 ..................  2 jüdische Familien,

--- 1816 .................. 18 Juden,

--- 1824 .................. 29   “  ,

--- 1830 .................. 38   “  (ca. 4% d. Bev.),

--- 1855 .................. 47   “  ,

--- 1875 .................. 50   “  ,

--- 1880 .................. 59   “  ,

--- 1900 .................. 52   “  ,

--- 1933 .............. ca. 25   “  ,

--- 1938 .................. 13   “  .

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Band 1, S. 145/146

Gewerbliche Anzeigen jüdischer Viehhandlungen/Metzgereien:

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(Nachkriegs)Anzeige des Kaufhauses Rückeshäuser 

 

 

 

 

Die stets nur kleine mosaische Gemeinschaft - in den 1860er Jahren mit maximal ca. 60 Angehörigen - löste sich Mitte der 1930er Jahre auf; die letzten elf jüdischen Bewohner verzogen 1938/1939 nach Mainz.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde das Synagogengebäude niedergebrannt und von Juden bewohnte Anwesen demoliert. Mitte der 1950er Jahre wurde die Ruine der Synagoge dann abgebrochen.

Im Frühjahr 2014 wurde auf Initiative dert beiden Kirchengemeinden und des Ortsrates am Standort der ehemaligen Synagoge eine Gedenktafel – geschaffen vom Bildhauer Rainer Knußmann – in den Gehweg in der Konrad-Adenauer-Straße eingelassen, auf der das Synagogengebäude reliefartig dargestellt ist. Die Inschrift auf der Bodenplatte lautet: „Standort der 1840/1842 errichteten Synagoge Ebersheim. Sie wurde im November 1938 niedergebrannt“.

                       Gedenkplakette (Aufn. Franz Hein, aus: bistummainz.de)

Seit 2011 erinnern auch sog. „Stolpersteine“ an ehemalige jüdische Bewohner Ebersheims, die Opfer der NS-Diktatur wurden.

Der aus Ebersheim stammende Arthur Simon - 1903 in die USA ausgewandert - wurde in seiner neuen Wahlheimat ein erfolgreicher Geschäftsmann.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20238/Ebersheim%20HSimon%20010.jpg Sein Sohn Herbert Simon erhielt 1978 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften und war viele Jahre Berater des amerikanischen Präsidenten.

Weitere Informationen:

Arthur Ruppin, Die Juden im Großherzogtum Hessen, Berlin 1909

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 145/146

Friedrich Eckert (Hrg.), Juden in Mainz-Ebersheim, bearb. von Georg Bertz, Mainz 1992

Ebersheim (Stadt Mainz), in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), "... und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 258

Dieter Krienke, Die Synagogen der Mainzer Vororte Bretzenheim, Ebersheim, Hechtsheim und Kastel, in: Hedwig Brüchert (Hrg.) Die Mainzer Synagogen, im Auftrag des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e.V. , Mainz 2008

Rudolf Büllesbach, Geschichte und Schicksal der Ebersheimer Juden, veröffentlicht in: regionalgeschichte.net

Marion u. Herbert Poensgen, Verlegung der Stolpersteine in Ebersheim, Flyer 2011

Berthold Tapp, Betrifft: Synagoge der israelitischen Gemeinde Ebersheim 1840 – 1938, in: "Ebersheimer Schaufenster" Juni 2013 u. Aug. 2013

Berthold Tapp, Die israelitische Gemeinde Ebersheim mit Harxheim und ihre Synagoge (1830 – 1938) - Aufstieg und Untergang einer rheinhessischen Landjudengemeinde, 2014