Egenhausen (Mittelfranken/Bayern)

Datei:Obernzenn in NEA.svg Egenhausen - seit 1975 Ortsteil des Markes Obernzenn - ist ein Pfarrdorf mit kaum 300 Einwohnern im Landkreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim gelegen (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

In Egenhausen gab es bis Anfang der 1920er Jahre eine kleine jüdische Gemeinde, deren Entstehung in das beginnende 18.Jahrhundert zurückreicht. Neben einer Synagoge verfügten die hier lebenden jüdischen Familien auch über eine Schule; der Religionslehrer war zugleich auch Vorbeter und Schächter.

Stellenanzeigen aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 17.Juli 1884, 9.Juni 1890 und 23.Mai 1907

Verstorbene wurden auf dem seit dem 17.Jahrhundert bestehenden jüdischen Friedhof bei Obernzenn begraben; neben Juden aus Obernzenn wurde die Begräbnisstätte auch von denen aus umliegenden Ortschaften wie Unternzenn, Ickelheim, Lenkersheim und Kaubenheim genutzt. Das Gelände – an der südwestlichen Ortsgrenze von Obernzenn an einem Hang gelegen – gehörte zu einem Teil der Kultusgemeinde (Bad) Windsheim, der andere Teil war im Eigentum der Gemeinde Egenhausen. Auf dem großflächigen Areal (etwa 6.000 m²) sind bis auf den heutigen Tag noch etwa 200 Grabsteine erhalten.

  Obernzenn jüdischer Friedhof 3.jpg

Jüdischer Friedhof bei Obernzenn (Aufn. X., 2010, aus: wikipedia.org, CCO)

Die Gemeinde Egenhausen gehörte zum Distriktrabbinat Ansbach.

Juden in Egenhausen:

--- 1803 ...........................  17 jüdische Familien,

--- um 1810 .................... ca.  80 Juden (ca. 26% d. Bevölk.),

--- 1867 ...........................  58   "   (ca. 18% d. Bevölk.),

--- 1880 ....................... ca.  80   “  ,

--- 1890 ...........................  53   “  ,

--- 1900 ...........................  33   “   (ca. 10% d. Bevölk.),

--- 1910 ...........................  25   “  ,

--- 1925 ...........................  11   “  ,

--- 1933 ...........................   4   “  .

Angaben aus: Egenhausen, aus: alemannia-judaica.de

Die nur aus einer überschaubaren Anzahl jüdischer Familien bestehende Gemeinde löste sich kurz nach dem Ersten Weltkrieg auf. Zu Beginn der NS-Zeit lebten nur noch vier Bewohner jüdischen Glaubens in Egenhausen. Bereits kurz nach der NS-Machtübernahme wurde die Dorfbevölkerung Egenhausens vom hiesigen Gemeinderat gewarnt, weiterhin mit Juden Geschäfte zu machen.

Die vier jüdischen Einwohner verließen bis 1939 das Dorf.

Das Gebäude, in dem der ehemalige Betraum untergebracht war, hat die Zeiten überdauert und dient Wohnzwecken.

 

Im ca. 15 Kilometer entfernten Burgbernheim hat es auch eine jüdische Gemeinschaft nachweislich im 14.Jahrhundert und dann wieder ab dem 18.Jahrhundert gegeben; dabei handelte es sich aber stets um nur wenige Familien. Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ermetzhofen, aber auch in Obernzenn beigesetzt. Die winzige jüdische Gemeinschaft gehörte ab den 1830er Jahren zum Distriktrabbinat Welbhausen. Vermutlich sind die jüdischen Familien in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts in die Städte abgewandert.

Weitere Informationen:

Germania Judaica, Band II/2, Tübingen 1968, S. 909 und Band III/2, Tübingen 1995, S. 1655 - 1657

Baruch Z.Ophir/F.Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München 1979, S. 170

Israel Schwierz, Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Bayern, München 1992, S. 158

Michael Trüger, Der jüdische Friedhof in Obernzenn-Egenhausen, in: Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, 10.Jg., No. 65/1995, S. 18 f.

Egenhausen (Markt Obernzenn), in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Jüdischer Friedhof Obernzenn, in: wikipedia.org

Burgbernheim, in: alemannia-judaica.de

B. Eberhardt/C. Berger-Dittscheid, Bad Windsheim, in: Mehr als Steine ... Synagogengedenkband Bayern, Band 2, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg/Allgäu 2010, S. 69 - 86

Gisela Naomi Blume, Der jüdische Friedhof Obernzenn 1613 – 2013. Mit einem Beitrag von Michael Schneeberger, in: Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken No. 24, Nürnberg 2013