Erlbach-Markt (Mittelfranken/Bayern)

Datei:Markt Erlbach in NEA.svg Markt Erlbach ist eine Kommune im Landkreis Neustadt a.d.Aisch - Bad Windsheim, nur einige Kilometer westlich von Wilhermsdorf gelegen (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in Markt Erlbach schon im Mittelalter jüdische Familien gelebt haben.

Nachweislich siedelten sich dann hier im 16.Jahrhundert Juden an; einer der ältesten Nachweise von Juden in Erlbach ist ein vom Markgrafen Georg ausgestellter Schutzbrief aus dem Jahre 1535. Im Dreißigjährigen Krieg werden 1632 Juden in Markt Erlbach genannt, die offenbar in einer eigenen Straße zusammen wohnten, die „Judenstadt“ genannt wurde. Vermutlich bestand die neuzeitliche jüdische Gemeinschaft bis Mitte des 18.Jahrhunderts nur aus wenigen Familien. Da die Israeliten in Markt Erlbach noch nicht so zahlreich waren, dass sie eine eigene Synagogengemeinde bilden konnten, suchten sie Gottesdienste der Israeliten in Wilhermsdorf. 

vgl. dazu Wilhermsdorf (Bayern)

In den 1830er Jahren erreichte die Erlbacher Gemeinde mit etwa 90 Angehörigen dann ihren Höchststand.

Das Synagogengebäude – vermutlich in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts erstellt - stand an der Hauptstraße; nach 1900 wurde das Gebäude verkauft und später abgebrochen.

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof in Wilhermsdorf begraben.

Jüdischer Friedhof in Wilhermsdorf (Aufn. aus: academic.ru, 2011)

Juden in (Markt) Erlbach:

--- 1714 ......................  2 jüdische Familien,

--- 1728 ......................  3     “       “    ,

--- 1776 ...................... 38 Juden,

--- 1812 ...................... 78   “  (ca. 8% d. Bevölk.),

--- 1837 ...................... 36   “  ,

--- 1880 ...................... 15   “  ,

--- 1890 ...................... 10   “  ,

--- 1900 ...................... 11   “  ,

--- 1925 ......................  8   “  ,

--- 1933 ...................... 10   “  ,

--- 1939 ...................... keine.

Angaben aus: Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung, S. 198

Seit den 1830/1840er Jahren setzte eine Abwanderung jüdischer Familien aus Markt Erlbach. ein. Um 1900 hatte sich die Gemeinde faktisch bereits aufgelöst, nachdem in den Jahrzehnten zuvor deren Angehörige vor allem nach Nürnberg verzogen waren (Hinweis: Der erste in Nürnberg ins Bürgerrecht aufgenomme Jude stammte aus Markt Erlbach).

Anfang der 1930er Jahre lebten noch zehn jüdische Bewohner im Ort; der letzte wurde im November 1938 aus dem Dorf verwiesen.

Weitere Informationen:

Baruch Z. Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, München/Wien 1979, S. 198

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 161

Michael Trüger, Der jüdische Friedhof in Wilhermsdorf, in: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, 13.Jg., No. 76/1998, S. 12 - 14

Markt Erlbach, in: alemannia-judaica.de

B. Eberhardt/H.-Chr. Haas, Wilhermsdorf, in: Mehr als Steine ... Synagogengedenkband Bayern, Band 2, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg/Allgäu 2010, S. 712 – 735