Fegersheim (Elsass)

Etwa 15 Kilometer südlich von Straßburg liegt die Ortschaft Fegersheim mit derzeit knapp 6.000 Einwohnern.

Um die Wende zum 19.Jahrhundert lebten ca. 200 Juden in Fegersheim; bis in die 1840er Jahre verdreifachte sich fast die Anzahl; die jüdischen Einwohner stellten damals einen erheblichen Bevölkerungsanteil der Ortschaft. Eine um 1810 erbaute Synagoge wurde von der jüdischen Gemeinde Anfang der 1890er Jahre durch einen Neubau ersetzt.

                        Synagoge in Fegersheim (hist. Postkarten, Ausschnitte)

     ... und ein weiterer Postkartenausschnitt http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20104/Fegersheim%20Synagoge%20028.jpg

Fegersheim war über Jahrzehnte hinweg Sitz eines Rabbinats; nach 1945 ging es an die Gemeinde Erstein über.

Zeitweilig war neben dem Rabbiner seitens der Gemeinde ein Religionslehrer angestellt, der auch als Kantor und Schochet tätig war.

Der vermutlich im 18.Jahrhundert angelegte "Judenfriedhof" nördlich von Fegersheim gestattete der Gemeinde, ihre Verstorbenen nahe des Ortes beizusetzen; zuvor war der zentrale Begräbnisplatz in Rosenweiler (Rosenwiller) mitbenutzt werden.

Der jüdische Friedhof in Rosenweiler/Rosenwiller ist der größte jüdische Friedhof im Elsass und zugleich einer der größten jüdischen Verbandsfriedhöfe in Mitteleuropa. Folgende israelitische Gemeinden aus dem Unter-Elsass bestatteten hier ihre Toten (teilweise haben diese Gemeinden im 18. oder 19. Jahrhundert dann eigene Friedhöfe angelegt): Balbronn, Baldenheim, Barr, Bergheim, Biesheim, Bischheim, Bonhomme, Brumath, Buswiller, Dambach, Dangolsheim, Diebolsheim, Dinsheim, Duppigheim, Duttlenheim, Eckbolsheim, Epfig, Ettingen, Grusenheim, Gunstett, Kaysersberg, Kolbsheim, Krautergersheim, Kuttolsheim, Lingolsheim, Molsheim, Mutzig, Niedernai, Obernai, Oberschaeffolsheim, Osthoffen, Ottrott-le-Bas, Rosheim, Scharrachbergheim, Schirmeck, Soultz, Stotzheim, Strasbourg, Traenheim, Valff und Zellwiller. Auf dem etwa 40.000 m² großen Begräbnisareal lassen sich nahezu 6.500 Grabstätten nachweisen. Die meisten Grabsteine stammen aus der Zeit des 18. und beginnenden 19.Jahrhunderts.

Anm.: In Rosenweiler bestand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde; im Dorf hatten stets nur vereinzelt jüdische Familien gelebt.

Auf dem älteren Teil des Fegersheimer Friedhofs befindet sich noch heute das Taharahaus.

Juden in Fegersheim:

         --- 1784 .........................  40 jüdische Familien,

    --- 1807 ......................... 262 Juden,

    --- 1849 ......................... 554   “  ,

    --- 1861 ......................... 423   “  ,

    --- 1870 ......................... 456   “  ,

    --- 1910 ......................... 186   “  ,

    --- 1931 .........................  83   "  ,

    --- 1936 .........................  45   “  ,

    --- 1953 .........................  22   “  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 39

Während des Dt.-Frz. Krieges hat die Bevölkerung von Fegersheim wohl schwere wirtschaftliche Schäden erlitten; insbesondere die hiesigen Juden sollen regelrecht verarmt sein, wie der ff. Bericht zeigt:

                 aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1.März 1871

Das in der NS-Zeit geschändete und geplünderte Synagogengebäude ging wenige Jahre später in Privatbesitz über und diente fortan als Wohnhaus; Mitte der 1970er Jahre erfolgte der Abbruch des Gebäudes; einzige Relikte des Baus sind zwei Portalsteine.

Nach der deutschen Okkupation (1940) wurden die wenigen noch im Ort lebenden jüdischen Bewohner nach Südfrankreich ausgewiesen.

Der nördlich der Ortschaft gelegene jüdische Friedhof mit seinen bis zu 700 erhaltenen Gräbern wird bis heute belegt.

 http://www.alemannia-judaica.de/images/Alsace%201/Fegersheim%20Cimetiere%20114.jpg

alter und neuer Teil des jüdischen Friedhofs in Fegersheim (Aufn. J. Hahn, 2004)

Weitere Informationen:

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Fegersheim, in: alemannia-judaica.de