Heinebach (Hessen)

Datei:Alheim in HEF.svg Heinebach mit derzeit ca. 350 Einwohnern ist der größte Ortsteil der Kommune Alheim im hessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg - ca. 30 Kilometer nördlich von Bad Hersfeld gelegen (Karte NNW, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die Existenz eines Juden in Heinebach wurde erstmals im Jahre 1678 erwähnt; ab diesem Zeitpunkt sollen stets einige wenige jüdische Familien am Ort gelebt haben. 1800 verpflichtete die anwachsende jüdische Gemeinschaft einen eigenen Vorsänger. Gottesdienste hielt man zunächst in einem Privathause ab; Anfang der 1840er Jahre wurde in einem ehemaligen Bauernhof in der Eisfeldstraße eine Synagoge eingerichtet. Ein anderes zuvor ins Auge gefasste Gelände für die zu errichtende Synagoge war am Einspruch des hiesigen Pfarrers gescheitert, der wegen der allzu großen Nähe der Kirche eine Beeinträchtigung der Gottesdienste anführte und sich mit diesem Argument bei der kurfüstlichen Genehmigungsbehörde durchsetzte.

               Synagoge - halbrechts in Bildmitte (hist. Aufn., 1933)

In diesem Gebäude war dann später auch die jüdische Schule mit Lehrerwohnung untergebracht.

 aus: "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 18.10.1912

Die 1866 eingerichtete einklassige jüdische Elementarschule - gemeinsam von Kindern aus Heinebach, Beiseförth und Binsförth besucht - wurde wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg (kurz nach der Pensionierung des Lehrers Aron Speier) wegen fehlender Schüler geschlossen.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20326/Heinebach%20FrfIsrFambl%2015111912.jpg aus: "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 15.11.1912

Über einen eigenen Friedhof verfügte die kleine Gemeinde nicht; verstorbene Gemeindeangehörige wurden in Spangenberg bzw. in Binsförth begraben. Da ein Flurname in Heinebach die Bezeichnung „Judentotenhof“ trägt, kann vermutet werden, dass es beim Dorfe früher eine jüdische Begräbnisstätte gegeben hat.

Die Gemeinde Heinebach unterstand dem Provinzialrabbinat Kassel.

Juden in Heinebach:

         --- 1756 ...........................   3 jüdische Familien,

    --- 1825 ...........................   6     “       “    ,

    --- 1844 ...........................   7     “       “    ,

    --- 1853 ...........................  11     “       “    ,

    --- 1855 ...........................  67 Juden,

    --- 1864 ...........................  76   "   (ca. 8% d. Bevölk.),

    --- 1885 ....................... ca.  75   “  ,

    --- 1895 ...........................  54   "  ,

    --- 1905/07 ........................  56   “  ,                                  

    --- um 1914 ........................  55   “  ,

    --- um 1930 .................... ca.  40   “  ,

    --- 1939 ...........................  15   “  ,

    --- 1942 ...........................   keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 341

und                 Heinebach, in: alemannia-judaica.de

Geschäftsanzeige der Heinebacher Pferdehandlung Katz von 1921

Haupterwerbszweig der Juden Heinebachs war der Viehhandel, meist verbunden mit dem Metzgergewerbe. Zu Beginn der 1930er Jahre lebten etwa 40 jüdische Bewohner am Ort.

In der „Kristallnacht“ wurde die erst 1929 umfassend renovierte Heinebacher Synagoge von Nationalsozialisten aus Rotenburg gestürmt und demoliert; danach ging das Gebäude in den Besitz der Kommune über. Während der Kriegsjahre waren zeitweise französische Kriegsgefangene in der ehemaligen Synagoge untergebracht; ansonsten wurde das Gebäude ab 1942 als Wohnhaus genutzt. Teilweise konnten die Juden Heinebachs rechtzeitig emigrieren; die verbliebenen jüdischen Bewohner wurden deportiert. Nicht alle ihre Schicksale sind geklärt; vermutlich wurden mehr als 30 gebürtige bzw. länger am Ort lebende Juden aus Heinebach in den Ghettos/Lagern im besetzten Osteuropa ermordet.

Eine Thorarolle aus der Heinebacher Synagoge konnte nach 1945 dem letzten Vorsteher der Gemeinde, Juda Heilbrunn, in die USA übersandt werden; sie ging in den Besitz einer Synagoge in New York über.    

In Heinebach gibt es bis heute kein Denkmal, das an die ehemaligen jüdischen Mitbürger erinnert.

Nur noch die Deckenbemalung im ehemaligen Synagogengebäude erinnert heute noch an dessen einstige Verwendung als jüdisches Gotteshaus.

Seit 2019 findet man in Heinebach sechs sog. "Stolpersteine", die an Angehörige der jüdischen Familie Bachenheimer/Katz erinnern.

zwei der verlegten Stolpersteine  Bildergebnis für heinebach Stolpersteine Abb. Lea Fuhrmann, aus: hna.de

 Franz Korwan ist als Sally Katzenstein 1865 in Heinebach als Sohn einer bereits seit Generationen im Ort beheimateten jüdischen Familie geboren. Er absolvierte ein Kunststudium an der Akademie in Düsseldorf (Landschaftsmalerei). Später ließ er sich auf Sylt nieder; er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Westerland die Stadtrechte erhielt. Im Alter von ca. 40 Jahren konvertierte er zum evangelisch-christlichen Glauben; 1924 veranlasste er seine Namensänderung von Sally Katzenstein in Franz Korwan. 1937 verließ es Sylt; drei Jahre später wurde er von Baden-Baden aus nach Gurs deportiert; 1942 ist er umgekommen.

Weitere Informationen:

Alfred Giebel, Die Heinebacher Juden, in: Handbuch des Kreises Melsungen 1956

Alfred Giebel, Die israelitische Gemeinde, in: Waltari Bergmann (Hrg.), Heinebach – eine Heimatgeschichte 1061 – 1961, Melsungen 1961

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 342/343

Die jüdische Gemeinde in Heinebach, online abrufbar unter: heinebach.de/geschichte/Juden.htm

Sabine Häde, Studien zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Heinebach, Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Hauptschulen und Realschule, 2004 (online abrufbar unter: hassia-judaica.de)

Heinebach, in: alemannia-judaica.de

Opfer des Holocaust aus der Gemeinde Alheim-Heinebach (Auflistung), in: hassia-judaica.de

Lea Fuhrmann (Red.), Stolpersteine in Heinebach sollen an das Schicksal jüdischer Familien erinnern, in: „Hessische-Niedersächsische Allgemeine – HNA“ vom 6.5.2019