Puderbach (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für puderbach karte postleitzahl Puderbach ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied mit derzeit ca. 2.400 Einwohnern – ca. 25 Kilometer nördlich von Neuwied gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Ab dem 15.Jahrhundert sollen sich vereinzelt Juden in den kleinen Ortschaften um Puderbach aufgehalten bzw. dort zeitweise niedergelassen haben. In der Mitte des 19.Jahrhunderts gegründeten jüdischen Gemeinde Puderbach waren auch die Juden der Orte Niederwambach, Rodenbach, Oberdreis und Lauzert eingebunden; allerdings war die Zugehörigkeit zu einem Synagogenbezirk nicht eindeutig geregelt; so wurde die Puderbacher Judenschaft - es waren zumeist sehr arme Familien - zeitweilig zur Synagogengemeinde Neuwied gezählt. Den offiziellen Status einer Kultusgemeinde erhielten die Puderbacher Juden erst relativ spät, nämlich 1910/1911. In Puderbach gab es um 1850 zwei Betstuben in Privathäusern; im Keller eines dieser Häuser war eine Mikwe vorhanden. Wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg errichtete die israelitische Gemeinde einen Synagogenneubau in der Barentoner Straße; zu diesem Zeitpunkt gehörten auch die Juden aus Niederwambach der Gemeinde an.

                                    Synagoge in Puderbach auf einer Ansichtskarte zur Einweihung 1911

Religiöse Aufgaben der Gemeinde besorgte eine Zeitlang ein angestellter jüdischer Lehrer; ansonsten kamen Lehrer benachbarter Gemeinden (so aus Dierdorf) zur Unterrichtung der Kinder nach Puderbach.

Ein eigenes Friedhofsgeländes wurde um 1898 angelegt; zuvor waren Verstorbene auf dem Begräbnisareal in Dierdorf beerdigt worden.

Juden in Puderbach:

        --- um 1770 .......................  3 jüdische Familien,

    --- 1817 .......................... 22 Juden,

    --- 1843 .......................... 71   “  ,

    --- 1852 .......................... 78   “   (in 14 Familien),*    * gesamte Gemeinde

    --- 1862 .......................... 36   “  ,

    --- 1890 .......................... 20   “  ,

    --- 1924 .......................... 45   “  ,

    --- um 1930 ....................... 65   “  ,*

                ................... ca. 40   “  ,

    --- 1941 .......................... 13   “  ,

    --- 1942 (Dez.) ................... keine.

Angaben aus: Juden im Umland von Puderbach, in: Vom Holzbach zur Wied - Geschichte ..., S. 135

Die Synagoge in Puderbach wurde während des Novemberpogroms von 1938 von NS-Tätern in Brand gesetzt und zerstört, die Ruine alsbald abgetragen. Im Laufe des Jahres 1942 wurden die letzten Juden der Puderbacher Gemeinde deportiert. Mehr als 30 Bewohner mosaischen Glaubens aus dem Bezirk Puderbach/Urbach wurden Opfer des Holocaust.

Seit 1979 erinnert eine Gedenktafel an der Puderbacher Kirche an die Ereignisse mit folgenden Worten:

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel

Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Psalm 98/3

Zum Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger, die unter der Diktatur in Deutschland 1933 - 1945 grausam umkamen.

(nun folgen zahlreiche Namen und ein siebenarmiger Leuchter)

Puderbacher und Urbacher Synagoge 1938 zerstört.

Und vergib uns unsre Schuld.

Beim Bau der evangelischen Kirche wurden Steine der ehemaligen Synagoge in den Kirchturm eingemauert, der künftig als Mahnmal dienen soll. Am rückwärtigen Sparkassengebäude – am ehemaligen Standort der Synagoge – erinnert seit 2012 eine kleine Inschriftentafel an das jüdische Gotteshaus.

Gedenktafel (Abb. aus: kultur-puderbach.de)

Nach langjährigen kontroversen Diskussionen um die Verlegung von sog. „Stolpersteinen“ hat sich schließlich eine Bürgerinitiative durchgesetzt; die ersten neun Steine wurden im Nov. 2017 an drei Standorten in der Mittelstraße verlegt. Künftig sollen noch weitere „Stolpersteine“ in das Gehwegpflaster eingefügt werden.

Auf dem ca. 2.400 m² großen jüdischen Friedhofsgelände sind noch ca. 50 Grabsteine vorhanden.

 

Jüdischer Friedhof in Puderbach, Teilansicht und älteste Grabsteine (beide Aufn. Otmar Frühauf, 2010)

 

Ansässigkeit dreier jüdischer Familien in Urbach ist erstmals gegen Mitte des 18.Jahrhunderts nachgewiesen. Die Urbacher Juden gehörten zunächst zur Gemeinde in Puderbach erst um 1810/1815 bildete sich in Urbach eine autonome Gemeinde, zu der die in Raubach, später auch die in Horhausen und Linkenbach lebenden jüdischen Familien zählten. Doch blieb die Zahl der Gemeindeangehörigen stets gering, Mitte der 1920er Jahre waren es ca. 25 Personen. Neben einer um 1910 erbauten Synagoge, die einen bestehenden Betraum ersetzte, war vermutlich auch eine Mikwe vorhanden.

 Synagoge: Rekonstruktionsskizzen von Hans Hoffmann, 2002

Verstorbene wurden auf dem Friedhof in Puderbach beerdigt. Im Herbst 1938 lebten nur noch sieben Juden im Kirchspiel Urbach. Beim Pogrom wurde der Betraum zerstört, zwei Gebäude jüdischer Familie in Brand gesetzt. Neun gebürtige Juden Urbachs wurden Opfer der „Endlösung“; an sie erinnert eine Gedenktafel auf dem hiesigen Friedhof.
[vgl. Dierdorf (Rheinland-Pfalz)]

Weitere Informationen:

Ernst Zeiler, Zur Geschichte der Synagoge in Puderbach, in: ‘Heimat’. Jahrbuch des Kreises Neuwied 1988, S. 97 - 100

Albert Hardt, Juden im Umland von Puderbach, in: Vom Holzbach zur Wied - Geschichte des Puderbacher Landes, o.O. 1992, S. 131 - 146

Gerhard Ebbinghaus, Die Geschichte der Juden in Urbach/Westerwald, in: Sachor - Beiträge zur jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz 2/1993, Heft Nr. 5, S. 62 - 72

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 316/317(Puderbach) und S. 373 (Urbach)

Puderbach, in: alemannia-judaica.de

Manfred Faust (Red.), Der schwere Judenpogrom in Puderbach am 10./11. November 1938, in: Heimatjahrbuch 2010 des Kreises Neuwied

Manfred Faust (Red.), Die Ausplünderung, Vertreibung, Deportation und Ermordung der Puderbacher Juden 1933 bis 1944, in: Heimatjahrbuch 2012 des Kreises Neuwied

Wolfgang Tischler (Red.), An die einstige Synagoge in Puderbach erinnert Gedenktafel, in: „NR-Kurier“ vom 18.11.2012

Angela Göbler (Red.), Stolpersteine: Puderbacher Rat sagt Ja, in: „Rhein-Zeitung“ vom 29.9.2016

Angel Göbler (Red.), Puderbach. Nach langer Debatte: Erste Stolpersteine in Puderbach verlegt, in: „Rhein-Zeitung“ vom 21.11.2017