Schwalenberg (Nordrhein-Westfalen)

Datei:Schieder-Schwalenberg in LIP.svg Schwalenberg ist einer der beiden namensgebenden Stadtteile der Kleinstadt Schieder-Schwalenberg im Lipperland – etwa 20 Kilometer östlich von Detmold gelegen (Karte TUBS, 2008, aus: comons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Schmalenberg war stets gering; erste urkundliche Hinweise auf hier lebende Juden stammen aus der Zeit des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Doch vermutlich hatten bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg einzelne Juden hier vorübergehend gelebt, die dann Opfer einer Vertreibung im Lipper Land geworden sein sollen.

Die Schwalenberger Schutzjuden bestritten ihren Lebenserwerb mit unterschiedlichen Tätigkeiten; neben dem Geld- und Pfandgeschäft waren der Viehhandel (oft verbunden mit dem Metzgergewerbe) ihre Haupteinnahmequelle. Für die Zeit des 18.Jahrhunderts sind zahlreiche Auseinandersetzungen bzw. Gerichtsprozesse belegt, in denen es fast immer um wirtschaftliche Fragen ging.

Möglicherweise bildete sich im 18.Jahrhundert eine Gemeinde heraus, der auch Juden aus Elbrinxen und Rischenau angeschlossen waren. (Anm.: Aber erst seit den 1850er Jahren gab es einen eigenständigen Synagogenbezirk Schwalenberg).

Die älteste Nachricht über eine Synagoge in Schmalenberg stammt aus dem Jahre 1791; dabei handelte es sich um einen angemieteten Raum in einem Privathaus der Witwe Katzenstein, der zu Betzwecken genutzt wurde. Da aber schon aus dem Jahre 1747 eine Nachricht über Zahlung eines „jährlichen Synagogengeldes“ vorliegt, muss es zu diesem Zeitpunkt bereits einen Betraum gegeben haben. Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts erwarb die hiesige Judenschaft dann ein Gebäude am Klingenberg, das zur Synagoge umgebaut wurde und in dem auch die Lehrerwohnung untergebracht war.

                               Synagogengebäude (links), Skizze Müller (Quelle ?)

Ein jüdischer Friedhof wurde vermutlich um die Mitte des 18.Jahrhunderts am Südhang des Burgberges angelegt; auf dem Gelände wurden verstorbene Juden aus Schwalenberg und den Nachbardörfern beerdigt.

  Jüdischer Friedhof Schwalenberg (Aufn. Ts., 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Juden in Schwalenberg:

        --- 1718 ...........................  4 jüdische Familien,

    --- 1747 ...........................  5    "         "   ,

    --- 1776 ........................... 51 Juden (in 9 Familien),

    --- 1809 ........................... 79   “   (in 11 Familien),*    * im Amt Schwalenberg

    --- 1853 ........................... 43   "  ,

    --- 1869 ........................... 36   “  ,

    --- 1882 ........................... 22   “  ,

    --- 1913 ........................... 10   "  ,

    --- 1925 ...........................  5   “  ,

    --- 1933 ...........................  8   “  ,

    --- 1939 ........................... 11   “  .

Angaben aus: Hans Liedtke, Zur Geschichte der Juden in Schwalenberg, S. 10

und                 Willy Gerking (Bearb.), Schieder-Schwalenberg, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen , S. 697

Ortszentrum Schwalenberg um 1910 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Die Familie Bachrach war eine der alteingesessenen jüdischen Familien in Schwalenberg; sie hatte 1700 ein Handelsgeschäft gegründet. Bis in die 1930er versorgte es Kunden vor allem im ländlichen Umland mit Manufaktur- und Modewaren, Eisenwaren und Landesprodukten.

 Diese Familie war eine der wenigen, die auch nach der NS-Machtübernahme 1933 in Schwalenberg geblieben war und die Ausgrenzung der Juden durch die NS-Behörden hautnah miterlebte. Nach einer 1935 vom NSDAP-Ortsgruppenleiter erlassenen Satzung waren auch in Schwalenberg jegliche Kontakte zwischen Juden und „Volksgenossen“ unter Androhung von Strafen untersagt.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde das Geschäft der Familie Bachrach verwüstet, die Wohnung demoliert und der Besitzer in Schutzhaft genommen.

                            Eine Zeitungsmeldung vom 3.1.1939

Der in der NS-Zeit stark verwüstete Friedhof wurde Anfang der 1950er Jahre wieder instand gesetzt; heute finden sich hier noch etwa 50 Grabsteine.

        Jüdischer Friedhof in Schwalenberg (Ölgemälde von Karoline Koeppel, 2006) 

Am Dohlenberg erinnert 1988 ein von der Kommune Schieder-Schwalenberg aufgestellter Gedenkstein an die einstige kleine jüdische Gemeinde mit den folgenden Worten:

Zur Erinnerung

an das Leben und Sterben unserer jüdischen Mitbürger in den Jahren 1933 - 1945

 

In Wöbbel - heute Ortsteil der Kommune Schieder-Schwalenberg - lebten nur wenige jüdische Familien, die seit 1859 der Synagogengemeinde Blomberg-Cappel zugeordnet waren.

Weitere Informationen:

Hans Liedtke, Zur Geschichte der Juden in Schwalenberg, in: Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe, Band 9, Detmold 1993

Michael Brocke (Hrg.), Feuer an dein Heiligtum gelegt - Zerstörte Synagogen 1938 Nordrhein-Westfalen, Ludwig Steinheim-Institut, Kamp Verlag, Bochum 1999, S. 476/477

Willy Gerking (Bearb.), Schieder-Schwalenberg, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Ardey-Verlag, Münster 2013, S. 693 – 703 (incl. Wöbbel)