Altenlotheim (Hessen)

Datei:Frankenau in KB.svg Altenlotheim ist seit 1972 ein Stadtteil von Frankenau im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg (Karte Hagar, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Im Dorfe Altenlotheim - wenige Kilometer nördlich des Kernortes Frankenau gelegen - gab es eine kleine israelitische Kultusgemeinde, der in den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts mehr als 50 Personen angehörten. Ihre Wurzeln liegen in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Vieh- u. Fellhandel und Handel mit Waren des alltäglichen Bedarfes; ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten einige Familien Läden bzw. offene Handlungen im Dorf.

In einer angemieteten Stube eines Privathauses (einer christlichen Familie) war anfangs der Betraum untergebracht. Der Versuch, ein eigenes Gebäude für eine Synagoge zu errichten, musste wegen fehlender Finanzmittel während der Bauphase abgebrochen werden. Deshalb versammelte sich die kleine Gemeinde wieder in privaten Örtlichkeiten: zunächst in der Wohnstube von David Frankenthal, danach in einer Gastwirtschaft und dann wiederum in einem angemieteten Raume (Anm.: Der Vermieter verpflichtete sich, die Lichter anzuzünden und zu putzen - Tätigkeiten, die den Juden wegen der Sabbatruhe verboten waren.) Der letzte Betraum der Altenlotheimer Gemeinde befand sich im ausgebauten Dachgeschoss eines Hauses am Ortsausgang in Richtung Schmittlotheim.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20240/Altenlotheim%20Betsaal%20150.jpg Betraum im Obergeschoss (hist. Aufn. vor 1933)

Eine Mikwe soll sich ebenfalls in einem Privathaus befunden haben.

Ab 1868 gab es am Ort eine jüdische Elementarschule, die bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges bestanden hat.

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof in Frankenau bestattet; gegen Ende des 19.Jahrhunderts stand am Ort - neben dem christlichen Friedhof an der Straße "Am Mühlenbach" - ein eigenes kleinflächiges Begräbnisgelände zur Verfügung.

Juden in Altenlotheim:

--- um 1790 .......................  3 jüdische Familien,

--- 1813 ..........................  6    “         “   ,

--- 1830 .......................... 54 Juden,

--- 1838 .......................... 32   “  ,

--- 1861 .......................... 36   “  ,

--- 1871 .......................... 47   “  (ca. 9% d. Bevölk.),

--- 1885 .......................... 41   “  (in 10 Familien),

--- 1905 .......................... 35   “  (ca. 7% d. Bevölk.),

--- 1924 .......................... 27   “  ,

--- 1933 .......................... 24   “  ,

--- 1939 (April) ..................  4   “  .

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 36

und                 Altenlotheim, in: alemannia-judaica.de

Anfang der 1930er Jahre lebten noch etwa 25 jüdische Bewohner im Dorfe. Auf Grund mehrfacher gewalttätiger Übergriffe auf einzelne jüdische Einwohner (1933/1934) und schikanöser Behandlung jüdischer Familien, verließen die meisten innerhalb weniger Jahre das Dorf; die letzten vier verbliebenen Personen wurden 1941 deportiert.

Nachweislich sind 13 Juden aus Altenlotheim bekannt, die während der NS-Zeit gewaltsam ums Leben kamen.

Auf dem ca. 300 m² kleinen Friedhofsgelände – durch Hecken vom christlichen Teil abgegrenzt - sind heute noch sieben Grabhügel, zwei Einzelgräber (ohne Stein) und fünf mit Grabsteinen versehene vorhanden.

  Jüdisches Begräbnisgelände in Altenlotheim (Aufn. J. Hahn, 2010)

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag,Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 36

Thea Altaras, Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945?, Königstein i.Ts. 1988, S. 64/65

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 34

Walter Zarges, Juden in Altenlotheim, in: Chronik – 750 Jahre Altenlotheim (1254 – 2004), Korbach 2004 (online abrufbar)

Altenlotheim, in: alemannia-judaica.de