Dobberschütz/Dobrzyca (Posen)

 In der Ortschaft Dobberschütz/Dobrzyca (poln. Dobrzyca) – wenige Kilometer westlich von Pleschen (poln. Pleszew) – sollen seit der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts vereinzelt Juden gelebt haben. Das seit 1793 zu Preußen gehörende Dorf beherbergte damals 13 jüdische Familien; in den Folgejahrzehnten vergrößerte sich die Zahl der jüdischen Dorfbewohner und erreichte 1870/1880 mehr als 150 Personen (ca. 12% d. Dorfbevölkerung).

Juden in Dobrzyca:

--- 1793 ........................  13 jüdische Familien,

--- 1800 ........................  22    “         “   ,

--- 1845 ........................ 146 Juden,

--- 1881 ........................ 152   “   (ca. 12% d. Bevölk.),

--- 1921 ........................   6 jüdische Familien (?),

--- 1929 ........................   2     “        “   ,

--- 1939 ........................ eine    “        “ ().

Angaben aus: Dobrzyca, in: sztetl.org.pl

Als nach 1850 die Gemeinde ihren personellen Zenit besaß, ersetzte man das bestehende Bethaus durch einen Synagogenneubau – errichtet im spätgotischen Stil. Nach ca. 80jähriger Nutzung wurde das Gebäude abgebrochen, da wegen Auflösung der Gemeinde keine Nutzung mehr gegeben war; das Grundstück wurde verkauft. Vor dem Abriss war eigens ein Rabbiner aus Schildberg (Ostrzeszów) gekommen, um den letzten Ziegel aus dem Mauerwerk zu nehmen!

             Synagogenfront (Skizze in: Notatki Dobrzyckie 1996, No.11, S. 9 )

Ab den 1880er Jahren setzte eine Abwanderung der jüdischen Bevölkerung in größere Städte, unter anderem nach Kalisch, ein.

1929 lebten nur noch zwei jüdische Familien im Ort, die beide kleine Geschäfte betrieben; alle anderen waren abgewandert. Bei Kriegsbeginn lebte dann nur noch eine Familie im Dorf; sie wurde im Herbst 1939 ins Ghetto Lodz deportiert.

Vom jüdischen Friedhof sind nur noch Grabsteinrelikte erhalten; das Areal war während der Kriegsjahre zerstört worden; Grabsteine wurden später für Bauzwecke benutzt.

    Zwei Grabsteine (Aufn. Norbert Zaczek)

Aus Dobrzyca/Dobberschütz stammte Jacob Levy, Sohn des in Schildberg tätigen Rabbiners Isaac Levy. Seine religiöse Ausbildung zum Rabbiner erhielt Jacob Levy in Posen, wo er vom Talmudisten Akiba Eger ordiniert wurde. Fünf Jahre lang amtierte er in Rosenberg/Oberschlesien. Nachdem er dort 1850 sein Amt niedergelegt hatte, ging er nach Breslau, wo er an der orthodoxen Religionsschule lehrte. In Breslau hatte er dann in der Folgezeit noch andere Funktionen in der Gemeinde inne. Zudem verausgabte er u.a. auch ein vierbändiges Wörterbuch. 1875 wurde ihm wegen seiner Verdienste von Seiten des preußischen Ministeriums der Titel „Königlicher Professor“ verliehen. Jacob Levy starb 1892 an seinem letzten Wirkungsort.

Weitere Informationen:

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909

Dobrzyca, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski, Dobrzyca, in: kirkuty.xip.pl