Carlsruhe (Oberschlesien)

Datei:Oberschlesien-Karte 1905.png Carlsruhe, das heutige Pokoj, ist eine kleine Ortschaft etwa 30 Kilometer nördlich von Oppeln (Opole). Es war um 1750 von Herzog Carl Christian Erdmann von Württemberg-Oels als Jagdsitz gegründet worden. Seit 1817 war der Flecken auch Marktort; 30 Jahre später wurde es Kurbad (Bad Carlsruhe).

http://fotopolska.eu/foto/355/355532.jpg Jagdsitz/Schloss Carlsruhe (Lithographie, um 1800)

Im Flecken Carlsruhe (poln. Pokoj) begann dauerhafte jüdische Ansässigkeit in den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts. Zunächst war jüdischen Händlern nur erlaubt, sich tagsüber hier aufzuhalten und ihre Geschäfte zu tätigen. Auf herzogliche Anweisung waren ihnen in Städtel Siedlungshäuser zur Verfügung gestellt worden.*

*Anm.: Bereits um 1770/1780 hatten Juden für einige Jahre im Dorfe leben können, mussten es dann aber wieder verlassen.

Die Kultusgemeinde Carlsruhe war dem 1872 gegründeten Verband Oberschlesischer Gemeinden angeschlossen. Zu ihren gemeindlichen Einrichtungen zählten ein Friedhof und eine Synagoge, die gegen Mitte der 1860er Jahre errichtet worden war. Auch eine Schule bestand seit Anfang der 1860er Jahre.

Juden in Carlsruhe:

--- 1811 ....................  14 Juden,

--- 1845 ....................  96   "  ,

--- 1861 .................... 128   “   (ca. 5% d. Bevölk.),

--- 1871 .................... 139   “  ,

--- 1880 .................... 123   “  ,

--- 1890 ....................  86   “  ,

--- 1900 ....................  55   “  ,

--- 1910 ....................  58   “  ,

--- 1925 ....................  44   “   (ca. 2% d. Bevölk.),

--- 1933 ................. ca. 35   “  .

Angaben aus: H. Marsch, Carlsruhe

In den 1870/1880er Jahren erreichte die Zahl der jüdischen Bewohner in Carlsruhe mit ca. 140 Personen ihren Zenit (etwa 5% der Ortsbevölkerung); danach setzte eine kontinuierliche Abwanderung aus dem Dorfe ein.

Zu Beginn der NS-Zeit lebten im Ort nur noch etwa 30 - 40 Juden; in der „Kristallnacht“ im November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt und Häuser/Geschäfte jüdischer Eigentümer zerstört. Den meisten jüdischen Bewohnern gelang es zu emigrieren.

Am ehemaligen Standort der Synagoge ist heute eine Freifläche.

Jüdischer Friedhof in Carlsruhe/Pokoj (Aufn. Gary Schmidt, o.J.)

Weitere Informationen:

H. Marsch, Geschichte von Carlsruhe, in: Genealogischer Arbeitskreis Carlsruhe O.S., o.J. (online)

Manfred Rossa, Jüdisches Leben in den Kreisen Namslau und Oppeln. - Carlsruhe/Oberschlesien und Städtel/Niederschlesien in der Herrschaft Carlsruhe als Zuflucht für Juden, Selbstverlag 2003

Pokoj, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski (Red.), Pokoj, in: kikuty.xip.pl