Carlsberg (Rheinland-Pfalz)

Im heutigen Landkreis Bad Dürkheim liegt die heute zur Verbandsgemeinde Hettenleidelheim gehörende Ortschaft Carlsberg.

In Carlsberg existierte in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts eine relativ große jüdische Gemeinde, deren Wurzeln ins 18.Jahrhundert zurück reichen. In den 1840er Jahren stellten die Einwohner mosaischen Glaubens hier mit ca. 180 Personen immerhin einen Anteil von fast 11% der Gesamtbevölkerung des Ortes.

Nach den Angaben des Steuerkatasters 1841 soll eine Synagoge („Judenschule“) „seit undenklicher Zeit“ (?) in Carlsberg bestanden haben (Standort unbekannt). Als sich das Gebäude Anfang der 1860er Jahre in einem baufälligen Zustand befand, wollte die Gemeinde einen Neubau erstellen lassen. (Anm.: Zu diesem Zeitpunkt sollen längst Gottesdienste in Wattenheim aufgesucht worden sein.) Die schon weit fortgeschrittenen Planungen – sogar eine für die Finanzierung des Baues durchzuführende Kollekte in den israelitischen Gemeinden Bayern war bereits behördlicherseits genehmigt – wurden dadurch zunichte gemacht, dass die Zahl der Gemeindeangehörigen innerhalb nur weniger Jahre drastisch zurückging. So musste man von einem Synagogenbau Abstand nehmen.

aus: "Königl. Bayer. Kreis-Amtsblatt von Unterfranken u. Aschaffenburg" Nr. 149/20. Okt. 1863

Zur Carlsberger Kultusgemeinde gehörten auch die jüdischen Familien aus dem Dörfchen Hertlingshausen (hier soll sich ein eigener Betraum befunden haben).

Eine jüdische Begräbnisstätte – zwischen Carlsberg und Altleiningen gelegen - soll es erst seit 1860 /1861 gegeben haben.

Die Gemeinde Carlsberg gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal.

Juden in Carlsberg:

--- 1808 ................... 126 Juden (ca. 11% d. Bevölk.),

--- 1825 ................... 107   “   (ca. 8% d. Bevölk.),

--- 1837 ................... 125   “  ,

--- 1843 ................... 182   “   (ca. 11% d. Bevölk.),

--- 1848 ...................  20 Familien,

--- 1867 ...................  30 Juden,

--- 1875 ...................  22   “  ,

--- 1900 ...................   4   “  .

Angaben aus: S. Fischbach/I. Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels” … ., S. 131

Doch innerhalb nur dreier Jahrzehnte hatte sich die Zahl der Gemeindeangehörigen infolge von Aus- und Abwanderung auf einige wenige Familien reduziert (siehe oben). Bereits Ende der 1860er Jahre war die Carlsberger Kultusgemeinde aufgelöst worden und die verbliebenen Angehörigen der Gemeinde Altleiningen, danach der von Wattenheim zugeteilt worden.

Der in einem Waldgebiet liegende jüdische Friedhof weist nur wenige Grabsteine auf; dies ist der Tatsache geschuldet, dass nach Anlage des Begräbnisareal die Gemeinde bereits in Auflösung sich befand und in der Folgezeit nur noch sehr wenige hier begraben wurden.

 

Jüdischer Friedhof bei Carlsberg (Aufn. J. Hahn, 2005)

Weitere Informationen:

Jakob Schwender, Carlsberg. Beiträge zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Gemeinde Carlsberg, in: Beiträge zur Geschichte der Stadt und des Landeskreises Frankenthal, Band 1, Frankenthal 1965

Hermann Arnold, Juden in der Pfalz - Vom Leben pfälzischer Juden, Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1988

Rainer Bender (Hrg.), Pfälzische Juden und ihre Kultuseinrichtungen, Mannheim 1988

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19./20.Jahrhunderts, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d.Weinstraße 1992

S. Fischbach/I. Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels”. Synagogen Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz ..., Mainz 2005, S. 131

Carlsberg mit Hertlingshausen, in: alemannia-judaica.de

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute: unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 60 (Carlsberg) und S. 87 (Hertlingshausen)