Dornheim (Unterfranken/Bayern)

Datei:Iphofen in KT.svg Dornheim ist heute ein Ortsteil der Stadt Iphofen (Kreis Kitzingen). Vor der Kreisreform 1973 gehörte es zum ehemaligen Kreis Scheinfeld und damit zu Mittelfranken (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Im südöstlich des Kernortes Iphofen gelegenen Dornheim gab es bis 1939/1940 eine kleine jüdische Kultusgemeinde, die zu keiner Zeit mehr als 50 bis 60 Angehörige zählte. Die Wurzeln eines israelitischen Gemeinde sollen bis ins ausgehende 15./beginnende 16.Jahrhundert reichen. In den Jahrzehnten nach Ende des Dreißigjährigen Krieges sollen in Dornheim drei jüdische Familien gelebt haben.

Eine aus der Mitte des 18.Jahrhunderts stammende Synagoge, eine Mikwe und ein Gemeindehaus gehörten zu den Einrichtungen der Dornheimer Kultusgemeinde.

Zur Besorgung religiös-ritueller Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt. Die beiden unten aufgeführten Stellenangebote aus den Jahren 1865 und 1893 sind unterzeichnet von dem langjährigen Gemeindevorsteher Jakob Löb Schönfärber, der prägenden Persönlichkeit der jüdischen Gemeinde Dornheims in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Anzeigen aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom  27.Sept. 1865, vom 11.Mai 1893 und vom 12.Sept. 1901

Verstorbene fanden auf dem 1816/1817 angelegten Friedhof in Hüttenheim ihre letzte Ruhe.

Die jüdische Gemeinde gehörte von 1838 bis 1880 zum Distriktsrabbinat Welbhausen, danach zum Distriktsrabbinat Kitzingen.

Juden in Dornheim:

--- 1682 ........................  3 jüdische Familien,

--- 1720 ........................  6    “        “    ,

--- 1810 ........................ 42 Juden,

--- 1837 ........................ 40   “  ,

--- 1867 ........................ 62   “  (ca. 14% d. Bevölk.),

--- 1890 ........................ 43   “  ,

--- 1900 ........................ 52   “  ,

--- 1910 ........................ 29   “  ,

--- 1932 ........................ 16   “  ,

--- 1941 (Dez.) .................  keine.

Angaben aus: Baruch Z.Ophir/F.Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 – 1945, S. 169

In den 1860er Jahren erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen mit ca. 60 Personen ihren Höchststand; dies entsprach etwa 14% der Dorfbevölkerung. Die im letzten Viertel des 19.Jahrhunderts einsetzende Abwanderung führte dazu, dass um 1920/1930 nur noch wenige jüdische Familien im Dorf lebten. Ende November 1941 wurden die drei letzten jüdischen Dorfbewohnerinnen ins Ghetto Riga deportiert.

Die Dornheimer Synagoge war noch vor 1938 verkauft worden; inwieweit das Gebäude von den Ereignisse im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 betroffen war, ist nicht bekannt. Durch Kriegseinwirkung wurde es gegen Kriegsende zerstört. Das Grundstück befindet sich in Privatbesitz und wird als Gartenland benutzt.   
Eine Tafel am Gebäude der alten Schule trägt den folgenden Text:

In Dornheim bestand bis 1940 eine jüdische Kultusgemeinde. Synagoge Hellmitzheimer Str. Zur Erinnerung an unsere ehem. jüdischen Mitbürger.

[vgl. auch dazu: Nenzenheim (Bayern)]

Anm.: Im gleichnamigen hessischen Dornheim - heute ein Ortsteil der Stadt Groß Gerau - existierte auch eine kleine jüdische Gemeinde. [vgl. Dornheim (Hessen)]

Weitere Informationen:

Baruch Z.Ophir/F.Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München 1979, S. 169/170

Gerhard Wilhelm Daniel Mühlinghaus, Der Synagogenbau des 17. u. 18.Jahrhunderts im aschkenasischen Raum, Dissertation, Philosophische Fakultät Marburg/Lahn, 1986, Band 2, S. 250

Israel Schwierz, Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 51

Dorrnheim (Stadt Iphofen), in: alemannia-judaica.de (mit einigen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)