Ehringshausen (Hessen)

Datei:Lahn-Dill-Kreis Ehringshaus.png Die Kommune Ehringshausen mit seinen derzeit ca. 9.000 Einwohnern (incl. Ortsteile) liegt zwischen Wetzlar und Herborn im Lahn-Dill-Kreis (Karte Andreas Trepte, 2007, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0).

Im 18.Jahrhundert bildete sich im Dorf eine kleine israelitische Gemeinde. Ihren Lebensunterhalt bestritten die Familien im 19.Jahrhundert als Viehhändler, Metzger und im Getreidehandel.

An gemeindlichen Einrichtungen bestanden ein schlichter Betraum (in einem Haus in der Bahnhofstraße) und eine jüdische Religionsschule. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise und gemeinsam mit den Nachbargemeinden Katzenfurt und Werdorf ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Spätestens in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hielt ein Lehrer aus Wetzlar für die jüdischen Kinder Religionsunterricht ab.

Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Werdorf (Breitenbacher Straße) beerdigt; dieser war 1888 angelegt worden und diente seit 1894 den beiden Ortsgemeinden Werdorf und Ehringshausen als gemeinsame Begräbnisstätte.

Juden in Ehringshausen:

--- 1812 ......................... 27 Juden,

--- 1816 ......................... 31   “  (in 8 Familien),

--- 1824 ......................... 40   “  ,

--- 1843 ......................... 44   “  ,

--- 1851 ......................... 30   “  ,

--- um 1875 ......................  5 jüdische Familien,

--- 1914 ......................... 18     “        “   ,

--- um 1930 .................. ca. 40 Juden,

--- 1942 (Dez.) .................. keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen, Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 150/151

Unter den in zumeist einfachen Verhältnissen lebenden Familien waren mehrere Vieh- und ein Getreidehändler; zwei Familien betrieben eine Metzgerei.

  Anzeige der Metzgerei Joseph (aus der Zeitschrift „Der Israelit“, Aug. 1900)

Die kleine Kultusgemeinde, die sich zu Beginn der 1930er Jahre aus etwa 40 Angehörigen zusammensetzte, war 1933 der Kultusgemeinde Wetzlar angeschlossen. Die bereits seit der Zeit des Ersten Weltkrieges begonnene Abwanderung (1910 lebten noch 18 jüdische Familien im Ort) setzte sich nach der NS-Machtübernahme fort; mehrere Familien konnten noch emigrieren. Die letzten elf jüdischen Bewohner Ehringshausens wurden 1942 deportiert. Nachweislich fielen 27 gebürtige bzw. länger in Ehringshausen lebende jüdische Bewohner dem Völkermord zum Opfer.

Das während der Novembertage 1938 verwüstete Gebäude mit dem Betraum blieb zwar baulich erhalten, wurde dann aber in den 1970er Jahren von dem Besitzer abgerissen.

1988 wurde auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge in der Bahnhofstraße ein Gedenkstein für die früheren jüdischen Bewohner des Ortes gesetzt; der Text lautet: „Zum Gedenken an die jüdischen Bürger, die 1942 Opfer des Nationalsozialismus wurden. Hier war der Standort der ehemaligen Synagoge.“

 

Gedenkstein mit Namensnennung der Ehringshausener Juden (Aufn. M., 2014, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0 und J. Hahn, 2009)

Auf dem jüdischen Friedhof in Wehrdorf sind im Laufe seines Bestehens etwa 50 Personen beerdigt worden.

                               Hinweistafel am jüdischen Friedhof in Wehrdorf (Aufn. J. Hahn, 2009)

 

In Katzenfurt – heute Teil der Kommune Ehringshausen – bestand eine kleine jüdische Gemeinde, deren Wurzeln vermutlich zu Beginn des 18.Jahrhunderts liegen. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts erreichte diese mit ca. 60 Angehörigen ihren personellen Höchststand. Zu diesem Zeitpunkt war die Gemeinde dem Synagogenbezirk Aßlar zugeteilt.

Einen Betraum bzw. eine Synagoge soll in Katzenfurt ab ca. 1875 bestanden haben; in den 1950er Jahren soll das Gebäude abgerissen worden sein. Religiös-rituelle Aufgaben der Gemeinde besorgte zeitweise ein angestellter Lehrer, der auch in den Nachbargemeinden tätig war.

Verstorbene wurden auf einem eigenen Begräbnisgelände in Katzenfurt (auf dem Stemel oberhalb des kommunalen Friedhofs) beerdigt; dessen Anlage erfolgte vermutlich erst in der vzweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Insgesamt sind noch sechs lesbare und acht weitere Grabsteine vorhanden.

Ehringshausen-Katzenfurt Juedischer Friedhof 20120715.JPG 

  Friedhofsgelände in Katzenfurt (Aufn. VonDerDill, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Juden in Katzenfurt:

--- 1816 .........................  7 Juden,

--- 1823 ........................ 28   “  ,

--- 1843 ........................ 42   “  ,

--- um 1850 ................. ca. 60   “  (ca. 9% d. Bevölk.),

--- 1905 ........................  7 jüdische Familien,

--- 1914 ........................  9     “        “   .

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 2 (unter Wetzlar)

In den 1930er Jahren haben die jüdischen Familien ihr Heimatdorf verlassen, das Synagogengebäude wurde verkauft. Nachweislich wurden 23 gebürtige bzw. längere Zeit in Katzenfurt lebende jüdische Bewohner Opfer der „Endlösung“.

Zum 70.Jahrestag der Pogromnacht wurde in der Ortsmitte von Katzenfurt eine Gedenkstele mit -tafel aufgestellt.

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 150/151

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Hessen II: Regierungsbezirke Gießen und Kassel, VAS-Verlag, Frankfurt/M. 1996, S. 112/113 (Ehringshausen u. Katzenfurt)

Ehringshausen, in: alemannia-judaica.de

Katzenfurt, in: alemannia-judaica.de

Monica Kingreen, Die gewaltsame Verschleppung der Juden aus den Dörfern des Kreises Wetzlar und der Stadt Wetzlar, in: Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins, Bd. 41/2003, S. 167 – 199

Vortragsveranstaltung „Die gewaltsame Verschleppung der Juden aus Wetzlar und den Dörfern des Altkreises Wetzlar im Jahre 1942“ (am 22.9.2004 im Hessenkolleg)

Edwin Leidecker, Geschichte des Ortes Katzenfurt, online abrufbar unter: ehringshausen.de