Ehrstädt (Baden-Württemberg)

Datei:Sinsheim in HD.svg Das Dorf Ehrstädt ist seit seiner Eingemeindung (1971) ein Ortsteil von Sinsheim mit derzeit ca. 650 Einwohnern – im Süden des Rhein-Neckar-Kreises zwischen Heidelberg und Heilbronn gelegen (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die Wurzeln einer jüdischen Gemeinde in Ehrstädt reichen bis in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück; in Urkunden um 1550 wurden erstmals namentlich jüdische Bewohner Ehrstädts erwähnt. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges zogen weitere Familien hinzu; doch insgesamt blieb die Zahl der jüdischen Bewohner gering.

Ende der 1780er Jahre wurde eine „Judenschule“ (=Synagoge) in einem Gebäude der Herren von Degenfeld eingerichtet; die jüdische Gemeinschaft musste für die Nutzung einen jährlichen Mietzins von zwölf Gulden zahlen. Als der Betsaal baufällig wurde, begann die damals aus 13 Familien bestehende Gemeinde einen Neubau zu planen; es dauerte fast zehn Jahre, bis ausreichend finanzielle Mittel - durch Spenden und Kollekten in anderen badischen Gemeinden gesammelt - zur Verfügung standen. Im Herbst 1836 wurde das Synagogengebäude in der Eichwaldstraße eingeweiht; in diesem befand sich auch eine Mikwe, die aus einer gegenüber der Synagoge entspringenden Quelle gespeist wurde. Mit der Tilgung des aufgenommenen Kredites für den Bau der Synagoge hatte die Gemeinde schwer zu tragen.

Chuppastein* an der Synagoge (Aufn. J. Hahn/P. Schmelzle) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2044/Ehrstaedt%20Synagoge%20355.jpg 

* Der Hochzeitsstein trägt die hebräischen Buchstaben "M T" für "Masal Tov"  ("Gut Glück")

  Anzeige im "Großherzogl. Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" am 8. 2.1843

Um 1850 erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen mit ca. 70 Personen ihren Höchststand. Nach 1850/1860 reduzierte sich die ohnehin geringe Zahl der jüdischen Ortsbewohner durch Auswanderung noch mehr; 1910/1912 gab es in Ehrstädt schließlich keine Juden mehr. Nach Auflösung der Gemeinde wurde das Synagogengebäude verkauft, das danach jahrzehntelang als Viehstall und Scheune diente; zuletzt war es ungenutzt. Nur eine Inschrift über dem Eingang (aus Psalm 118,20) und ein Chuppastein (Hochzeitsstein) erinnerten an die Vergangenheit des Gebäudes. Die Restaurierung des ehemaligen Synagogengebäudes wurde 2005 abgeschlossen; das Haus dient seitdem als örtliche Begegnungsstätte.

   

        Ehem. Synagogengebäude vor und nach der Restaurierung (Aufn. J. Hahn, 2003 und P. Schmelzle, 2015)

   restaurierte Westfassade des ehem. Synagogengebäudes (Aufn. J. Hahn, 2006) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2057/Ehrstaedt%20Synagoge%20464.jpg

[vgl. Sinsheim (Baden-Württemberg)]

Weitere Informationen:

Leopold Löwenstein, Geschichte der Juden in der Kurpfalz, o.O. 1985, S. 38 - 44

Friedrich Hub, Ehrstädt und Schloß Neuhaus. Geschichte eines Kraichgaudorfes, Ehrstädt/Neckarbischofsheim 1967, S. 496/497

F.Hundsnurscher/G.Taddey, Die jüdischen Gemeinden in Baden. Denkmale, Geschichte, Schicksale, Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1968, S. 114

Friedrich Hub, Ortschronik Ehrstädt, o.O. o.J.

Ehrstädt, in: alemannia-judaica.de (mit diversem Bildmaterial zum restaurierten ehem. Synagogengebäude)

Joachim Hahn/Jürgen Krüger, “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2007, S. 442 - 444