Ellerstadt (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für ellerstadt karte postleitzahl Ellerstadt ist mit derzeit ca. 2.200 Einwohnern heute ein Ortsteil der Verbandsgemeinde Wachenheim an der Weinstraße (Landkreis Bad Dürkheim) - nur wenige Kilometer westlich von Mannheim gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Die jüdische Gemeinde im Weinbaudorf Ellerstadt - ihre Entstehung reicht ins 18.Jahrhundert zurück - zählte Mitte des 19.Jahrhunderts mehr als 80, um 1900 nur noch 19 Angehörige.

Zu den gemeindlichen Einrichtungen zählte ein Synagogengebäude (unbekannten Alters) in der Schubertstraße, ein Ritualbad und eine Religionsschule; zeitweise muss die Gemeinde über einen eigenen, von ihr angestellten Lehrer verfügt haben, der auch die rituellen Dinge verrichtete.

Verstorbene fanden auf dem Verbandsfriedhof in Wachenheim ihre letzte Ruhe.

Juden in Ellerstadt:

--- 1801 .......................... 58 Juden (ca. 10% d. Bevölk.),

--- 1825 .......................... 56   “  ,

--- 1848 .......................... 84   “   (in 15 Familien),

--- 1875 .......................... 33   “  ,

--- 1900 ...................... ca. 20   “  ,

--- 1924 ..........................  9   “  ,

--- 1932 ..........................  2   “  .

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. .., S. 145

Das im Ort vorhandene Bethaus – es war in einem völlig maroden Zustand - wurde im Jahre 1908 aufgegeben, da die in Ellerstadt verbliebenen männlichen Gemeindemitglieder keinen Minjan mehr aufbringen konnten, und für 125 (!) RM an die Kommune verkauft. Dies bedeutete auch das Ende der Ellerstädter jüdischen Gemeinde. Ihre wenigen, noch im Dorf verbliebenen Angehörigen schlossen sich der Fußgönheimer Gemeinde an.

    Kurznotiz aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1908

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten nur noch zwei jüdische Einwohner in Ellerstadt.

Das ehemalige Synagogengebäude - es war später u.a. als Obsthalle, Kriegsgefangenenunterkunft und auch als Turnhalle genutzt worden - wurde Anfang der 1970er Jahre abgerissen und das Grundstück neu überbaut.

Weitere Informationen:

Hermann Arnold, Juden in der Pfalz - Vom Leben pfälzischer Juden, Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1988

Bernhard Kukatzki, „Wo die toten Menschen schweigen, da sprechen um so lauter die lebendingen Steine“ - eine Bestandsaufnahme von nach 1945 in der Pfalz erhaltenen Synagogenbauten und -resten, in: Alfred Hans Kuby (Hrg.), Juden in der Provinz. Beiträge zur Geschichte der Juden in der Pfalz zwischen Emanzipation und Vernichtung, Neustadt/Weinstraße 1988, S. 195 ff.

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, 1992

Berthold Schnabel, Die Bestattung hebräischer Bücher und Papiere religiösen Inhalts auf dem jüdischen Verbandsfriedhof in Wachenheim an der Weinstraße, in: Sachor 5/1995, Heft 9, S. 66 f.

Ellerstadt, in: alemannia-judaica.de

Kurt Düppel/Wolfgang Meyer, Eine Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in der Stadt Wachenheim, 2.Aufl., Wachenheim 2003

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 145

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005