Ellar (Hessen)

Datei:Waldbrunn in LM.svg Ellar ist mit derzeit ca. 1.300 Einwohnern heute ein Ortsteil der Kommune Waldbrunn (Westerwald) im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg (Karte Hagar, 2011, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Erstmals urkundlich belegt ist jüdisches Lebens in Ellar aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Zu Beginn des 18.Jahrhunderts schlossen sich die Juden in Ellar, Frickhofen und Lahr zur Israelitischen Kultusgemeinde Ellar zusammen; zu ihnen stießen in der Folgezeit auch die jüdischen Familien der Ortschaften Hausen, Waldernbach und Langendernbach.         

Zeitgleich mit der Gemeindegründung wurde auch ein Begräbnisplatz angelegt, der nahe der Ortschaft Ellar am Oberholz lag. Die Synagoge der Kultusgemeinde Ellar war im Obergeschoss eines Privathauses am Bornweg untergebracht. Versuche der Ellar angeschlossenen Orte, sich vom Synagogenverbund zu trennen, schlugen zunächst stets fehl; eine Trennung hätte bedeutet, dass keine Gottesdienste in Ellar mehr abgehalten worden wären. Folge waren nun anhaltende Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde; dies führte dann dazu, dass einzelne Gemeindeangehörige sich von Kultusgemeinde Ellar abwandten.

Ellar gehörte zum Bezirksrabbinat Weilburg, nach dessen Auflösung dann zu dem von Bad Ems/Weilburg.

Juden in Ellar:

        --- 1789 ..........................  3 jüdische Familien,

    --- 1843 .......................... 95 Juden,*       * gesamte Kultusgemeinde

    --- 1875 ..........................  4 jüdische Familien,

    --- 1885 .......................... 25 Juden,

    --- 1895 .......................... 35   “  ,

    --- 1905 ..........................  4 jüdische Familien,

    --- um 1930 .......................  3     “       “   (ca. 15 Pers.),

    --- 1939 (Dez.) ...................  keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die  jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 155

Bis gegen 1900 gehörten die Juden Langendernbachs, bis 1913 die von Frickhofen zur jüdischen Gemeinde Ellar; dabei war die Zahl der nicht in Ellar wohnenden Juden wesentlich größer als die Juden, die direkt am Synagogensitz lebten. Die wenigen jüdischen Familien Ellars verdienten ihren Lebensunterhalt meist im Viehhandel. Mit dem Ausscheiden der nicht in Ellar lebenden Juden konnte ab den 1880/1890er Jahren am Ort kein regelmäßiger Gottesdienst mehr abgehalten werden; schließlich musste die Synagoge aufgegeben werden. Wenige Jahre später wurde das Gebäude abgebrochen.

Anfang der 1930er Jahre lebten noch drei jüdische Familien mit insgesamt 16 Personen in Ellar. Während der Novembertage 1938 zerschlugen Nationalsozialisten Türen und Fenster der von Juden bewohnten Häuser und plünderten diese. Die letzte jüdische Familie soll im Laufe des Jahres 1939 Ellar verlassen haben.

 Jüdischer Friedhof Ellar (Aufn. Oliver Abels, 2008, in: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Ca. 80 Grabsteine haben sich bis heute auf dem jüdischen Friedhof - dessen Fläche beträgt ca. 1.750 m² -  erhalten. Am Eingang erinnert seit 1988 eine Tafel an die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde; der längere Text lautet:

1635 zog der erste Jude in den Ort und das Amt Ellar. Nach 1717 bildeten die Juden der Kirchspiele Lahr und Frickhofen (= Neues Amt Ellar, 1790-1816) aus den Orten Ellar, Hausen, Waldernbach, Lahr, Frickhofen und Langendernbach die Israelitische Kultusgemeinde Ellar mit Synagoge, jüdischem Friedhof und jüdischer Religionsschule in Ellar. Diese Kultusgemeinde bestand bis zur sogenannten 'Reichskristallnacht' (9./10. November 1938). Damals wurden die Häuser des Theodor Liebmann (mit Lebensmittelhandlung), des Louis Liebmann und der Berta Bock geb. Liebmann, die Synagoge und der jüdische Friedhof in Ellar sowie Wohnhaus und Textilgeschäft des Heimann Liebmann in Hausen von nationalsozialistischen Rollkommandos verwüstet.  
Nach den USA wanderten aus: Familie Theodor Liebmann (November 1938), und Familie Heimann Liebmann (Kurt 1936, Heinz 1936, Heimann und Frau Nov. 1938). Im August 1939 zogen die Familie Bock nach Aachen und die Familie Louis Liebmann nach Mainz. Regina Liebmann und Berta Liebmann geb. Levi sollen im Konzentrationslager Theresienstadt umgekommen sein. 
Gemeinde Waldbrunn WW. - Kultur- und Geschichtsverein Ellar - 9./10. November 1988. 

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20227/Ellar%20Friedhof%20203.jpg

An der Innenmauer des jüdischen Friedhofs wurde im November 2011 ein neues Denkmal errichtet: Eine einen Davidstern tragende Basaltsäule ist dabei von sechs kleineren Stelen umgeben. Namentlich sind zehn Personen aufgeführt, die der Shoa zum Opfer gefallen sind.

Ellar Judischer Friedhof Mahnmal.jpg Aufn. Oliver Abels, 2014, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

[vgl. Frickhofen und Langendernbach]

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die Jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, FrankfurtM. 1971, Bd. 1, S. 154 - 156

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente, Eduard Roether Verlag, Darmstadt 1973, S. 48

Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrg.), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 – 1945, Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel, 1995, S. 141

Ellar mit Hausen und Lahr, in: alemannia-judaica.de

Jüdischer Friedhof in Ellar, in: alemannia-judaica.de (mit zahlreichen Fotos des Geländes und einzelner Grabsteine)

Peter-Josef Mink, Die jüdische Gemeinde Ellar: Anfang, ihre Entwicklung und ihr Ende in der Zeit des Nationalsozialismus – mit einer Dokumentation des jüdischen Friedhofs, Beselich-Heckholzhausen 2007

Der Kreis hat sich geschlossen“ - Sieben Basaltsäulen, ein Davidstern und eine Tafel aus Granit erinnern jetzt an die jüdischen Ellarer, in: „Nassauische Neue Presse“ vom 23.11.2011