Erdmannrode (Hessen)

Datei:Schenklengsfeld in HEF.svg Erdmannrode ist ein nur ca. 200 Bewohner zählender kleiner Ortsteil der osthessischen Kommune Schenklengsfeld – knapp 15 Kilometer südöstlich von Bad Hersfeld gelegen (Karte NNW, 2008, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die Entstehung der jüdischen Gemeinde in Erdmannrode lässt sich auf Grund fehlender urkundlicher Hinweise nicht genau datieren; vermutlich reichen deren Wurzeln ins beginnende 18.Jahrhundert zurück. Zu Beginn des 19.Jahrhunderts war die Kultusgemeinde relativ groß: sie setzte sich immerhin aus fast 150 Angehörigen zusammen und machte zeitweise etwa ein Drittel der Dorfbevölkerung aus. Missernten, Hungerkrawalle und Revolutionswirren kennzeichneten die 1840er Jahre im Hünfelder Land, wobei es auch zu antijüdischen Ausschreitungen in Erdmannrode kam; so sollen mit Gewehren und Äxten bewaffnete Bauern aus umliegenden Dörfern in mehrere von Juden bewohnte Behausungen eingedrungen sein, deren Bewohner misshandelt und die Wohnungseinrichtungen demoliert haben. Weitere Aktionen konnten erst durch den Einsatz von Militär unterbunden werden.

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörten eine Synagoge (Erbauungsdatum unbekannt), ein rituelles Bad und eine Elementarschule, die kurz nach 1900 wegen Schülermangels aufgegeben werden musste; fortan besuchten die jüdischen Kinder die lokale christliche Volksschule. Ein seitens der Kultusgemeinde angestellter jüdischer Lehrer hatte auch als Vorbeter und Schochet gewirkt .

  aus: „Der Israelit“ vom 31.Dez. 1879 und vom 8.Aug. 1904

Den jüdischen Gemeindeangehörigen stand am Ort seit den 1840er Jahren auch ein kleines Beerdigungsareal zur Verfügung; zuvor hatten verstorbene Juden aus Erdmannrode ihre letzte Ruhe auf dem jüdischen Sammelfriedhof in Burghaun gefunden. Auf dem Friedhof in Erdmannrode wurden zuletzt auch die verstorbenen Juden aus Eiterfeld und Buchenau beerdigt. 

Die jüdische Gemeinde gehörte zum Provinzialrabbinat Fulda.

Juden in Erdmannrode:

         --- 1822 ......................... 101 Juden,

    --- 1830 .........................  29 jüdische Haushaltungen,

    --- 1835 ......................... 142 Juden,

    --- 1852 ......................... 160   “   (ca. 30% d. Bevölk.),

    --- 1861 ......................... 129   “  ,

    --- 1875 .........................  92   “  ,

    --- 1895 .........................  81   “  ,

    --- 1905 .........................  82   “  ,

    --- 1910 .........................  28   “  ,

    --- 1929 .........................  eine Familie.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S.165

und                 Elisabeth Sternberg-Siebert, Jüdisches Leben im Hünfelder Land - Juden in Burghaun, S. 23

Gegen Ende des 19.Jahrhunderts setzte eine verstärkte Abwanderung ein. Schließlich musste 1927/1928 die Kultusgemeinde aufgelöst werden; die verbliebenen Mitglieder schlossen sich der jüdischen Gemeinde Eiterfeld an.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20369/Erdmannsrode%20JuedWZKassel%2015071927.jpgNotiz „Jüdische Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 15.7.1927

Nach Wegzug der letzten jüdischen Bewohner wurde das Synagogengebäude veräußert und anschließend abgebrochen.

Auf dem am Waldrand liegenden ca. 700 m² großen jüdischen Begräbnisgelände findet man heute noch einige relativ gut erhaltene Grabsteine.

                                    Jüdischer Friedhof (Aufn. E. Sternberg-Siebert, um 2010)

[vgl. Eiterfeld (Hessen)]

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 165 f.

Elisabeth Sternberg-Siebert, Jüdisches Leben im Hünfelder Land - Juden in Burghaun, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2001, S. 40

Erdmannsrode, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Elisabeth Sternberg-Siebert, Auf den jüdischen Spuren im Hünfelder Land – Internet-Präsentation, abrufbar unter: juedspurenhuenfelderland.de/die-jüdischen-gemeinden/erdmannrode/