Frickhofen (Hessen)

Datei:Dornburg in LM.svg Frickhofen mit derzeit knapp 3.000 Einwohnern ist heute der größte Ortsteil der hessischen Kommune Dornburg im Landkreis Limburg-Weilburg im Westerwald (Karte TUBS, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

In Frickhofen und Langendernbach bestanden zwei kleine, in enger Verbindung stehende jüdische Gemeinden.

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges sollen sich die ersten Juden in Frickhofen aufgehalten haben; die Zahl der hier lebenden Familien war aber stets gering. Ihre bescheidene Lebensgrundlage war zumeist der Viehhandel.

Der kleine Synagogenraum der Frickhofener Juden befand sich in einem Fachwerkhaus in der Egenolfstraße; seine erste Nutzung (für sog. „Winkel-Gottesdienste“) soll um das Jahr 1820 erfolgt sein. Zur Verrichtung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweilig ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war; urkundliche Erwähnung findet ein jüdischer Lehrer in Frickhofen im Jahre 1823.

Die jüdischen Familien Frickhofens waren aber zunächst der zahlenmäßig sehr kleinen Kultusgemeinde Ellar angeschlossen; mehrfache Versuche, eine autonome Gemeinde zu etablieren, waren anfänglich gescheitert; trotzdem hielten sie dann eigene Gottesdienste am Ort ab. Erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg konnte die Trennung von der Gemeinde Ellar offiziell vollzogen und eine eigene Synagogengemeinde realisiert werden. Die jüdischen Kinder besuchten später gemeinsam mit den christlichen die nassauischen Simultanschulen; begüterte Juden schickten ihre Kinder in jüdische Schulen/Internate nach Frankfurt/Main.

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ellar beigesetzt; die Anlage eines neuen Friedhofs (zwischen Frickhofen und Langendernbach) erfolgte um 1920.

Frickhofen soll zuletzt als Filialgemeinde der Kultusgemeinde Hadamar angeschlossen gewesen sein, diese gehörte zum Rabbinat Bad Ems.

Die Gemeinde gehörte zunächst zum Rabbinatsbezirk Weilburg, ab den 1920er Jahren zu dem von Bad Ems.

Juden in Frickhofen:

        --- 1636 ..........................  2 jüdische Hauhaltungen,

    --- um 1725 .......................  2 jüdische Familien,

    --- 1843 .......................... 47 Juden,

    --- 1858 .......................... 40   “  (in 10 Familien),

    --- 1871 .......................... 28   “  (ca. 2% d. Bevölk.),

    --- 1885 .......................... 28   “  ,

    --- 1895 .......................... 50   “  ,

    --- 1905 .......................... 46   "  ,

    --- um 1910/15 ................ ca. 40   “  ,

    --- 1924 .......................... 26   “  ,

    --- 1938 .......................... 27   “  ,

    --- 1942 (Jan.) ............... ca. 10   “  ,

             (Sept.) .................  keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die Jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S.193

                                           Aufruf von 1909

Der obige Aufruf muss erfolgreich gewesen sein, denn das marode Synagogengebäude wurde alsbald umfänglich renoviert und wieder in Gebrauch genommen. Bis 1933 fanden hier noch regelmäßig Gottesdienste statt.

Während des Novemberpogroms wurden die jüdischen Dorfbewohner von SA-Leuten aus dem benachbarten Langendernbach drangsaliert; sie drangen in die Häuser ein und warfen Inventar auf die Straße. SA-Angehörige aus Frickhofen waren dafür in Langendernbach „im Einsatz“. Auch der Synagogenraum wurde „geräumt“, nachdem dort alles kurz und klein geschlagen worden war. Drei jüdische Männer kamen für zwei Monate ins Konzentrationslager Buchenwald.

Die in den 1930er Jahren in Frickhofen lebenden jüdischen Bewohner konnten teilweise emigrieren, teilweise verzogen sie in andere Orte innerhalb Deutschlands. Die zurückgeblieben alten Leute wurden zwangsweise im „Judenhaus zusammengelegt“, dem Wohnhaus von Salomon Kaiser. Mindestens acht Juden Frickhofens wurden von hier aus im August 1942 - via Frankfurt/M. - deportiert; über das Schicksal der übrigen ist kaum etwas bekannt.

Im Jahre 2004 enthüllte die Gemeinde Dornburg auf Initiative des Kultur- und Geschichtsvereins Frickhofen eine Gedenktafel mit folgendem Wortlaut:

Abb. geschichtsverein-frickhofen.de

Der in einem Waldgebiet zwischen Langendernbach und Frickhofen gelegene jüdische Friedhof wurde in den 1970er Jahren zwar wieder hergerichtet, doch macht er insgesamt einen vernachlässigten Eindruck.

 

Recht ungepflegte Grabanlagen und Relikte von Grabsteinen (Aufn. J. Hahn, 2009)

Ein Gedenkstein ist den jüdischen Bewohnern von Frickhofen und Langendernbach gewidmet, die den Tod durch Verfolgung erlitten haben.

[vgl. Langendernbach (Hessen) und Ellar (Hessen)]

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die Jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 193/194

Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrg.), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 – 1945, Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel, 1995, S. 130

Hubert Hecker, 1200 Jahre Frickhofen. Historische Ortsbegehung zu den Häusern ehemaliger jüdischer Mitbürger in Frickhofen, hrg. vom Kultur- und Geschichtsverein Frickhofen e.V., Frickhofen 2003

Frickhofen und Langendernbach, in: alemannia-judaica.de

Thea Altaras, Synagogen und jüdische Rituelle Tauchbäder in Hessen – Was geschah seit 1945?, Königstein im Taunus 2007, S. 223

Kultur- u. Geschichtsverein Frickhofen e.V. (Hrg.), Unsere jüdischen Mitbürger, online abrufbar unter: geschichtsverein-frickhofen.de (mit Personendaten)

Hubert Hecker (Bearb.), 9./10. November 1938 – Pogrom gegen die Juden in Frickhofen, hrg. vom Kultur- u. Geschichtsverein Frickhofen e.V. (online unter: geschichtsverein-frickhofen.de)