Gutenfeld (Böhmen)

http://www.stech-cz.com/img/mapaCRnase.gif Die ostböhmische Ortschaft Gut(t)enfeld - nordöstlich von Königgrätz (Hradec Králové) gelegen - ist das heutige tschechische Städtchen Dobruška mit derzeit knapp 7.000 Einwohnern.

Juden lassen sich in Gutenfeld erstmals zu Beginn des 17.Jahrhunderts nachweisen; die Anfänge einer kleinen jüdischen Gemeinschaft datieren 1666. Allerdings gab es in Gutenfeld stets nur wenige Familien, die ab ca. 1720 ghettoartig zusammenlebten und dort mit diversen Restriktionen (vornehmlich auf wirtschaftlichem Gebiet) seitens der Ortsherrschaft – zuweilen auch unterstützt durch die Kirche - belegt wurden. Erst nach der Revolution von 1848 fielen die einengenden Bestimmungen, die nun der jüdischen Bevölkerung die lang ersehnten Freiräume schufen. Als ein Zeichen ihrer Befreiung ließ die hiesige Judenschaft ein neues Synagogengebäude errichten.

AloisBeerDobruska18661007.jpg Ein Großbrand (Abb. Alois Beer, aus: commons.wikimedia.org, gemeinfrei) vernichtete 1866 nahezu die gesamte Ortschaft mitsamt der Synagoge; letztere wurde wenig später wieder aufgebaut und im Stile der Neugotik gestaltet.

Dobruška synagoga 1.jpg 

Ehem. Synagogengebäude (beide Aufn. Hana Kubiková, 2014, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Mit ca. 70 Angehörigen erreichte die lokale jüdische Gemeinschaft um 1900 ihren zahlenmäßigen Höchststand; danach wanderte ein Teil der Familien in größere Städte ab.

Die Anlegung einer jüdischen Begräbnisstätte in Gutenfeld erfolgte gegen Ende des 17.Jahrhunderts. 

Ein ausgemauertes Kellerbad ist bis heute erhalten geblieben.

Juden in Gutenfeld:

        --- um 1620 .........................   4 jüdische Familien,

    --- um 1665 .........................   9     "       "    ,

    --- um 1705 .........................   9     "       "    ,

    --- um 1795 .........................   5     “       “    ,

    --- 1880 ............................  48 Juden,

    --- 1900 ............................  69   “  ,

    --- 1921 ............................ 148   "  ,*   * gesamter Gemeindebezirk

    --- 1930 ............................  39   “  (ca. 1% d. Bevölk.),

    --- 1939 ........................ ca.  15 jüdische Familien.

Angaben aus: Frantisek Pišl, Dobruška

Die kleine jüdische Gemeinde existierte bis 1941/42, als die ca. 30 jüdischen Einwohner - via Königgrätz - nach Theresienstadt und von hier zumeist nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden.

Zahlreiche Ritualien aus der hiesigen Synagoge wurden auf Weisung der NS-Behörden ins zentrale Jüdische Museum in Prag verbracht.

Das Synagogengebäude, das bis zur deutschen Okkupation benutzt wurde, diente danach jahrzehntelang der Tschechischen Protestantischen Kirche als Domizil; heute ist im Gebäude, das 1992 zum schützenswerten Denkmal erklärt wurde, das Museum untergebracht. Dieses beherbergt neben einer Dauerausstelling zur jüdischen Lokalgeschichte auch ein ausgemauertes Ritualbad (Mikwe).

Der jüdische Friedhof weist noch Hunderte von erhalten gebliebenen Grabsteinen auf, die Beschriftungen in deutscher, tschechischer und hebräischer Sprache aufweisen. Auf dem Gelände trifft man auch ein Denkmal an, das an die Soldaten mosaischen Glaubens erinnert, die im sog. „Deutschen Krieg“ (1866) gefallen sind.

          http://www.czech-mountains.eu/eagle-mountains/data/document/img/c-dobruska-8.jpg

mit einer Mauer umgebenes Friedhofsgelände (Aufn. Pavel Hrdlička, 2012, aus: commons.wikimedia.org, CC BY 3.0)  -  alte Grabsteine (Aufn. mestodobruska.cz)

Weitere Informationen:

Frantisek Pišl (Bearb.), Dobruška, in: Hugo Gold (Hrg.), Židé a židovské obce v Cechách v minulosti a prítomnosti, Židovské nakladatelství, Brno - Praha 1934, S. 105 - 113

Jirí Mach, Židé v dejinách Dobrušky, Místopisné muzeum Dobruška, Dobruška 1999

The Jewish Community of Dobruska (Gutenfeld), Hrg. Beit Hatfutsot – The Museum of the Jewiish People, online abrufbar unter: dbs.bh.org.il/place/dobruska