Herlisheim (Elsass)

Herlisheim (frz. Herrlisheim) - derzeit knapp 5.000 Einwohner zählend - liegt im Unterelsass ca. 20 Kilometer südöstlich von Hagenau/Haguenau.

Während der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts bildete sich in Herlisheim eine jüdische Gemeinde, deren Angehörigenzahl gegen Mitte des 19.Jahrhunderts ihren personellen Zenit erreichte. Um 1805 wurde eine Synagoge errichtet, die durch einen 1850 eingeweihten Nachfolgebau abgelöst wurde.

Der im 19.Jahrhundert angelegte jüdische Friedhof diente auch Verstorbenen der Nachbargemeinde Offendorf als Begräbnisstätte; insgesamt befinden sich auf dem Areal ca. 250 Grabstätten. 

Die Herlisheimer Gemeinde gehörte zunächst zum Rabbinat Hagenau, ab 1910 dann zu dem von Bischweiler.

Juden in Herlisheim:

        --- um 1785 .....................  12 jüdische Familien,

    --- 1807 ........................  82 Juden,

--- 1821 ........................ 100   “  ,

    --- 1846 ........................ 266   “  ,

    --- 1861 ........................ 156   “  ,

    --- 1870 ........................ 169   “  ,

--- 1880 ........................ 163   “  ,

    --- 1900 ........................ 172   “  ,

    --- 1910 ........................ 156   “  ,

    --- 1936 ........................  80   “  ,

    --- 1953 ........................  36   “  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 38

1940 wurde das Synagogengebäude in Folge von Kriegshandlungen fast völlig zerstört.

Die noch in Herlisheim lebenden jüdischen Einwohner deportierte die deutsche Besatzungsmacht nach Südfrankreich; mindestens elf wurden Opfer des Holocaust.

Etwa zehn Jahre nach Kriegsende wurde die Synagoge wieder aufgebaut und erneut genutzt; gegen Mitte der 1950er Jahre lebten ca. 35 Personen mosaischen Glaubens am Ort.

Synagoge in Herlisheim (Aufn. aus: judaisme.sdv.fr und Aufn. J. Hahn, 2004)

Ende der 1960er Jahre musste sie aber geschlossen werden, da die geringe Zahl an Gemeindemitgliedern regelmäßige Gottesdienste nicht mehr zuließ.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Alsace%201/Herrlisheim%20Cimetiere%20102.jpg Jüdischer Friedhof in Herrlisheim (Aufn. J. Hahn, 2004)

Auf dem Friedhofsgelände erinnert ein Mahnmal an die Opfer der Deportationen aus Herlisheim und Offendorf, die während der NS-Zeit erfolgten.

In Offendorf - in unmittelbarer Nachbarschaft Herlisheims gelegen - gab es auch eine kleine jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge. Einzelne jüdische Familien hatten sich gegen Mitte des 18.Jahrhunderts hier niedergelassen. Unter Beibehaltung ihrer religiösen Traditionen hatten sie sich ins hiesige dörfliche Leben integrieren können. Zunächst waren die Offendorfer Juden der Gemeinde in Herlisheim angeschlossen; um 1885 erfolgte ihre Trennung und die Errichtung eines eigenen kleinen Synagogengebäudes, das über 26 Männer- und ca. 20 Frauenplätze auf der Empore verfügte.

                                                          Synagoge in Offendorf (hist. Aufn., um 1910)

Verstorbene Gemeindeangehörige wurden zunächst auf dem Friedhof in Hagenau, nach 1886 auf dem in Herlisheim beerdigt.

Um 1920 lebten im Dorf ca. 60 Juden, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges waren es ca. 40 in elf Familien. Im Jahre 1940 wurde auf Anordnung der deutschen Besatzungsbehörden die Synagoge völlig zerstört und geplündert; die Steine dienten als Material für den Straßenbau. Zwölf jüdische Bewohner Offendorfs wurden Opfer des Holocaust. - Nach 1945 zählte die jüdische Gemeinschaft nur noch 15 Angehörige.

Hinweis: Im oberelsässischen Herlisheim (Herrlisheim) bei Hattstatt existierte auch eine jüdische Gemeinde.

Weitere Informationen:

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Gerd Mentgen, Studien zur Geschichte der Juden im mittelalterlichen Elsaß, in: Forschungen zur Geschichte der Juden, Abteilung A: Abhandlungen, Band 2, S. 270 - 282, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1995

Herrlisheim, in: alemannia-judaica.de

Offendorf, in: alemannia-judaica.de