Königshofen/Tauber (Baden-Württemberg)

Bildergebnis für Lauda-königshofen postleitzahl Die Stadt Lauda-Königshofen mit derzeit ca. 14.500 Einwohnern liegt im Main-Tauber-Kreis zwischen Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges lassen sich wenige jüdische Bewohner im Dorfe Königshofen nachweisen; ihre Anwesenheit stützte sich auf obrigkeitliches erzbischöfliches Geheiß und war durch Schutzbriefe legitimiert. Die Ansiedlung von Juden stieß aber bei der hiesigen Bevölkerung auf Unmut; so erfuhren die jüdischen Familien in der Folgezeit Misstrauen und Ablehnung - auch vom Ortsgeistlichen. Vor dem Magistrat Königshofens musste jeder jüdische Ankömmling einen Eid ablegen; er lautete wie folgt:

Adony ! Ein Schöpfer Himmels und der Erden auch aller Menschen und Creature, Ich ruff dich an durch deinen heiligen Nahmen auff diese Zeit Zu der Wahrheit, dießen meinen Aydt auff dieße mit für gelesene Posten, welche ich wohl Vernommen und Verstanden habe, die ein jeder Burger alhier Zu Königshoffen bey seinen Aydspflichten Zu halten schuldig und Verbunden ist, Zu bestättigen, wofern ich aber jetzt berührte Posten und articul Verachtlich nicht halten - darwieder Freventlich etwan Vornehmen, Wißentlich darwieder thun und denen nicht nach kommen würde oder solte, so sey ich heram und Verflucht Ewiglich und deß auch ubergehe und Verzehre das Feuer des Sodoma und Gomorra überging, und alle Fluch, die in der Torach geschrieben stehe, und daß mir auch der wahre Gott, der Laub und Gras und alle Ding geschaffen hat, nimmer mehr Zu hülff noch Zu statten kommen in einigen meiner Sachen oder Nöthen. Da ich aber in allen mir fur geleßenen puncten und articuln als ein Getreuer unterthan, rechten Gehorsam Leisten und denen selben würcklich Nachkommen würde, soll mir zu Hülff erscheinen der Wahre Gott Adonai.

(aus: Dokumente aus dem Stadtarchiv)

Im 17./18.Jahrhundert lebten die Juden Königshofens in bitterer Armut; ihren kärglichen Lebensunterhalt verdienten sie im Kleinwaren- und Viehhandel. Zahlreiche Vorschriften und finanzielle Abgaben lasteten schwer auf den Kleinhändlern; damit versuchte die Obrigkeit, Wirtschaftskontakte zwischen Christen und Juden auf ein Minimum einzuengen. So hieß es z.B. in einem 1675 erlassenen Dekret, „das nemblich kein unterthan mit Einem Juden, mit Pferd, Viehe oder sonst das geringste nicht handlen solle, es geschehe dan beywesen Ehrlicher leuth”. Noch in den 1820er Jahren war die wirtschaftliche Lage der Königshofener Juden so desolat, dass der Vorsteher der Gemeinde schrieb, dass „die Hälfte der hiesigen Israeliten sich in so geringem Vermögen befinden, daß sie kaum die Nothdurft für ihre Familien aufbringen können.” Erst in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts - inzwischen hatten sich die Königshofener Juden fast vollständig auf den Warenhandel verlegt - verbesserte sich ihre ökonomische Lage deutlich.

Ob sich anfänglich die wenigen jüdischen Familien zu Gottesdiensten in privaten Räumlichkeiten trafen oder Synagogengottesdienste in auswärtigen Gemeinden aufsuchten, ist nicht aufzuklären. Erst nach der Zunahme der Zahl der Königshofener Juden wurde 1770 eine eigene Synagoge eingerichtet; dabei handelte es sich um ein bereits bestehendes Gebäude. Umbauten bzw. Sanierungsmaßnahmen ließen das Synagogengebäude an der Ecke Amalienstraße/Untere Mauerstraße bis Anfang des 20.Jahrhunderts überdauern. Zu den gemeindlichen Einrichtungen zählte auch eine Mikwe, die vermutlich im Kellergeschoss des Synagogengebäudes untergebracht war.

Für die Verrichtung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt.

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Anzeigen im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1841 und 1847

Die jüdischen Kinder besuchten die katholische Ortsschule; mehrmalige Anläufe, eine eigene Schule ins Leben zu rufen, scheiterten; nur Religionsunterricht wurde von einem Lehrer erteilt.

Verstorbene Königshofener Juden wurden auf dem 1550 angelegten Friedhof in Unterbalbach beerdigt. Bei der Überführung der Toten nach Unterbalbach mussten an den Zollstellen Abgaben geleistet werden; so waren für einen Erwachsenen ein Gulden, für ein Kind ein halber Gulden fällig. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Beerdigungsgelände mehrfach vergrößert, da dieser als Verbandsfriedhof verstorbenen Juden aus der weiten Umgebung, so aus aus Hohebach, Hollenbach, Igersheim, Laudenbach, Markelsheim, Mergentheim, Mulfingen, Niederstetten und Weikersheim diente. Heute befinden sich auf dem ca. 8.500 m² großen Gelände noch etwa 1.350 Grabsteine.

 

Eingangsportal und Ansicht des jüdischen Friedhofs in Unterbalbach (Aufn. Sarang, 2017, aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Impressionen (Aufn. aus: zeitspuren.info)

In Unterbalbach waren um 1600 einige Juden ansässig; möglicherweise gab es damals hier auch eine kleine jüdische Gemeinschaft.

Juden in Königshofen:

         --- um 1690 .........................   3 jüdische Familien,

    --- um 1730 .........................   6    “       “     ,

    --- um 1770 .........................   9 jüdische Familien,

    --- 1825 ............................  61 Juden (in 8 Familien),

    --- 1833 ............................  65   “  ,

    --- 1843 ............................  43   “  ,

    --- 1861 ............................  37   “  ,

    --- 1880 ............................  17   “  ,

    --- 1900 ............................  15   “  ,

    --- 1933 ............................  eine Jüdin.

Angaben aus: Stadt Lauda-Königshofen (Hrg.), Geschichte der jüdischen Gemeinde Königshofen

Um 1825/1830 hatte die Königshofener Kultusgemeinde mit ca. 60 Angehörigen ihren Zenit erreicht; danach ging ihre Zahl langsam, aber stetig zurück; 1900 lebten nur noch insgesamt 15 Juden am Ort. Die stark überalterte und auf wenige Juden dezimierte Kleinstgemeinde wurde im Jahre 1906 offiziell aufgelöst, die noch verbliebenen der Kultusgemeinde Tauberbischofsheim zugewiesen. Die Synagoge in der Amalienstraße wurde geschlossen und das Gebäude veräußert; die Ritualien gingen an die jüdische Gemeinde in Tauberbischofsheim über. Wegen Baufälligkeit wurde das Synagogengebäude wenig später abgebrochen. Die letzte jüdische Einwohnerin verzog 1938 nach Gailingen.

[vgl. Tauberbischofsheim (Baden-Württemberg)]

 

Im Stadtteil Lauda existierte eine Judengemeinde nur im Spätmittelalter. Auf den Grundmauern der alten Synagoge soll angeblich im 17.Jahrhundert die Heilig-Blut-Kapelle errichtet worden sein.

 

In den Stadtteilen Oberbalbach und Unterbalbach waren im 16./17.Jahrhundert wenige jüdische Familien ansässig; ob hier allerdings jemals eine Gemeinde bestanden hat, ist fraglich.

Über den jüdischen Friedhof bei Unterbalbach: siehe oben

 

Im Stadtteil Messelhausen gab es eine kleine jüdische Gemeinde bis Anfang der 1930er Jahre. [vgl. Messelhausen (Baden-Württemberg)]

Weitere Informationen:

F.Hundsnurscher/G.Taddey (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Baden. Denkmale, Geschichte, Schicksale, Stuttgart 1968, S. 271

Elmar Weiß, Jüdisches Schicksal zwischen Neckar und Tauber, in: Veröffentlichungen der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Außenstelle Nordbaden 1979

Dieter Oberhollenzer, “Unsere Tränen sollen deine Blumen sein” - Auf den Spuren des jüdischen Friedhofs in Unterbalbach, aus: ‘Fränkische Nachrichten’ vom 17.07.1982

Joachim Hahn, Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, S. 348 - 352

Joachim Braun, Geschichte der jüdischen Gemeinde Königshofen, in: Hugo Ott, Geschichte von Königshofen an der Tauber, Hrg. Stadt Königshofen 1992, S. 248 - 268

Joachim Hahn/Jürgen Krüger, “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2007, S. 282 - 285

Königshofen, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)