Uerdingen (Nordrhein-Westfalen)

Uerdingen - mit derzeit ca. 18.500 Einwohnern - ist seit 1929 ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Krefeld.

Die ersten Erwähnungen jüdischer Einwohner in Uerdingen erfolgten im Zusammenhang mit Berichten über deren Verfolgung und Vernichtung am gesamten Niederrhein vom Sommer 1349.

1780 wurden in Stadt und Amt Uerdingen sechs jüdische Familien gezählt.

Eine Synagoge existierte in Uerdingen seit Beginn der 1840er Jahre; sie war im hinteren Bereich eines Hauses in der Bruchstraße untergebracht. Gottesdienste suchten hier auch die jüdischen Bewohner von Friemersheim auf..

In der Nähe von Linn, im Bruch, besaßen die Uerdinger Juden einen Begräbnisplatz, der auch von Glaubensgenossen aus Osterath, Bockum und Hohenbudberg - gegen Entrichtung einer Abgabe - mitgenutzt wurde.

              http://www.rheinruhronline.de/images/friedhoflinn.jpg Jüdischer Friedhof in Linn (Aufn. aus: rheinruhronline.de)

Bei der Konstituierung der Kultusgemeinde Krefeld hatten sich die Uerdinger Juden gegen einen Anschluss an Krefeld ausgesprochen; begründet wurde ihre ablehnende Haltung mit der zu großen Entfernung zur Krefelder Synagoge. Allerdings fanden sie mit dieser Argumentation kein Gehör.

Juden in Uerdingen:

         --- 1780 ...................  5 jüdische Familien*   *Amt und Stadt Uerdingen

    --- 1806 ................... 54 Juden,

    --- 1824 ................... 62   “  ,

    --- 1836 ................... 85   “  ,

    --- 1850 ................... 61   “  (in 10 Familien),

    --- 1866 ................... 63   “  ,

    --- 1900 ...................  ?   “  ,

    --- 1933 ................... 32   “  .

Angaben aus: Guido Rotthoff (Bearb.), Krefelder Juden, S. 75

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten in Uerdingen ca. 35 Bürger mosaischen Glaubens.

Im Laufe des 10.November 1938 begannen in Uerdingen die antijüdischen Ausschreitungen. In Krefeld, Linn und Hüls waren zu diesem Zeitpunkt die Synagogen bereits zerstört worden. Da eine Inbrandsetzung des Gotteshauses wegen der baulichen Gegebenheiten nicht möglich war, wurde auf Initiative der NSDAP-Ortsgruppenführung die Inneneinrichtung des Gebäudes samt der Kultgegenstände leergeräumt und auf dem Uerdinger Marktplatz zu einem Scheiterhaufen aufgetürmt; anschließend setzte man diesen in Brand. Später deckte man das Dach des Synagogengebäudes ab und riss die Mauern nieder. Auch die wenigen jüdischen Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet.

1947/1950 standen neun Männer vor Gericht, die sich wegen der Inbrandsetzung des Inventars der Uerdinger Synagoge zu verantworten hatten.

Seit 1988 erinnert eine Bronzeplatte mit der folgenden Beschriftung an die ehemalige Synagoge der Uerdinger Juden:

Hinter diesem Haus stand seit 1841 die Uerdinger Synagoge.

Sie wurde am 10.November 1938 in nationalsozialistischem Wahn ausgeräumt und abgebrochen.

Die Einrichtung verbrannte man auf dem Marktplatz.

Zur Erinnerung und Mahnung !

Die Bürger Uerdingens   10.November 1988

2016 wurden die ersten sog. „Stolpersteine“ in Uerdingen verlegt.

 Auch in Uerdingen gibt es jetzt Stolpersteine vor dem Haus Alte Krefelder Straße 39. Hier wohnte die jüdische Familie Daniels.   Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken für Fam. Daniels, Alte Krefelder Str. (Aufn. Strücken, Stadt Krefeld)

[vgl. Krefeld (Nordrhein-Westfalen)]

Weitere Informationen:

Leo Peters, Die Predigt zur feierlichen Einweihung der Synagoge in Uerdingen am 15.Oktober 1841, in: ‘Die Heimat’ No. 59/1988, Krefeld 1988

Guido Rotthoff (Bearb.), Krefelder Juden, in: Krefelder Studien 2, Hrg. Oberstadtdirektor/Stadtarchiv, L. Röhrscheid Verlag, Bonn 1980

Michael Brocke (Hrg.), Feuer an dein Heiligtum gelegt - Zerstörte Synagogen 1938 Nordrhein-Westfalen, Ludwig Steinheim-Institut, Kamp Verlag, Bochum 1999, S. 318/319

Elfi Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil II: Regierungsbezirk Düsseldorf, J.P. Bachem Verlag, Köln 2000

Othmar Sprothen, Uerdingens erste Stolpersteine, in: RP-Online vom 17.2.2016

Stolpersteine für die Familie Daniels in Uerdingen verlegt, in: krefeld.de (Febr. 2016)