Guttstadt/Ermland (Ostpreußen)

 Die Kleinstadt Guttstadt, im südlichen Teil des Ermlandes, lag bis 1945 auf deutschem Staatsgebiet; heute heißt sie Dobre Miasto und gehört der polnischen Woiwodschaft Olsztyn an.

1814 siedelten sich drei jüdische Familien in Guttstadt an. Sie bildeten die Wurzeln einer Gemeinde, die sich in nur wenigen Jahren rasch vergrößerte. Bereits im 18.Jahrhundert sollen jüdische Händler hier auf den Jahrmärkten präsent gewesen sein.

Als erste gemeindliche Einrichtung erwarb der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde im Jahre 1814 ein Areal am Galgenberg; dort wurde der Friedhof angelegt.

Mitte der 1850er Jahre errichtete die inzwischen mehr als 150 Angehörige zählende Guttstadter Kultusgemeinde eine neue Synagoge, die - auf dem Grundstück einer ehemaligen Schmiede - unter großer Beteiligung der Stadtbevölkerung und in Anwesenheit behördlicher Repräsentanten feierlich eingeweiht wurde. Das Gebäude ersetzte ein älteres Bethaus, das vermutlich bereits seit dem zweiten Jahrzehnt des 19.Jahrhunderts als gottesdienstlicher Versammlungsraum gedient hatte.

In dem neuen Synagogengebäude befand sich ab 1870 auch eine jüdische Privatschule, die ca. 80 Kindern Religions- und Elementarunterricht vermittelte. Zur Kultusgemeinde zählten auch wenige Familien aus kleinen Dörfern der nahen Umgebung.

Juden in Guttstadt:

    --- 1814 ..........................   3 jüdische Familien,

--- 1816 ..........................  10     “       “    ,

    --- um 1827 ................... ca.  95 Juden,

    --- 1840 .......................... 115   “  (ca. 4% d. Bevölk.),

    --- 1871 .......................... 243   “  (5,7% d. Bevölk.),

    --- 1885 .......................... 212   “  ,

    --- 1895 .......................... 161   “  ,

    --- 1897 .......................... 238   “  , (?)

    --- 1905 .......................... 130   “  (2,8% d. Bevölk.),

    --- 1914 ..........................  85   “  ,

    --- 1925 ..........................  94   “  ,

    --- 1931 ..........................  94   “  ,

    --- 1938 ..........................  48   “  .

Angaben aus: Aloys Sommerfeld, Juden im Ermland - Ihr Schicksal nach 1933, S. 99          

Die meisten jüdischen Familien Guttstadts gehörten der bürgerlichen Mittelschicht an. Dass die Guttstadter Juden in der übrigen Bevölkerung Ansehen genossen, beweist die Tatsache, dass um 1870 vier jüdische Bürger dem hiesigen Stadtrat angehörten und auch in den folgenden Jahrzehnten den städtischen Körperschaften dienten.

                   Nahe des Marktes von Guttstadt (hist. Postkarte, um 1920)

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten noch etwa knapp 100 jüdische Bewohner in Guttstadt. Nach der NS-Machtübernahme verließ ein Teil der jüdischen Bewohner die Stadt.

Während des Novemberpogroms brannten SA-Angehörige die Synagoge nieder. Von den verhafteten Vorstandsmitgliedern der Gemeinde wurde ein Geständnis erzwungen, dass sie selbst die Synagoge in Brand gesetzt hätten. Später wurde die Ruine abgerissen. 1942 lebte nur noch ein einziger jüdischer Bewohner in der Stadt. Über das Schicksal der Juden Guttstadts ist kaum etwas bekannt.

Heute findet man kaum Spuren früherer jüdischer Ansässigkeit mehr; auch vom Friedhof sind keine Grabsteine mehr erhalten.

Weitere Informationen:

Felix Halpern, Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Guttstadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden im Ermland, Selbstverlag, Guttstadt 1927

Gustav Beckmann, Geschichte der Stadt Guttstadt, o.O. 1929

Aloys Sommerfeld, Juden im Ermland - Ihr Schicksal nach 1933, in: Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands, Beiheft 10/1991, Münster 1991, S. 99 - 105

Aloys Sommerfeld, Juden im Ermland, in: M.Brocke/M.Heitmann/H.Lordick (Hrg.), Zur Geschichte und Kultur der Juden in Ost- und Westpreußen, Georg Olms Verlag, Hildesheim/u.a. 2000, S. 87 ff.

Artur Wołosz, Żydzi w miastach Prus Wschodnich. Obecność zapomniana czy zatarta?, in: “Studia Angerburgica”, Bd. 7/2002

Michael Leiserowitz (Bearb.), Jüdische Einwohner von Guttstadt. Juden in Ostpreußen, in: Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum", Archiv, erstellt 2012

Dobre Miasto, in: sztetl.org.pl