Mährisch-Kromau (Mähren)

Die mährische Kleinstadt Kromau, nördlich von Znaim gelegen, ist das heutige tschech. Moravsky Krumlov; zeitweilig nannte sich die Stadt ‘Lichtenstein’.

Im Jahr 1402 wurden erstmals jüdische Bewohner in der Stadt erwähnt. Hinweise auf eine jüdische Gemeinde liegen dann bereits aus der Zeit um die Mitte des 15.Jahrhunderts vor; neben einem um 1550 erwähnten Bethaus gab es auch eine Schule.

Ihren Lebensunterhalt verdienten die Juden Kromaus im Getreide-, Kram- und Hausierhandel. Wohn- und Aufenthaltsrecht in der Stadt war gesetzlich auf exakt 49 jüdische Familien begrenzt. Um 1800 gab es ca. 45 Häuser in der Stadt, die jüdische Eigentümer hatten.

Ein jüdischer Friedhof wurde bereits im 16.Jahrhundert angelegt.

Juden in Mährisch-Kromau:

    --- um 1585 .................  26 jüdische Familien,

    --- 1830 .................... 356 Juden,

    --- 1856 .................... 276   “   (ca. 16% d. Bevölk.),

    --- 1900 .................... 116   “   (ca. 5% d. Bevölk.),

    --- 1930 ................ ca. 360   “  ,*       * Gerichtsbezirk

             ....................  34   “   (ca. 1% d. Bevölk.).

Angaben aus: Heinrich Flesch, Geschichte der Juden in Mähr.-Kromau  

Ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte die israelitische Gemeinde in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Mit der Liberalisierung der "Juden-Gesetzgebung" setzte nach 1848 auch in Kromau die Abwanderung jüdischer Familien in die größeren Städte ein, die sich dort bessere wirtschaftliche Perspektiven versprachen. Bis in die 1860er Jahre hinein besaß die Judenschaft auch die Rechte einer politischen Gemeinde. Eine eigene jüdische Schule mit deutscher Unterrichtssprache blieb auch danach bestehen.

                    Stadtansicht (hist. Ansichtskarte, um 1920)

Durch Abwanderung ihrer Angehörigen in größere Städte war die Gemeinde in Mährisch-Kromau nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Auflösung begriffen. Die letzten sieben jüdischen Familien, die im Herbst 1938 den Einmarsch der deutschen Wehrmacht erlebten, wurden unmittelbar danach aus der Stadt ausgewiesen und an die Grenze zur Tschechoslowakei abtransportiert. Über ihr weiteres Schicksal ist kaum etwas bekannt.

Das ehemalige jüdische Viertel (Ghetto) wurde durch Kriegseinwirkung im Jahr 1945 fast vollständig zerstört; nur Relikte sind heute erhalten. Hingegen zeugen zahlreiche, auch jahrhundertealte Grabsteine von der einst relativ großen Judengemeinde; der älteste noch vorhandene Stein stammt aus dem Jahre 1613.


Eingangspforte zum jüdischen Friedhof - Teilansicht des Geländes (Aufn. Fet'our, 2011, aus: wikipedia.org, CCO)

Ältere Grabsteine (Aufn. aus: zidovskepamatky.unas.cz)

  Mährisch-Kromau war der Geburtsort von Löw Schwab (geb. 1794); er war der Sohn eines jüdischen Hausierers, der ab 1805 Talmudschüler beim mährischen Landesrabbiner in Nikolsburg war und anschließend in Preßburg eine Ausbildung zum Rabbiner erhielt. Seit 1836 amtierte er als Rabbiner in Pest und engagierte sich insbesondere für die Emanzipation der Juden in Ungarn. Der Bau der Großen Synagoge in Budapest ging auf seine Initiative zurück. 1857 starb Löw Schwab in Pest.

Weitere Informationen:

Heinrich Flesch, Geschichte der Juden in Mähr.-Kromau, in: Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, Jüdischer Verlag, Brünn 1929, S. 369 - 372

Erich Sloschek, Geschichte der Stadt Mährisch-Kromau, Znaim 1937

Erich Sloschek, Geschichte der Stadt Mährisch-Kromau von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1966, Typoskript, Haunstetten 1967

Eva Grunová, Dějiny Židů v Moravském Krumlově [Die Juden in Mährisch-Kromau], in: Židé a Morava 9/2003 [Juden und Mähren. Sammelband der im Kremsierer Museum am 13. November 2002 stattgefundenen Konferenz], Kroměříž 2003, S.135 - 156

Jörg Osterloh, Nationalsozialistische Judenverfolgung im Reichsgau Sudetenland 1938 - 1945, in: Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, Band 105, Verlag R. Oldenbourg, München 2006

Löw Schwab, aus: Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften