Rappoltsweiler (Elsass)

Kreis Colmar.png Das im Oberelsass nordwestlich von Colmar gelegene Rappoltsweiler mit derzeit ca. 4.800 Einwohnern trägt den frz. Ortsnamen Ribeauvillé.

Die sich zu Beginn des 14.Jahrhunderts in Rappoltsweiler gebildete Judengemeinde wurde durch Pogrome 1338 (Vorwurf angeblicher Brunnenvergiftung) und 1349 dezimiert bzw. ganz ausgelöscht. Doch bereits um 1375 ließen sich hier erneut Juden nieder; sie lebten hauptsächlich vom Geldhandel; sie wohnten in der „Judengasse“ nahe dem Strohmarkt, wo im 14. Jahrhundert auch eine Synagoge stand. Vom Ende des 15. bis Anfang des 17.Jahrhunderts lebten vermutlich keine Juden in Rappoltsweiler; zumindest finden sich in diesem Zeitraum keine urkundliche Hinweise auf ihre Anwesenheit.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges liegen dann die Wurzeln der neuzeitlichen israelitischen Gemeinde, einer der größeren im Oberelsass; Mitte des 19.Jahrhunderts zählte man in Rappoltsweiler mehr als 500 jüdische Einwohner.

                     "Judengasse" in Rappoltsweiler (hist. Postkarte)

Zunächst wurden Gottesdienste in einem Betraum in einem Privathause abgehalten; um 1830/1840 weihte die Gemeinde ihren Synagogenneubau ein, der auf dem Gelände des alten Bethauses errichtet worden war. Bereits seit 1738 lag eine detaillierte, aus 27 Artikeln bestehende Synagogenordnung vor, die das religiöse Leben innerhalb der Gemeinde regelte.

Ein Friedhofsgelände für verstorbene Gemeindeangehörige hat es in Rappoltsweiler zu keiner Zeit gegeben; im Spätmittelalter begrub man die Toten in Colmar; die neuzeitliche Gemeinde nutzte ein Areal bei Schlettstadt (Sélestat).

Rappoltsweiler war vom Ende des 18.Jahrhunderts bis 1922 Rabbinatssitz; danach war die kleiner gewordene Gemeinde dem Rabbinat Colmar unterstellt.

Juden in Rappoltsweiler:

        --- um 1660 .........................   4 jüdische Familien,

    --- 1697 ............................  13     “       “    ,

    --- 1705 ............................  23     “       “    ,

    --- 1784 ............................  58     “       “   (ca. 220 Pers.),

    --- 1846 ............................ 540 Juden,

    --- 1861 ............................ 349   “  ,

    --- 1900 ............................ 103   “  ,

    --- 1910 ............................  64   “  ,

    --- 1936 ............................  26   “  ,

    --- 1953 ............................  54   “  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 53

Im Verlauf der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Bewohner in Rappoltsweiler deutlich zurück; Abwanderung in größere Städte mit ihren besseren ökonomischen Perspektiven war die Hauptursache dafür.

              Geschäftsanzeige von 1896

Mitte der 1930er Jahre lebten nur noch wenige jüdische Familien im Ort. Sie wurden nach der deutschen Okkupation nach Südfrankreich deportiert.

                                             Ehem. Synagogengebäude (Aufn. M. Rothé)

Nach Kriegsende zogen einige Familien hierher, so dass Mitte der 1950er Jahre wieder etwa 50 Personen mosaischen Glaubens im Ort lebten.

Das Synagogengebäude dient schon jahrelang als Kinosaal; Ende der 1990er Jahre wurde das Gebäude äußerlich saniert.

Ehem. Synagogengebäude nach der Außensanierung (Aufn. R. Hammann, 2014) File:Ribeauvillé rSynagogue b1.JPG

Weitere Informationen:

Moses Ginsburger, Les Juifs à Ribeauvillé et à Bergheim, in: Publications de la Société pour l’histoire des Israélites d’Alsace et de Lorraine, Band 25, Straßbourg 1939

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Germania Judaica, Band III/2, Tübingen 1995, S. 1170/1171

Gerd Mentgen, Studien zur Geschichte der Juden im mittelalterlichen Elsaß - Forschungen zur Geschichte der Juden, in: Schriftenreihe der Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden e.V., Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1995, S.45 ff., S. 526 - 528 und S. 566 - 573 

Ribeauvillé, in: alemannia-judaica.de