Saargemünd (Lothringen)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/7/77/Kreise_Forbach_und_Bolchen.png/280px-Kreise_Forbach_und_Bolchen.png Das nur zwölf Kilometer von Saarbrücken entfernte Saargemünd ist das französische Sarreguemines.

Jüdische Familien sollen sich bereits im 14.Jahrhundert in Saargemünd angesiedelt haben. Die herzogliche Landesherrschaft hatte ihnen gegen Schutzgeldzahlungen Wohn- und Handelsrechte zugestanden. In den 1470er Jahren wurden die jüdischen Familien vertrieben und ihre Güter beschlagnahmt; sie flüchteten in benachbarte Fürstentümer. Frauenberg wurde damals Zufluchtsort jüdischer Familien.

Gegen Mitte des 18.Jahrhundert durften sich auf Grund eines königlichen Dekretes zwei jüdische Familien niederlassen. Um 1790 wurde in Saargemünd ein Rabbinat eingerichtet, das auch für die Gemeinden des Umlandes zuständig war. 1861 ließ die Gemeinde in der Rue de la Chapelle eine neue Synagoge erbauen und gab dafür einen Betsaal in einem Privathaus (nahe der Stadtmauer) auf, der fast einhundert Jahre lang genutzt worden war; zu dieser Zeit setzte sich die Gemeinde aus etwa 350 Angehörigen zusammen.

 

Synagoge von Saargemünd (Sammlung Cahn)

Ein eigener Friedhof wurde erst um 1900 angelegt; zuvor waren Verstorbene auf das Begräbnisgelände nach Frauenberg gebracht und dort bestattet worden.

Im Zuge der Evakuierung der Grenzbevölkerung (1940) verließen auch die meisten jüdischen Familien Saargemünd und zogen nach Zentralfrankreich. Von den etwa 400 Juden, die vor Kriegsbeginn in Saargemünd lebten, wurden im Rahmen der „Wagner-Bürckel-Aktion“ fast 100 deportiert; die allermeisten wurden Opfer der Shoa. Das Synagogengebäude wurde im September 1940 von deutschen Besatzern und einigen Helfern vor Ort zerstört.

Ende der 1950er Jahre wurde in der Stadt eine neue Synagoge im modernen Stil gebaut. Auf dem jüdischen Friedhof, der in jüngster Vergangenheit mehrfach geschändet wurde, sind etwa 400 Gräber nachweisbar.

Jüdischer Friedhof in Sarreguemines (Aufn. aus: wikipedia.org, 2014)

In Großblittersdorf (frz. Grosbliederstroff) - nordwestlich von Sarreguemines gelegen – gab es nachweislich seit dem ausgehenden 17.Jahrhundert die Ansässigkeit einer jüdischen Familie; eine zweite folgte um 1750. Im 19.Jahrhundert zählte die jüdische Gemeinde infolge Zuwanderung zeitweilig fast 250 Angehörige. Eine ältere Synagoge wurde um 1835 durch einen größeren Neubau ersetzt. Unmittelbar daneben errichtete die Gemeinde etwa zeitgleich ihr Schulhaus.

Die jüdische Gemeinde gehört seit 1808 zum israelitischen Konsistorialbezirk Metz.

Das gegen Kriegsende beschädigte Synagogengebäude wurde restauriert (aber auch verändert); ab 1949 fanden hier wieder Gottesdienste statt.

               Ehem. Synagoge in Großblittersdorf (Aufn. aus: judaism.sdv.fr)

Auf dem im ausgehenden 19.Jahrhundert angelegten jüdischen Friedhof sind noch zahlreiche Grabsteine erhalten.

Jüdischer Friedhof Grosbliederstroff (Aufn. A., 2014, in: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

In Bitsch (frz. Bitche) – einem Dorf im Arrondissement Sarreguemines nahe der Grenze zum Saarland und Rheinland-Pfalz – hielten sich im ausgehenden 17.Jahrhundert die ersten beiden jüdischen Familien auf; eine dauerhafte Ansiedlung erfolgte aber erst etwa ein Jahrhundert später. Nach dem dt.-frz. Krieg ließen sich vermehrt jüdische Familien im Garnisonsort nieder und förderten hier dessen wirtschaftliche Entwicklung; die jüdischen Zuwanderer kamen vor allem aus dem nördlichen Elsass. In einem angekauften Hause richtete die jüdische Gemeinschaft in den 1880er Jahren ihre Synagoge ein.

 

Ehem. Synagoge in Bitche und Synagogeninnenraum (Aufn. aus: judaisme.sdv.fr)

Einen eigenen Friedhof gab es in Bitsch nicht; Verstorbene wurden in Gundershofen (Gundershoffen) bzw. in Ingweiler (Ingwiller) begraben.

Um 1900 zählte die jüdische Gemeinde knapp 70 Angehörige. Während der deutschen Okkupation wurden drei einheimische Familien Opfer des Holocaust. An sie erinnert eine Gedenktafel, die am ehemaligen Synagogengebäude angebracht ist. 

Gedenktafel für die Holocaust-Opfer (Aufn. Olivier Jarry)

Noch bis in die 1970er Jahre haben einige Familien mosaischen Glaubens in der Kleinstadt gelebt.

Weitere Informationen:

M. René Bloch, La communauté israélite de Sarreguemines (Aufsatz)

Robert Weil, Die Juden in der Region von Sarreguemines (Aufsatz)

Ephraïm Rozen, La communauté juive de Sarreguemines, 1990

Henry Schumann, Mémoire des communautés juives de Moselle, Éditions Serpenoise, Metz 1999

Claude Rosenfeld/Jean-Bernard Lang, Sarreguemines - Welferding, in: Juden in Moselle, Edition Serpenoise, 2001

Claire Decomps, La synagogue de Grosbliederstroff, in: judaism.sdv.fr

Olivier Jarry, Bitsche - Le judaïsme au Pays de Bitche: naissance, développement puis déclin de la communauté, in: judaism.sdv.fr