Richelsdorf (Hessen)

Datei:Wildeck in HEF.svg Richelsdorf ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Wildeck im Landkreis Hersfeld-Rotenburg – direkt an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen (Karte NNW, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

In der südwestlich von Nentershausen gelegenen kleinen Ortschaft Richelsdorf gab es eine kleine jüdische Gemeinde seit Mitte des 18.Jahrhunderts. Sie stand unter dem Schutz der Patronatsherren von Cornberg und war diesen zur Zahlung jährlicher Schutzgelder verpflichtet. Die hier lebenden Familien betrieben Handel und Handwerk und sollen sehr bodenständig gewesen sein.

Anfänglich suchten die Richelsdorfer Juden die Synagoge in Nentershausen auf. Später stand ihnen ein eigener Betraum in einem Hause „In der Steinkaute“ zur Verfügung. Religiös-rituelle Aufgaben (Kantor/Schochet) wurden zeitweilig von einem angestellten Lehrer verrichtet. Eine eigene Elementarschule besaß die kleine jüdische Gemeinde nicht.

Zunächst wurden Verstorbene auf dem jüdischen Friedhof von Sontra beigesetzt, ab 1880 stand ein eigenes kleines Areal an der „Alten Straße“ zur Verfügung. In den 1920er Jahren wurde das Begräbnisgelände mehrfach geschändet (vgl. Kleinanzeige aus: „Jüdische Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 1.4.1927).

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20367/Richelsdorf%20JuedWZKassel%2001041927.jpg

Die kleine Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.

Juden in Richelsdorf:

         --- 1770 ..........................  4 jüdische Familien,

    --- 1795 .......................... 23 Juden,

    --- 1835 .......................... 38   “  ,

    --- 1858 .......................... 59   “   (in 9 Familien),

    --- 1871 .......................... 63   "   (ca. 11% d. Bevölk.),

    --- 1885 .......................... 49   "  ,

    --- 1895 .......................... 41   “   (ca. 8% d. Bevölk.),

    --- 1901 .......................... 57   “   (ca. 10% d. Bevölk.),

    --- 1923 .......................... 47   “  ,

    --- 1933 ...................... ca. 50   “   (in 14 Familien),

    --- 1938 .......................... 21   “  ,

    --- 1940 .......................... keine.

Angaben aus: Die Juden in Richelsdorf, aus: Festschrift “750 Jahre Richelsdorf”, Richelsdorf 1978

Bis Anfang der 1930er Jahre war die Zahl der in Richelsdorf lebenden Juden nahezu konstant geblieben; so lebten damals im Dorf 14 Familien mosaischen Glaubens.

1938 löste sich die Gemeinde auf und die kleine Synagoge wurde geschlossen. 1939 verließ das letzte jüdische Ehepaar das Dorf. Etwa 15 gebürtige bzw. länger in Richelsdorf lebende Bewohner mosaischen Glaubens wurden Opfer der „Endlösung“.

Beim Abriss des Synagogengebäudes 1950 (oder erst in den 1960er Jahren ?) fanden sich noch Ritualgegenstände, die zurückgelassen worden waren.

Einzig allein der nördlich der Ortschaft liegende Friedhof an der "Alten Straße" erinnert heute noch daran, dass ehemals im Ort jüdische Familien ansässig waren.

 

Jüdischer Friedhof in Richelsdorf (Aufn. J. Hahn, 2009)

 

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 223/224

Die Juden in Richelsdorf, aus: Festschrift “750 Jahre Richelsdorf”, Richelsdorf 1978

Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrg.), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 – 1945, Hessen II Regierungsbezirke Gießen u. Kassel, 1995, S. 67

Richelsdorf, in: alemannia-judaica.de

Thea Altaras, Synagogen und jüdische Rituelle Tauchbäder in Hessen – Was geschah seit 1945?, Königstein im Taunus 2007, S. 131/132