Trier/Mosel (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für trier landkarte Mit derzeit ca. 115.000 Einwohnern ist das im Westen des Landes Rheinland-Pfalz liegende Trier – nach Mainz und Ludwigshafen - die drittgrößte Stadt dieses Bundeslandes (Karte aus: moselkanuverleih.de/mosel).

Zusammen mit Köln und Mainz war Trier vermutlich der Ort auf deutschem Gebiet, in dem sich Juden am frühesten niederließen. Seit Beginn des 4.Jahrhunderts soll - nach archäologischen Funden - eine jüdische Gemeinde in Trier ansässig gewesen sein; schriftliche Zeugnisse aus dieser spätrömischen Epoche fehlen allerdings. Erst für das Jahr 1066 finden sich erste schriftliche Überlieferungen über Ansiedlungen von Juden in Trier. In diesem Kontext waren hiesige Juden beschuldigt worden, am Tode des Trierer Erzbischofs involviert gewesen zu sein, der seinerseits Zwangstaufen bei ihnen hatte vornehmen wollen.

Im Mittelalter waren jüdische Fernhandelskaufleute, Geldverleiher und Viehhändler wichtige Mitglieder im Wirtschaftsleben des Erzstifts Trier. Das Trierer Judenviertel am Hauptmarkt, in der heutigen Jakob- und Moselstraße, entstand vermutlich in der zweiten Hälfte des 10.Jahrhunderts; hier lebten die Juden eingemauert in einem eigenen Viertel; vier Tore gewährten Einlass; nachts blieben sie geschlossen. Der Friedhof lag außerhalb der Stadtmauern, auf dem heutigen Viehmarktplatz, am Ende der heutigen Jüdemerstraße; dieser wird erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt und wurde bis ins beginnende 15.Jahrhundert benutzt.

Hinweis: Im Rheinischen Landesmuseum Trier befinden sich einige Grabsteinfragmente, die bei Ausgrabungen 1911/12 an der Mauer der Jüdemerstraße gefunden wurden.

Ersten Verfolgungen war die Trierer Gemeinde - wie auch die Gemeinden in Worms, Speyer, Mainz und Köln - während des ersten Kreuzzuges ausgesetzt; als die Trierer Bevölkerung gegen die Juden vorgehen wollte, nahm der Kurfürst diese in seinem Palast unter seinen Schutz. Im Jahre 1262 fanden erstmals Ausweisungen der Juden aus Trier statt; allerdings konnten sie nach mehreren Jahren erneut hierher zurückkehren.

Anfang des 14. Jahrhunderts stand die jüdische Gemeinde in voller Blüte; das Ghetto bestand damals aus etwa 60 Gebäuden, in denen mehr als 300 Menschen lebten; das entsprach etwa 3% der Bevölkerung. Im Ghetto, in der Simeongasse, befand sich auch die Synagoge, die – mit Unterbrechungen – bis 1418 benutzt wurde (Anm. Abbildungen dieses mittelalterlichen Bethauses gibt es nicht).

Während der Pestpogrome Mitte des 14.Jahrhunderts wurde die Trierer Judengemeinde zerstört; weder die kirchliche noch die kommunale Obrigkeit konnte dem plündernden Mob Einhalt gebieten. Kaiser Karl IV. erklärte den Erzbischof Baldewin zum Erben des jüdischen Nachlasses. Die vertriebenen jüdischen Familien siedelten sich in Dörfern der Region an, die nicht der kurfürstlichen Herrschaft unterstanden und bildeten hier neue Gemeinden, so u.a. in Aach, Butzweiler, Freudenburg. Schließlich vertrieb 1418 der Trierer Erzbischof, der Kurfürst Otto von Ziegenhain alle Juden „für alle Zeiten” aus dem Kurstaat; ihre Güter wurden enteignet.

Stadtansicht von Trier um 1570 (Abb. aus: Palauen05, 2015, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Erst in der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts hielten sich in Trier wieder einige jüdische Familien auf; sie waren mit einem Geleitbrief ausgestattet und wurden in der Stadt und im Erzstift - trotz mehrfach erfolgter Ausweisungsdekrete - geduldet. So hieß es in der 1582 durch Erzbischof Johann von Schönberg erlassenen Ausweisungsbestimmung:

„ ... Fügen hiemit zu wissen allen und jeglichen Jüden und Jüdinnen, nachdem ewerer etliche hin und widere in unserem Ertzstifft sich widerumb eingeflickt, die außwendigen aber und angesessene, ihre prackticken unnd händel mit wuchern, lehnen unnd borgen, auff oder ohne pfändt mit unsern underthanen uben und treiben, zu mercklicher derselben beschwärung und verderben, wie uns newlicher tag von unserer Landtschafft deßwegen bericht und clagen vorkommen. ...”

Trotz des Ausweisungsdekrets erließ die Stadt Trier 1593 Statuten, in denen feste Regeln für Juden - für den Fall ihrer Wiederansiedlung - festgelegt wurden; darin hieß es u.a.:

„ ... Wiewohl deren von unerdencklichen jahren nie keiner in der stadt Trier gelitten, aber nunmehro vielleicht zu erhaltung churf. gn. regalien, hocher obrigkeit und gerechtigkeit zugelaßen und ihnen, den juden, gnädigst bewilliget und erlaubt, so hoffen wir, dadurch werde jedoch in der stadt keine unordnung, ärgernuß der christenheit, guter sitten und policei vorgenommen und ihnen gestattet werden, sonder billig, wie an andern orthen mehr, sonderliche regeln, ordnungen und satzungen gegeben und gemacht werden ... Sollen also sonderlichen in der stadt weder durch sich selbsten noch durch jemand anders keinen wucher treiben, ursach geben zur dieberei und verderblichen schadens mannes, weibes, gesinds, freundschaften, wie leider vielmal geschehen, welches billig die obrigkeiten denen untersaßen zum guten und frommen nicht gestatten sollen. ... Sollen auch die juden unsere religion und glauben oder kirchenordnungen nicht tadeln, widersprechen, verachten oder verfluchen, bei ebenmäßiger leibes strafe. ...“

                   http://chronico.de/images/content/articles/0000355_6c.jpg Synagoga mit ihrem zerbrochenen Zepter an der Liebfrauenkirche (Aufn. M. Schwarzenberger, 2006)

Erst in der ersten Hälfte des des 17.Jahrhunderts entstand in Trier wieder eine jüdische Gemeinde; diese lebte nicht mehr in einem abgegrenzten Viertel, sondern in der Weberbach-, Rahnen- und Neustraße inmitten christlicher Familien. In der Weberbach befand sich auch das Bethaus; 1675/1676 wurde es im Zuge antijüdischer Unruhen, die auch mehreren Juden das Leben kosteten, Ziel von Anschlägen.

Im Jahre 1762 wurde das neue Bethaus in der Weberbach eingeweiht; während im rückwärtigen Teil die Synagoge untergebracht war, diente das Vorderhaus als Schul- und Wohnhaus des Rabbiners. In der Rahnengasse befand sich eine Mikwe; ein weiteres Frauenbad hatte schon in der Flanderngasse bestanden. In dieser Zeit wurde ebenfalls der Friedhof in der Weidegasse angelegt.

 Aus dem Jahre 1723 stammte die letzte kurtrierische Judenordnung. Sie war von Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg erlassen worden und bestimmte in 68 Paragraphen Pflichten und Rechte der Juden im Erzstift Trier; Gültigkeit besaß sie bis zum Ende des kurtrierischen Staates. Andauernde Konflikte mit der Trierer Bürgerschaft bzw. den Zünften prägten die letzten Jahrzehnte des 18.Jahrhunderts. Mit Beginn der französischen Besetzung ab 1794 - Trier wurde später zur Hauptstadt des Saar-Departements erhoben - verbesserte sich die Situation der Trierer Judenschaft deutlich; völlige Gleichberechtigung erlangte die Juden aber nicht. Auch in der nach-napoleonischen Ära waren Juden gemäß dem „Edikt betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden im preußischen Staate” nicht völlig anderen Bürgern gleichgestellt; so blieben sie z.B. von Staatsämtern ausgeschlossen. Erst in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts fielen auch diese Schranken.

Die Nachfolge des Trierer Oberrabbiner Marx (Mordechai) Levi, der von 1788 von 1804 in Trier amtiert hatte, trat dessen Sohn Samuel im Jahre 1804 an.

Samuel Marx (Levi) wurde 1775 als Sohn einer Rabbinerfamilie in Saarlouis geboren. Er war einer der Teilnehmer des von Kaiser Napoleon einberufenen „Großen Sanhedrin“ in Paris (1807) gewesen; die dort gefassten Beschlüsse führten dann zur (fast) bürgerlichen Gleichstellung der Juden im französischen Staat. Zu Ehren von Napoleon veranstaltete die jüdische Gemeinde Trier unter Vorsitz von Samuel Marx eine Feier,  in deren Verlauf er u.a. auch die jüdische Jugend aufrief, „das Handwerk, den Ackerbau und die Wissenschaften“ zu erlernen. 1809 wurde Samuel Marx durch kaiserliches Dekret dann zum Großrabbiner und Vorsteher des Konsistoriums im Sambre-Maas-Departement ernannt. Sein Engagement richtete Samuel während seiner Amtstätigkeit insbesondere auf die Förderung des Schulwesens für jüdische Kinder. 1827 verstarb der Trierer Oberrabbiner Samuel Marx in Trier und wurde auf dem dortigen jüdischen Friedhof begraben.

 

Nachdem die alte Synagoge am Weberbach baufällig und zu klein geworden war, wurde im Oktober 1857 der Grundstein für einen Synagogenneubau am Zuckerberg gelegt.

Bauzeichnungen der Trierer Synagoge von 1857 (Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz):

 

Zwei Jahre später konnte die neue Synagoge - unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung - eingeweiht werden.

Die Einweihung der Synagoge am Zuckerberg wurde folgendermaßen beschrieben: „ ... Nach dem Abschiedsgottesdienst in der alten Synagoge an der Weberbach bewegte sich ein Festzug durch die ausnahmslos mit Fahnen, Teppichen, Bildern und Laubgewinden geschmückten Straßen, die derart vom Publikum besetzt waren, daß der Zug kaum passieren konnte, zur neuen Synagoge. An der Spitze gingen die Schulkinder, ein Musikcorps und der Synagogen- Gesang-Verein. Es folgten die Träger der Thorarollen, die von weißgekleideten Mädchen mit Blumenkränzen umgeben waren, und ein Mädchen, das auf einem Samtkissen die Schlüssel für die neue Synagoge trug; es folgten die Oberrabbiner Dr. Stein aus Frankfurt und Dr. Kahn aus Trier, das Baukomitee, die Mitglieder des israelitischen Vorstands und des Konsistoriums, die Vertreter der Behörden, des Stadtrats, der Architekt Schmidt, der Baumeister Weis und zum Schluß die Mitglieder der Trierer Kultusgemeinde. ...” (aus: Emil Zenz, Geschichte der Stadt Trier im 19.Jahrhundert, Band II, S. 201)

  

Trierer Synagoge (Computersimulation)  –  Innenansicht (hist. Aufn., Stadtarchiv Trier)

In einer Baubeschreibung heißt es: „ ... Die Synagoge war ein äußerlich schmuckloser, unverputzter Sandsteinbau. Ein den Blick durchlassendes Gitter gab Eingang zu dem von einer Mauer abgeschlossenen Vorhof. Einige Stufen führten zum Eingang des Gebäudes; eine hebräische Inschrift über dem Eingang der Vorhalle bezeichnete die Bestimmung des Hauses. Das Innere der Synagoge war eindrucksvoll. Teppiche befanden sich in den zwei Gängen zwischen den drei Reihen Bänke des Erdgeschosses. Die mit Teppichen belegten Reihen reichten bis zu den Stufen, die zum Vorplatz der heiligen Lade führten. Ein großer Teppich zierte diesen Platz, über dem ständig eine rote Ewige Lampe leuchtete. Die heilige Lade selbst war ein Schrein, in dem die Thorarollen aufbewahrt wurden. Vor dem Schrein befand sich ein kostbarer Brokatvorhang (...) Vor der letzten Bank der Mittelreihe befand sich das Vorlesepult des Kantors auf einer Art Empore; rechts davon waren die Kanzel und links der Platz des Rabbiners - der Gemeinde zugewandt. Die vorderste Reihe der Mittelbank war für die Kinder reserviert.(aus: Jacques Jacobs, Existenz und Untergang der alten Judengemeinde der Stadt Trier, Trier 1984, S. 33 f.)

Das Wirken des Oberrabbiners Kahn in Trier und in den kleinen Landgemeinden an der Mosel war allgemein anerkannt. So hieß es in einem Artikel der „Allgemeinen Zeitung des Judentums” am 29.12.1851:

Von der Mosel, 29.Dezember. ... Noch vor wenigen Jahren fand man im Konsistorialsprengel Trier die Landgemeinden verwahrlost, ohne Synagoge, ohne Religionsschule, überhaupt ohne jede, einer Religionsgemeinde nöthige Einrichtung, und daher kam es, daß viele Gemeinden in einen derart verwahrlosten Zustand geriethen, ... Seit dem Amtsantritt des Oberrabbiners, Herrn Cahn, ist das Alles anders geworden. Überall in den Gemeinden seines Sprengels regt sich ein frischer, religiöser Geist , überall erwacht der Gemeinsinn und die Liebe zum Schönen und Guten und ermuntert zu großen Opfern für den Bau von schönen Synagogen, Religionsschulen und für zeitgemäße Einrichtungen derselben. Und mit wahrer kindlicher Anhänglichkeit folgen die Bewohner unsres Thales dem Wege, den ihr Seelsorger ihnen vorgezeichnet, und freuen sich, zur Erkenntniß des Guten gekommen zu sein. ...

Joseph Kahn wurde als Sohn eines jüdischen Vorbeters 1809 in Wawern (bei Saarburg) geboren. Nach Besuch der Talmudschule in Metz bzw. in Mannheim begann er ab 1831 ein Theologiestudium an den Universitäten Heidelberg und Bonn. Seit 1840 war er zunächst für die jüdische Gemeinde von Saarlouis tätig; bereits ein Jahr später wurde er zum Oberrabbiner von Trier gewählt. Kahn galt als gemäßigter Vertreter des Reformjudentums. Als Zeichen der Erneuerung des Judentums machte er sich u.a. stark für den Bau neuer Gotteshäuser in seinem Rabbinatsbezirk. In zahlreichen öffentlichen Stellungnahmen setzte er sich zudem wiederholt für die Gleichberechtigung der Juden im Staat ein. Nach mehr als 30jähriger Amtstätigkeit als Oberrabbiner in Trier starb Dr. Joseph Kahn 1875 in Amsterdam.

Nach der Wahl des liberalen Dr. Kroner zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Trier kam es 1879 zur Abspaltung der orthodoxen Gemeindeglieder; diese gründeten die „Orthodoxe Israelitische Religions-Gesellschaft in Trier” mit Dr. Ehrmann als Rabbiner. Zwei Jahre später richtete man in einem angemieteten Hause in der Hosenstraße eine eigene Synagoge mit Schule ein.

„Trier. Die Israelitische Religionsgesellschaft hat dieser Tage ein im Mittelpunkt der Stadt vorzüglich gelegenes Haus für eine Synagoge und Schule angekauft und damit einen wesentlichen Schritt für ihre Consolidirung gethan. Erwägt man die beträchtlichen Lasten, welche das junge Gemeindewesen seinen Mitgliedern auferlegt, daß die Mitglieder zur Zeit auch noch zur Synagogen-Gemeinde ihren vollen bisherigen Beitrag beisteuern, so erklärt dieser neue Beweis opferfreudiger Gesinnungstüchtigkeit die herzlichen Sympathien, welche der Religionsgesellschaft aus alten gesinnungsgenössischen Kreisen anläßlich dieser Akquisition so reichlich entgegen gebracht wurden.“ 

(aus: „Der Israelit“ am 9. November 1881) 

Bereits nach einigen Jahren schlossen sich beide religiösen Flügel wieder zusammen.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20284/Trier%20Israelit%2004091930.jpg aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4.Sept. 1930

Letzter Oberrabbiner in Trier war Dr. Adolf Altmann, der hier von 1920 bis 1938 wirkte und Nachfolger von Dr. Jakob Baßfreund (Rabbiner von 1891 bis 1918) war. Der 1879 in Hunsdorf/Huncovce (Slowakei) geborene Adolf Altmann hatte als Jugendlicher von 1893 bis 1899 die Jeschiwa in seinem Heimatort besucht, im Anschluss dann die Landesrabbinerschule in Preßburg. Sein Universitätsstudium in Bern (Geschichte, Germanistik u. Philosophie) schloss er mit seiner Promotion ab (1912). In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wirkte Dr. Altmann als Rabbiner in Salzburg und anschließend in Meran. Nach seiner Rückkehr als Feldrabbiner der österreichischenen Armee wurde Dr. Adolf Altmann im Jahre 1920 als Oberrabbiner nach Trier berufen. Im Frühjahr 1938 flüchtete er mit seiner Familie in die Niederlande. 1943/44 wurde er nach Westerbork verbracht, von dort - via Theresienstadt - ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert; hier starb er wenig später; seine Frau und zwei seiner Kinder wurden ermordet. Eine Straße in Trier-Nord ist nach Dr.Altmann benannt.

      Auch an seiner ehemaligen Wirkungsstätte Salzburg wird heute an den Rabbiner Dr. Adolf Altmann erinnert.

1825 war in Trier eine jüdische Elementarschule eingerichtet worden, die mehr als ein Jahrhundert lang bestand und die kleinste Volksschule der Stadt war.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20284/Trier%20Israelit%2022081877.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20284/Trier%20AZJ%2001031888.jpg

Stellenausschreibungen aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 22.Aug. 1878 und 1.März 1888

Stellenangebote aus den 1920er Jahren  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20284/Trier%20Israelit%2018121924.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20284/Trier%20Israelit%2007071927.jpg

Während die Synagoge das Zentrum des religiösen Lebens in Trier bildete, konzentrierte sich das kulturelle jüdische Leben zum größten Teil im Lokal der Moselloge in der Johannisstraße. Ihre Zielsetzung war neben Vermittlung jüdischer Kultur auch Wohltätigkeit.

Nachdem der im 17.Jahrhundert auf einem Acker vor den Toren der Stadt angelegte Friedhof (heute im Bereich Weidegasse/Gilbertstraße) durch die zunehmende städtische Bebauung umschlossen worden war, entschloss sich die jüdische Gemeinde 1920, ihr Beerdigungsgelände auf das Areal des städtischen Friedhofs an der Herzogenbuscherstraße zu verlegen; zwei Jahre später wurde der Friedhof an der Weidegasse dann endgültig geschlossen.

Juden in Trier:

--- um 1340 ........................ ca. 300 Juden,

--- um 1640 ............................   8 jüdische Familien,

--- um 1690 ........................ ca. 170 Juden (ca. 20 Familien),

--- 1808 ..............................  261   “   (1,9% d. Bevölk.),

--- 1822 ..............................  227   “  ,

--- 1833 ........................... ca. 440   “  ,*      * mit Vororten

         ............................... 287   “  ,

--- 1844 ............................... 378   “  ,

--- 1880 ........................... ca. 800   ”  ,

--- 1895 ............................... 823   “  ,

--- 1909 ............................... 836   “  ,

--- 1925 ............................... 832   “  ,

--- 1932/33 ........................ ca. 800   “  ,

--- 1938 (Nov.) .................... ca. 430   “  ,

--- 1943 (Mitte) ......................  keine,

--- 1950 ...............................  34   “  ,

--- 1985 ...............................  60   “  .

Angaben aus: L.Heid/J.H.Schoeps (Hrg), Wegweiser durch das jüdische Rheinland, S. 262

               aus der Zeitschrift "Jeschurun", Januar 1883

Herrenbekleidung Jakob Herrmann, Simeonstr. (Aufn. um 1925) 

Vom Antisemitismus, der sich vor dem Ersten Weltkrieg in anderen Reichsteilen regte, war in Trier kaum etwas zu spüren; zu sehr hatte sich der jüdische Bevölkerungsteil assimiliert und im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben der Stadt integriert. Zur Zeit der NS-Machtübernahme lebten in Trier knapp 800 Juden.

Zur ersten Boykottaktion gegen jüdische Kaufhäuser in Trier kam es bereits am 10.März 1933; die SA setzte durch, dass die Geschäfte für einen Tag geschlossen wurden. Der 1.April 1933 markierte auch in Trier den Beginn der offenen antisemitischen Hetze; jüdische Geschäfte wurden boykottiert und führende jüdische Persönlichkeiten der Stadt verhaftet. Bereits einen Tag vor dem offiziellen Boykott fuhren mit Plakaten bestückte Lastwagen durch die Stadt, die mit Parolen wie: „Die Juden sind unser Unglück” und „Kauft nicht in jüdischen Warenhäusern” die Bevölkerung auf die ‚Aktion’ am 1.April vorbereiten sollten.

                  Im „Trierer Nationalblatt” wurde am 1.4.1933 folgender Aufruf veröffentlicht:

Nationalgesinnte Trierer                                                                  Trier, den 1.April 1933

Alljuda als Aufpeitscher der marxistischen und kommunistischen Verbrecher hat einen ungeheuerlichen Verleumdungs- und Boykottfeldzug gegen Deutschland organisiert. Deutsche Ware, deutsche Arbeit soll dem Weltboykott verfallen. Die Not in Deutschland soll noch größer werden. Schließt euch zusammen in dem Gedanken, daß diesem ungeheuerlichen Verleumdungsfeldzug die Spitze abgebrochen werden muß.

Der Boykott darf das deutsche Volk nicht treffen, sondern in tausendfacher Schwere die Juden selbst. Kein Nationaldeutscher wird noch einen Schritt in ein jüdisches Geschäft setzen, bis die Ehre des deutschen Volkes wiederhergestellt ist. Schlagt den Weltfeind ! Alljuda soll den Kampf solange haben, bis der Sieg unser ist !

Da der Boykott aber nicht den gewünschten Erfolg zeitigte, wurden im Sommer 1933 erneut einzelne jüdische Geschäfte geächtet; ähnliche Aktionen - begleitet von antisemitischen Schmierereien - wiederholten sich in der Folgezeit. In einem Schreiben des NSDAP-Ortsgruppenleiters Recktenwald an den Trierer Oberbürgermeister von August 1933 hieß es u.a.:

„... Von Woche zu Woche kann man feststellen, daß der Zustrom von Angehörigen dieser [ der jüdischen] Rasse zum Stadtbad immer größer wird. Zuweilen packt einen geradezu ein Ekel, wenn man feststellen muß, wie diese uns Deutschen wesens- und rassefremden Kerle, am ganzen Körper wie die Affen dicht und schwarz behaart, sich in unserm für die Trierer gebauten schönen Stadtbad herumflegeln. ... Zu den Zeiten, in denen das Stadtbad für die weiblichen Besucher frei ist, muß es noch furchtbarer sein. Beim Betreten des Bades soll man schon an der dort befindlichen für Juden typischen pestilenzartigen Luft erkennen können, wer anwesend ist. ..”

Aus einem Bericht des Regierungspräsidenten Trier von Anfang Juni 1935:

“... Die antisemitische Propaganda war auch in den Berichtsmonaten (Anm.: April/Mai) sehr rege. Sie äußert sich u.a. namentlich in der Anbringung von Transparenten in den Ortschaften, die zum Boykott jüdischer Geschäfte auffordern oder besagen, daß Juden im Ort unerwünscht seien, Juden den Ort auf eigene Gefahr betreten usw. ... Die große Masse der Bevölkerung steht im allgemeinen dieser Art antisemitischer Propaganda ziemlich verständnislos gegenüber und läßt sich vom Kauf in jüdischen Geschäften, besonders sofern billige und gute Waren geführt werden, nur wenig abhalten. ... In der Stadt Trier ist von der Kreisleitung ein Flugblatt herausgebracht worden mit der Aufforderung des stellv. Gauleiters der NSDAP, durch die die Parteigenossen ... nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß ihnen der Verkehr mit Juden sowohl privater als auch geschäftlicher Art nach wie vor strengstens verboten sei ...”

 „Arisierungs“-Anzeige von 1935 (aus: „Trierer Nationalblatt“)

Anfang des Jahres 1936 erfolgte die "Entjudung" eines großen Kaufhauses in der Fahrstraße. "Unter neuem Namen - unter neuer Leitung" wurde der Übergang des 67-jährigen jüdischen Traditions- und Erfolgsunternehmens in "arische Hände" von der "Insel Textilhaus GmbH" in einer Anzeige angekündigt.

Zahlreiche Firmen in Trier warben nun damit, dass sie fortan als „deutsche Geschäfte“ geführt würden: so das Schuhhaus Hans Klodt, vormals jüdisches Geschäft Spier in der Brotstraße, die „Geschwister Schiefelbusch“ übernahmen das Handarbeitsgeschäft Schapira (von Ella u. Max Goldstein) in der Grabenstraße, das Damenkonfektionsgeschäft von Simon Reilinger in der Brotstraße übernahmen die „Geschwister Kanz“ und aus dem Wollgeschäft Ernst Ermann in der Fleischstraße wurde das Geschäft der „Geschwister Nees“. (gemachte Angaben gehen auf Recherchen von Jutta Albrecht zurück)

In den ersten vier Jahren der NS-Herrschaft verließen etwa 330 Juden Trier - begleitet von gehässigen Zeitungsartikeln; bis 1938 konnten etwa die Hälfte der in Trier lebenden Juden emigrieren - größtenteils nach Übersee.

In der Pogromnacht vom November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge in der Trierer Innenstadt demoliert und geplündert; auch zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und mehr als 100 jüdische Männer in Haft genommen.
  Synagogenfront, nach einem Bombenangriff 1944 (Stadtarchiv Trier)

                   Über die Vorgänge des Novemberpogroms berichtete das „Trierer Nationalblatt” am 11.11.1938:

... Als die Nachricht vom Tode des der jüdischen Mörderhand zum Opfer gefallenen Botschaftsrates vom Rath in Trier bekannt wurde, hat sich die Erregung der Bevölkerung, die schon vorher groß war, noch mehr gesteigert. Überall sah man in der Nacht zum Donnerstag Gruppen von Menschen zusammenstehen und die Straßen durchwandern, die in höchster Erregung nicht nur die Tragik des Sterbens eines jungen deutschen Menschen besprachen, die vor allem auch mit dem echten Volksinstinkt nicht allein den Mörder selbst für die Tat verantwortlich machten, sondern in der rassischen Zugehörigkeit eines Individuums die eigentliche Ursache des Meuchelmordes erblickten. ... So ist es denn auch in Trier und überall im Trierer Lande im Laufe der Nacht zum Donnerstag und in den frühen Morgenstunden des gestrigen Tages zu spontanen Kundgebungen gegen Juden gekommen, die zum Teil Zerstörung am jüdischen Besitz nach sich zogen. In Trier selbst wurden die Fensterscheiben jüdischer Geschäfte eingeschlagen, die Auslagen durcheinandergeworfen und auch die Einrichtungen zum Teil erheblich in Mitleidenschaft gezogen. ... Auch in einzelne Privatwohnungen jüdischer Hetzer und Betrüger ist die Menge eingedrungen und hat auch hier die Wohnungen zum Teil zerstört. ... Nicht Unterweltbanden haben Mord und Raubzüge im Schutz der Nacht veranstaltet, sondern eine verständliche und schon lange erwartete und berechtigte Erregung der deutschen Bevölkerung unserer Stadt ... hat sich gegen verbrecherische Artfremde gewandt. ...

Nach der „Reichskristallnacht“ verschärften sich noch die Verfolgungen; jüdische Geschäfte und Betriebe wurden konsequent „arisiert“ und Juden aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt.

Ein Beispiel: Im Jahre 1882 eröffnete Simon Schneider in der Gerberstraße in Trier eine Gerberei; mit der Expansion seiner Firma errichtete er ca. zwei Jahrzehnte später in der Karthäuserstraße seine erste Lederfabrik, die alsbald noch erweitert wurde. Auf Grund der seit 1933 durch zahlreiche Verordnungen eingeschränkten wirtschaftlichen Tätigkeit jüdischer Gewerbetriebe musste auch der Eigner der Lederfabrik Schneider aufgeben; die Firma wurde in „deutsche Hände“ überführt.

                                           Vergrößerte Ansicht des angeklickten Bildes Vergrößerte Ansicht des angeklickten Bildes 

Zwei J-Kennkarten gebürtiger Trier Juden (Abb. aus: Stadtarchiv Trier)

Die Deportationen der Trierer Juden setzten - wie fast überall im Deutschen Reich - im Herbst des Jahres 1941 ein; insgesamt mehr als 400 Trierer Juden wurden an zwei Sammelpunkten zusammengezogen und von dort in die Vernichtungslager im besetzten Polen deportiert, so ins Ghetto Lodz, nach Lublin und nach Theresienstadt. Mitte 1943 lebten in Trier keine Juden mehr.

Mehr als 600 Juden aus Trier und dem Trierer Land wurden zwischen Oktober 1941 und Juni 1943 deportiert und ermordet; zudem wählten 40 Personen, die in „Judenhäusern“ zusammengepfercht leben mussten, den Freitod.

 

Nur etwa 20 Trierer Juden sind nach 1945 wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Fünf Jahre nach Kriegsende entstand in Trier wieder eine neue jüdische Gemeinde, die allerdings nur aus etwa 35 Personen bestand.

     

Synagoge in Trier (Aufn. aus: Trier-info, um 2005)

1956 wurde die neue Synagoge in der Kaiserstraße - entworfen vom Architekten Alfons Leitl - eingeweiht. Als Grundstein diente ein Steinblock aus den Trümmern der 1938 zerstörten Synagoge am Zuckerberg. Die kleine Synagogengemeinde setzte sich damals aus etwa 60 Mitgliedern zusammen; 2005 gehörten der Gemeinde etwa 460 Personen an.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2073/Trier%20Synagoge%20100.jpg (Aufn. aus: kulturreise-ideen.de)   Am früheren Standort der in der Trierer Innenstadt gelegenen Synagoge erinnert seit November 1985 eine Metallsäule an das zerstörte jüdische Gotteshaus:

An dieser Stelle stand die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Trier.

Erbaut 1859, zerstört am 9.November 1938 durch die Nationalsozialisten.

Eine weitere Gedenktafel, die an der Pax-Bank in der Weberbachstraße angebracht ist, erinnert an die alte Trierer Synagoge, die von 1761 bis 1859 genutzt wurde. Ihre Inschrift lautet:

Dieses Gebäude der Pax-Bank nimmt einen historisch bedeutsamen Standort ein, der Zeugnis europäischer Geschichte und Kultur ist.

Der „Weberbach“ galt schon zur Zeit der Römer als eine bekannte Straße, an welche sich viele Siedlungen anschlossen. Von 1761 bis 1859 stand hier als religiöses Zentrum des Trierer Judentums die Synagoge.

Mit dieser Gedenktafel wollen wir an die kulturelle und wirtschaftlich-geistige Tradition der Stadt Trier erinnern und sie lebendig erhalten.

Trier September 1987                                             Pax-Bank

                                                         Bildergebnis für gedenktafel synagoge Abb. aus: alemannia-judaica.de

In der Rindertanzstraße erinnert heute eine Tafel am ehemaligen „Bischof-Korum-Haus“ an die Deportationen:

An der Stelle des ehemaligen - von den Nationalsozialisten beschlagnahmten - Bischof-Korum- Hauses gedenkt die Trierer Bürgerschaft der mehr als 400 jüdischen Frauen, Männer und Kinder, die in den Jahren 1941 bis 1943 hier und im ehemaligen Gefängnis in der Windstraße zusammengetrieben wurden. Von hier aus wurden sie in die Konzentrationslager deportiert, in denen sie fast ohne Ausnahme ermordet wurden.

                                                                                                                                                                       Die Stadt Trier 1993

Vom alten jüdischen Friedhof, der Anfang der 1920er Jahre letztmalig belegt wurde, sind heute noch insgesamt ca. 550 Grabsteine vorhanden; davon befinden sich auf dem ältesten Teil ca. 150.

TrierAlterJuedischerFriedhof1.jpgalter Friedhof, Weidegasse (Aufn. H. Rieder, 1999, aus: wikipedia.org, CCO)

Auf diesem Gelände findet man auch die beiden abgebildeten Rabbinergräber; die beiden hier begrabenen Personen waren Vorfahren von Karl Marx.

        Aufn. Anja Runkel, 2002, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2073/Trier%20Friedhof%20103.jpg Auf dem neuen jüdischen Friedhof in Trier steht ein Mahnmal (Aufn. J. Hahn, 2009), das die folgenden Inschriften aufweist:

Den Opfern der Verfolgung aus Trier und Umgebung zum Gedenken,

den Lebenden zur Mahnung 1933 - 1945

Die hebräische Inschrift lautet in Übersetzung:

Zum Gedenken an die während der Herrschaft der verbrecherischen Bosheit Ermordeten

aus der Heiligen Gemeinde von Trier und Umgebung.

Das Volk soll es hören und sehen und soll in Zukunft nicht mehr Böses tun.

Seit 2004 wurden in Trier ca. 200 sog. „Stolpersteine“ verlegt (Stand: 2020), die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen und an Opfer aus allen Verfolgtengruppen im NS-Staat erinnern.

 

sog. „Stolpersteine“ in Trierer Straßen (Aufn. Marcus Stölp u. Dirk Mentrop)

                           "Stolperstein" für Jakob Herrmann (Aufn. Claudia Krell, SWR)

Seit 1998 existiert als wissenschaftliche Einrichtung der Universität Trier das „Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden“ (AMIGJ); das Institut widmet sich der Erforschung der Geschichte der Juden vornehmlich in Mittel- und Westeuropa mit Schwerpunkten im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Dessen Namensgebung soll dem Leben und dem Werk des bedeutenden israelischen Historikers deutscher Herkunft (geb. 1903; er trug zuvor den Namen Herbert Fischer) gebührend würdigen.

Judengasse Zugang zur Trierer „Judengasse“ (Aufn. Stefan Kühn, 2004, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)
Anm.: Die Judengasse - nahe dem Trierer Hauptmarkt - bildete das Zentrum des mittelalterlichen jüdischen Stadtviertels; sie verlief zwischen Jacob-, Stock- und Simeonstraße. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestand das jüdische Viertel aus ca. 60 Gebäuden mit Synagoge und anderen jüdischen gemeindlichen Einrichtungen. Mit der Vertreibung der Juden im Jahre 1349 aus der Stadt und dem Erzstift endete auch die Geschichte des Judenviertels. Heute findet man in der Gasse u.a. mehrere Restaurants.

  Berühmtester Sohn der Stadt Trier ist Karl Marx, der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Er wurde 1818 als Sohn des Anwaltes Heinrich Marx geboren. Heinrich Marx stammte aus einer bedeutenden Rabbinerfamilie, war aber 1824 aus beruflichen Gründen zum Protestantismus konvertiert. Karl Marx selbst stand dem Juden- und Christentum fern, da er prinzipiell eine antireligiöse Philosophie vertrat. Fälschlicherweise wurde ihm eine antisemitische Haltung unterstellt; in seiner Schrift „Zur Judenfrage“ forderte Marx die rechtliche Gleichstellung der Juden. Er starb 1883 in London.

http://bloximages.newyork1.vip.townnews.com/stltoday.com/content/tncms/assets/v3/editorial/0/43/0430528b-6457-52df-b61b-e26d801ec8e3/4db0df76c59e3.preview-300.jpg Max Lazarus (1892-1961) gilt als der bedeutendste jüdische Trierer Künstler der Vorkriegszeit und als der gefragteste Synagogenmaler im westlichen Teil Deutschlands. Nach einem Studium an der Trierer Kunstgewerbeschule schuf er in den 1920er Jahren Gemälde und Lithographien mit regionalen Motiven, so auch von Synagogen. Ende der 1930er Jahre emigrierte Max Lazarus in die USA fliehen und begann dort zunächst in St. Louis, später in Denver, eine zweite Karriere als Landschafts-, Städte- und Wandmaler. 1961 starb er nach langer Krankheit in Denver. (obige Abb. Selbstbildnis von Max Lazarus, 1914)

In Waldrach, einer kleinen Kommune östlich von Trier, wurden im Jahre 2007 sechs sog. „Stolpersteine“ verlegt.

Stolpersteine Waldrach Ruwergasse 2 "Stolpersteine" in der Ruwergasse (Aufn. W., 2014, aus: wikipedia.org)

 

Weitere Informationen:

Georg Liebe, Die rechtlichen und wirtschaftlichen Zustände der Juden im Erzstift Trier, in: "Westdeutsche Zeitschrift" 12/1893, S. 311 - 374

Fritz Haubrich, Die Juden in Trier, Trier 1907

Gottfried Kentenich, Geschichte der Stadt Trier von ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Denkschrift zum 100jährigen Jubiläum der Zugehörigkeit der Stadt zum preußischen Staat, Trier 1915 (Neudruck 1979)

Adolf Altmann, Das früheste Vorkommen der Juden in Deutschland: Juden im römischen Trier, in: "Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst" 6/1931, S. 104 - 125

Bernhard Brilling, Beiträge zur Geschichte der Juden in Trier, in: "Trierisches Jahrbuch" 9/1958, S. 46 – 50

Eugen Rapp (Bearb.), Epithaphen für Vorfahren von Karl Marx auf dem jüdischen Friedhof in Trier, in: "Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete", 1970, S. 175 ff.

Germania Judaica, Band II/2, Tübingen 1968, S. 826 – 833, Band III/2, Tübingen 1995, S. 1470 - 1481 und Band III/3, Tübingen 2003, S. 2036 – 2045

Heinz Monz (Bearb.), Die jüdische Herkunft von Karl Marx, in: "Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte", Band 2, Tel Aviv 1973, S. 173 – 197

Alfred Haverkamp, Die Juden in der spätmittelalterlichen Stadt Trier, in: Verführung zur Geschichte. Festschrift zum 500.Jahrestag der Eröffnung der Universität inTrier 1473 - 1973, Hrg. G.Dröge/W.Frühwald/F.Pauly, Trier 1973, S. 90 - 130

Trier und der Nationalsozialismus - Die Machtergreifung in einer rheinischen Stadt. Ausstellungskatalog Trierer Bibliotheken VII, Trier 1973

Editha Bucher (Bearb.), Verzeichnis der jüdischen Einwohner der Stadt Trier. Nov. 1938 - Juni 1943, in: Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 bis 1945, in: Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 18, Koblenz 1974, S. 193 – 262

Albert Rauch (Bearb.), Der „Große Sanhedrin“ zu Paris und sein Einfluß auf die jüdische Familie Marx in Trier, in: R.Laufner/A.Rausch, Die Familie Mark und die Trierer Judenschaft – Schriften aus dem Karl-Marx-Haus, Heft 4, Trier 1975

Richard Laufner, Die Trierer Judengemeinde im 17. und 18.Jahrhundert, in: "Kurtrierisches Jahrbuch" 18/1978, S. 66 - 78

Alfred Haverkamp, Die Juden im mittelalterlichen Trier, in: "Kurtrierisches Jahrbuch" 19/1979, S. 5 - 57

Jacques Jacobs, Existenz und Untergang der alten Judengemeinde der Stadt Trier, Spee-Buchverlag GmbH, Trier 1984

Reiner Nolden, Neue Quellen zum Schicksal der Trierer Juden im Dritten Reich, in: "Kurtrierisches Jahrbuch" 24/1984, S. 235 - 244

Richard Laufner, Zu den alten Judenfriedhöfen in Trier, in: "Kurtrierisches Jahrbuch" 24/1984, S. 105 ff.

Richard Laufner, 2000 Jahre Gewerbe und Handel in Trier, in: Trier - Wirtschaftszentrum mit Tradition und Zukunft. 2000 Jahre Trierer Wirtschaft, Trier 1985

Gunther Franz, Die Judenverfolgung in Trier 1675 und der Arzt-Rabbiner Tewle Wallich, in: "Kurtrierisches Jahrbuch" 27/1987, S. 81 - 99

Reiner Nolden (Bearb.), Juden in Trier . Katalog einer Ausstellung von Stadtarchiv und Stadtbibliothek Trier No. 15/ März - November 1988, Hrg. Stadtarchiv und Stadtbibliothek Trier, Trier 1988

Reinhard Bollmus, Trier und der Nationalsozialismus. Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung, in: K.Düwell/F.Irsigler (Hrg.), Trier in der Neuzeit, Trier 1988, S. 562 ff.

Walter Queck, Spuren der Trierer Judengemeinde - Ein Stadtrundgang durch das alte Trier, Trier 1988

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L.Heid/J.H.Schoeps (Hrg.), Wegweiser durch das jüdische Rheinland, Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann GmbH, Berlin 1992, S. 242 ff.

Annette Haller, Das Protokollbuch der jüdischen Gemeinde Trier (1784 - 1836), Frankfurt/M. 1993

Annette Haller, Die Mikwen der Gemeinde Trier - Neues Quellenmaterial aus dem 18.Jahrhundert, in: "MENORA - Jahrbuch für die deutsch-jüdische Geschichte" 1993, Serie Piper, München/Zürich 1993, S. 203 ff.

Cilli Kasper-Holtkotte, Juden im Aufbruch - Zur Sozialgeschichte einer Minderheit im Saar-Mosel-Raum um 1800, in: Forschungen zur Geschichte der Juden, Schriftenreihe der Gesellschaft zur Erforschung der Juden e.V., Band 3, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996

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Reiner Nolden, Vorläufiges Gedenkbuch für die Juden von Trier 1938 - 1943, 2. überarb. Auflage, Trier 1998

Heinz Monz, Die Synagogen an der Weberbach in Trier. Zur Wiederansiedlung von Menschen jüdischen Glaubens im 18.Jahrhundert, in: SACHOR - Beiträge zur jüdischen Geschichte u. zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz, Heft 15 (1/1998), S. 53 - 58

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Reiner Nolden, Die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Trier sowie den Kreisen Trier und Saarburg während der Zeit des Nationalsozialismus, in: H.-G.Meyer/H.Berkessel (Hrg.), Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, Band 1: “Eine nationalsozialistische Revolution ist eine gründliche Angelegenheit !”, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2000, S. 271 f.

M.Brocke/Chr. Müller, Haus des Lebens - Jüdische Friedhöfe in Deutschland, Reclam Verlag, Leipzig 2001, S. 147/148

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Elise Haas – eine unbekannte Lyrikerin aus Trier“ – Ausstellung in der Universitätsbibliothek, Trier 2011

Jutta Albrecht, Staatlich legitimierter Raub. Die„Arisierung" jüdischer Unternehmen während der nationalsozialistischen Zeit in Trier, hrg. von der AG Frieden e.V., Trier 2012

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Jutta Albrecht, Staatlich legitmierter Raub - die Arisierung der Lederfabrik Schneider, in: „Neues Trierisches Jahrbuch 2014"

Günter Heidt, "Ich bin so allein und unglücklich, mehr als je zuvor." Jüdische Überlebende des Holocaust in der Nachkriegszeit, in: Jahrbuch - Kreis Trier Saarburg 2015, S. 1 - 14

Jutta Albrecht (Red.), Gastbeitrag: „Nunmehr ein deutsches Geschäft“, in: „Volksfreund“ vom 6.5.2015

swr.de/swr2/stolpersteine/orte/akustische-stolpersteine-trier

Auflistung der in Trier verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Trier

AG Frieden Trier (Hrg.), "Stolpersteine erzählen" - ein multimedialer Wegbegleiter zu den Gedenksteinen für Opfer des Nationalsozialismus auf den Bürgersteigen der Stadt Trier“, 2. erw. Auflage, Trier 2016

Dieter Ebeling (Red.), Zuhause in der ältesten Stadt. Die Gemeinde feiert 60 Jahre jüdisches Leben – begleitet wird das Jubiläum von einer Wanderausstellung, in: „Jüdische Allgemeine“ vom 7.9.2017

Rolf Seydewitz (Red.), Schwerpunkt Antisemitismus: Diskriminiert, verfolgt und dann ermordet, in: "Volksfreund" vom 8.11.2018

Julia Nemesheimer (Red.), Stolperstein für NS-Opfer: Trierer Mädchen dem Vergessen entrissen, in: "Volksfreund" vom 11.1.2019

Michelle Stoffell (Bearb.), Zwischen Orthodoxie, Reform und Integration. Die Entwicklung der jüdischen Gemeinde Trier im 19.Jahrhundert, in: Kurtrierisches Jahrbuch, Band 59/2019

Jutta Albrecht, Arisierung jüdischer Gewerbebetriebe in Trier (Promotionsthema, in Vorbereitung)