Bomst (Posen)

Kreis-Karte von Züllichau-Schwiebus (ohne Eintrag von Bomst, Ausschnitt aus hist. Karte)

In Bomst (poln. Babimost, derzeit ca. 4.000 Einw.) - ca. 35 Kilometer nordöstlich von Grünberg gelegen - ließen sich erstmals Juden vermutlich schon im 17.Jahrhundert nieder. Im Gefolge des polnisch-schwedischen Krieges sollen sie den Ort verlassen haben; möglicherweise wurde ihnen der Vorwurf gemacht, mit den schwedischen Invasoren Geschäfte gemacht zu haben.

Gesicherte urkundliche Hinweise auf die Anwesenheit jüdischer Familien in Bomst stammen aus der Zeit um 1685. Um 1700 wurde vermutlich eine Synagoge eingerichtet. Im 18.Jahrhundert ist dann der Bau einer zweiten Synagoge datiert.

Ein eigener Friedhof wurde im ausgehenden 18.Jahrhundert angelegt; einer anderen Angabe zufolge soll ein Begräbnisgelände bereits um 1700 geschaffen worden sein.

Juden in Bomst (Posen):

--- um 1800 .................. ca.  200 Juden,

--- 1839 .........................  437   “  ,

--- 1857 ..................... ca.  300   “  ,

--- 1871 .........................  160   “  ,

--- um 1905 .................. ca.   40   “  ,

--- 1925 .........................   12   “  ,

--- 1936 .........................    5   “  ,

--- 1939 .........................   ein  “ ().

Angaben aus: R. Rübe, Die Geschichte der jüdischen Gemeinde, "Tag Wolsztyński", 7/2003, S. 19

Als Bomst im Zuge der 2. Teilung Polens preußisch wurde, sollen etwa 150 Juden hier gelebt haben.

In den 1840er Jahren erreichte der jüdische Bevölkerungsanteil mit ca. 440 Personen immerhin 20% der Einwohnerschaft; danach nahm die Zahl der jüdischen Familien stetig ab.

Um 1870 lebten unter der katholisch-polnischen und evangelisch-deutschen Bevölkerung der Kleinstadt noch ca. 160 jüdische Bewohner; um die Jahrhundertwende waren es nur ca. 40 Personen.

Nach dem Ersten Weltkrieg löste sich die jüdische Gemeinde praktisch auf; im Jahre 1925 wohnten in Babimost nur noch zwölf Personen mosaischen Glaubens.

 Synagoge in Bomst (hist. Aufn., vermutl. 1930er Jahre)

Da das Synagogengebäude Anfang der 1930er Jahre in private Hände gegangen war, blieb es während der „Reichskristallnacht“ unzerstört. Nach einer Sanierung in den 1960er Jahren diente das Gebäude jahrelang als eine Art Kulturzentrum, ehe es dann gewerblichen Zwecken zugeführt wurde

Der jüdische Friedhof, der in der NS-Zeit weitgehend erhalten blieb, fiel in den ersten Jahrzehnten nach 1945 der Zerstörung anheim.

cmentarz żydowski w Babimoście  Im Jahre 2009 wurde auf der ehemaligen, nicht mehr als solche erkennbaren Begräbnisstätte der Juden - sie wurde in den 1960er Jahren vollkommen eingeebnet - ein Gedenkstein gesetzt (Aufn. Françoise Lesniewski); dieser trägt die ff. Inschrift: „Hier war der jüdische Friedhof von Bomst. Die Juden waren jahrzehntelang in die Bomster Gesellschaft eingebunden. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zählte die jüdische Bevölkerung mehrere Dutzuend Personen. Während des Holocaust ermordeten die Nazis die Bomster Juden. Mögen sie in Frieden ruhen.“ (deutsche Übersetzung der polnischen Inschrift)

 

Weitere Informationen:

A. Heppner/J. Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Bromberg 1909, S. 314/315

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001

R. Rübe, Die Geschichte der jüdischen Gemeinde, "Tag Wolsztyński", No. 7/2003

Babimost, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski (Red.), Babimost (Bomst), in: kirkuty.xip.pl   bzw.  cmentarze-zydowskie.pl/babimost_eng.htm