Argenau (Posen)

Erste Hinweise auf jüdische Siedlungstätigkeit in Argenau (poln. Gniewkowo) – wenige Kilometer nordöstlich von Hohensalza/Inowrazlaw gelegen - stammen aus der Zeit um 1760. Waren zunächst die hiesigen Juden mit der Gemeinde von Hohensalza verbunden, so bildeten sie um 1830/1835 eine autonome Gemeinde mit eigener Satzung.

Ein erster Synagogenbau stammte von 1820; ein Nachfolgebau wurde 1879 (oder 1889?) eingeweiht.

    

Fassade und Rückseite der ehem. Synagoge (Aufn. K. Bielawski, um 2010, aus: sztetl.org.pl  -  Margoz, 2008, aus: wikipedia.org, GFDL)

Bereits um 1790/1800 war ein eigener Friedhof angelegt worden, so dass man verstorbene Gemeindeangehörige nun nicht mehr in Hohensalza beerdigen musste.

Juden in Argenau:

--- 1774 ..........................  21 Juden,

--- 1804 ..........................   8   “  ,

--- 1816 ..........................  45   “  ,

--- 1858 .......................... 182   “  (ca. 10% d. Bevölk.),

--- 1867 .......................... 160   “  ,

--- 1880 .......................... 170   “  ,

--- 1895 .......................... 101   “  (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1900 .......................... 113   “  ,

--- 1910 ..........................  88   “  (ca. 2% d. Bevölk.),

--- 1925 ..........................  21   “  ,

--- 1935 ..........................  22   “  .

Angaben aus: Gniewkowo, in: sztetl.org.pl

Anfang der 1880er Jahre kam es in Argenau zu antijüdischen Ausschreitungen, die von der katholischen Ortsbevölkerung getragen wurden.

Gegen Ende des 19.Jahrhunderts setzte die Abwanderung jüdischer Familien aus dem Ort ein; diese verstärkte sich noch nach Ende des Ersten Weltkrieges.

http://fotopolska.eu/foto/389/389968.jpg Friedrichstraße in Argenau (hist. Postkarte, um 1910)

Anfang der 1930er Jahre löste sich schließlich die Gemeinde auf; verbliebene Angehörige schlossen sich der Hohensalzaer Gemeinde an. Das Gemeindevermögen fiel ebenfalls an Hohensalza.

Nach Kriegsbeginn wurden 14 jüdische Bewohner deportiert.

Auf dem Gelände des zerstörten jüdischen Friedhofs befindet sich heute ein Tennisplatz.

Weitere Informationen:

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909, S. 429 – 491

Gniewkowo, in: sztetl.org.pl