Argenschwang (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für argenschwang rheinland pfalz karte Die kleine Ortschaft Argenschwang mit ca. 300 Bewohnern gehört heute zur Verbandsgemeinde Rüdesheim im Landkreis Bad Kreuznach (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

In dem winzigen Dörfchen Argenschwang haben sich möglicherweise schon im ausgehenden 15. Jahrhundert Juden angesiedelt, als die Burgherrn der ‚Rosenburg’ ihre Erlaubnis dazu gaben. Über mehrere Jahrhunderte hinweg liegen dann keine weiteren eindeutigen Hinweise auf jüdisches Leben in Argenschwang vor, doch kann als gesichert angenommen werden, dass sich im 18.Jahrhundert hier eine kleine Gemeinde gebildet hat. In einem alten Fachwerkhaus in der Brunnenstraße richtete die Argenschwanger Judenschaft, zu der später auch die jüdischen Familien aus Spabrücken und Spall zählten, ihren Betraum ein, der fast zwei Jahrhunderte genutzt wurde. Die Holzdecke des im Obergeschoss befindlichen Betraums war mit einem blauen Sternenhimmel bemalt. Eine Frauenempore gab es hier nicht; Männer und Frauen waren durch ein sichtbehinderndes Gitter getrennt.

Zur Besorgung religiös-ritueller Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt.

An einem Hang am Ortseingang befand sich der jüdische Friedhof, der erst in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts (um 1870) angelegt worden war. Derzeit befinden sich auf dem mehr als 2.000 m² großen Gelände noch etwa 65 Grabsteine.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2061/Argenschwang%20Friedhof%20103.jpg jüdischer Friedhof in Argenschwang (Aufn. J. Hahn, 2005)

Die wenigen jüdischen Familien Wallhausens sollen ab ca. 1920 der Gemeinde angeschlossen gewesen sein.

Juden in Argenschwang:

        --- 1858 ........................ 66 Juden (ca. 14% d. Bevölk.),

    --- 1895 ........................ 48   “  ,

    --- 1925 ........................ 28   “   (ca. 8% d. Bevölk.),

--- 1933 ........................ 29   “  .

Angaben aus: Kreisverwaltung Bad Kreuznach (Hrg.), Die jüdischen Synagogen im Landkreis Bad Kreuznach, S. 6

Während des Novemberpogroms wurden äußerlich kaum sichtbare Schäden am Bethaus verzeichnet, allerdings soll der Innenraum verwüstet worden sein. 1939 ging das Gebäude in die Hände eines hiesigen Landwirts über. Bis Kriegsbeginn hatten die allermeisten jüdischen Bewohner ihr Heimatdorf verlassen.

Seit 1980 steht das ehemalige Synagogengebäude unter Denkmalschutz; in der Begründung der Denkmalschutzbehörde heißt es:

“ ... Als Zeugnis handwerklichen Wirkens und als Kulturzentrum der ehemaligen Judengemeinde im Herrschaftsbereich der Herren der Burg Argenschwang ist dieses Bauwerk ein Kulturdenkmal von besonderem Rang. Seine Lage schräg gegenüber einem Fachwerkhaus und in der Nachbarschaft der gotischen Kirche macht das Haus aus städtebaulichen Gründen und zur Belebung und Werterhöhung der Umwelt erhaltenswert; hinzu tritt seine Bedeutung als Denkmal des Judentums im Nahebereich, die zur Förderung des geschichtlichen Bewußtseins beiträgt, so daß die Pflege und Erhaltung des Gebäudes im öffentlichen Interesse liegt.”

Der jetzige Besitzer hat das Gebäude in den letzten Jahren vorbildlich saniert.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20238/Argenschwang%20Synagoge%20110.jpg  

ehem. Synagogengebäude in der Brunnenstraße, links: Aufn. um 1980, Landesamt, rechts: W., 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Weitere Informationen:

Kreisverwaltung Bad Kreuznach (Hrg.), Die jüdischen Synagogen im Landkreis Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1988, S. 13/14

Manfred Heinisch, Die jüdischen Synagogen im Landkreis Bad Kreuznach, in: Naheland-Kalender 1989, S. 170

Dokumentation jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung, in: Reihe Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach, Band 28/1995, S. 27 - 39

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels”. Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Mainz 2005, S. 82/83

Argenschwang mit Spabrücken und Spall, in: alemannia-judaica.de