Bad Honnef (Nordrhein-Westfalen)

Datei:Bad Honnef in SU.svg Bad Honnef ist eine Stadt mit derzeit ca. 25.000 Einwohnern im Rhein-Sieg-Kreis; die rechtsrheinisch gelegene Stadt liegt knapp 20 Kilometer südöstlich von Bonn (Karte TUBS, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Um 1600 sind die ersten jüdischen Einwohner im Raum Honnef urkundlich nachweisbar - und zwar im Ortsteil Rhöndorf. Sie kamen vermutlich aus dem Amt Wolkenburg hierher. Eine „Judenordnung“ gestattete den wenigen „Geleitjuden“ den Handel und das Kreditgeschäft. Dementsprechend waren Juden im 17. und 18.Jahrhundert in diesen Bereichen tätig. Grundbesitz war ihnen anfangs offiziell aber nicht erlaubt. Bereits in den 1660er Jahren wurde im Ortsteil Selhof ein jüdischer Friedhof angelegt. Die Judenschaft Honnefs war stets zu klein, um eine eigene Gemeinde bilden zu können. In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts gab es nie mehr als fünf jüdische Familien am Ort. Diese gehörten bis ca. 1855 zur Synagogengemeinde Rheinbreitbach, danach zur Gemeinde Königswinter. Als dann die Zahl der Honnefer Juden die der in Königswinter lebenden übertraf, richtete man eine eigene „Spezial-Synagogengemeinde” ein, die zunächst einen angemieteten Gebetsraum in einem Privathaus an der Rommersdorfer Straße nutzte. Ab 1897 plante sie den Neubau einer Synagoge und erwarb zu diesem Zweck ein Grundstück in der Schülgenstraße. Da die veranschlagten Baukosten jedoch von der Gemeinde nicht aufgebracht werden konnten, nahm man dann von einem Synagogenneubau Abstand; vielmehr erwarb man ein altes Kirchengebäude (Kapelle), das nach einem Umbau im Sept. 1902 als Gemeindesynagoge vom Bonner Rabbiner Dr. Elias Kalischer eingeweiht wurde. Streitigkeiten innerhalb der Synagogengemeinde haben vermutlich dazu geführt, dass der Bürgermeister keine öffentliche Einweihungsfeier genehmigte.

In der „Honnefer Volkszeitung“ vom 13.9.1902 wurde über die Einweihung berichtet:

Heute morgen fand die feierliche Einweihung der Synagoge statt, zu welcher Herr Rabbiner Dr. Kalischer sowie Glaubensgenossen aus den benachbarten Orten eintrafen. Auch hiesige Herren anderer Konfessionen, welche spezielle Einladungen erhalten hatten, fanden sich zur Feier ein. Das Innere der Synagoge hat durch Malermeister Baumann einen würdigen künstlerischen Schmuck erhalten. Somit hat nun auch die israelitische Gemeinde eine würdige Stätte zur Abhaltung ihres Gottesdienstes erhalten.

             Synagoge, vorher christliche Kirche (hist. Aufn., aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Bereits seit den 1660er Jahren diente ein Gelände „Auf der Helte“ in Selhof als jüdische Begräbnisstätte; neben Verstorbenen aus Honnef wurden auch Juden aus Rheinbreitbach und Unkel hier beerdigt. In der Zeit Honnefs als Kur- und Badeort wurden hier - neben Angehörigen der hiesigen jüdischen Gemeinde - auch während ihres Aufenthalts verstorbene jüdische Kurgäste aus dem In- und Ausland bestattet.

Zunächst im privaten Besitz, kam das Areal 1851 in das Eigentum der jüdischen Gemeinde. 

Im Ortsteil Rommersdorf gab es auch einen alten Friedhof.

Juden in (Bad) Honnef:

         --- um 1660 ...................... ca. 10 - 15 Juden,

    --- um 1710 ...................... ca. 10 Juden,

    --- um 1810 ...................... ca. 10   “  ,

    --- 1854 ............................. 34   “  ,

    --- 1866 ............................. 31   “  ,

    --- 1888 ............................. 58   “  ,

    --- 1895 ............................. 47   “  ,

    --- 1911 ............................. 68   “  ,

    --- 1928 ............................. 56   "  ,

    --- 1933 (Jan.) ...................... 38   “  ,*   *andere Angabe: 60 Pers.

    --- 1935 ............................. 35   “  ,

    --- 1939 (Jan.) ...................... 21   “  ,

    --- 1941 (Mai) ....................... 16   “  ,

             (Nov.) ......................  5   “  ,

    --- 1944 ............................. eine Jüdin.

Angaben aus: Heinrich Linn, Synagogengemeinde Honnef, in: H. Linn, Juden an Rhein und Sieg - Ausstellung, Tafel 4

und                A. Nekum, Honnefs Kinder Israels - Spuren u. Zeugnisse jüdischen Lebens in und um Honnef, S. 124 f.

Im ausgehenden 19.Jahrhundert waren die jüdischen Familien Honnefs weitgehend assimiliert, dennoch hat es in dieser Zeit antisemitische Vorfälle - meist Sachbeschädigungen - in Honnef und in der Region gegeben.

Bereits wenige Wochen nach der NS-Machtübernahme und noch vor dem reichsweiten Boykotttag wurden jüdische Geschäfte Ziele von Anschlägen; auch körperliche Angriffe von SA-Angehörigen auf einzelne jüdische Einwohner wurden verzeichnet. Der 1. April 1933 führte auch in Honnef zu Sanktionen gegen jüdische Geschäfte durch die SA. In den Folgejahren kam es mehrfach auch zu Schändungen und Sachbeschädigungen an der Synagoge und auf dem jüdischen Friedhof. Beim Pogrom des 10.November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesetzt, und alle Kultgeräte wurden zerstört. Geschäftsplünderungen fanden zwar nicht statt, doch wurden drei Juden festgenommen.

                   Aus einer Kurzmeldung der „Honnefer Volkszeitung” vom 11.11.1938:

Antijüdische Kundgebung. Der Tod des deutschen Gesandtschaftsrats v. Rath in Paris ... löste auch in Honnef, wie an vielen Orten des Siegkreises und in Bonn, eine Vergeltungsaktion aus. Die Empörung richtete sich gegen die Synagoge an der Linzer Straße, die völlig in Flammen aufging und die damit diesen Schandfleck an der Linzer Straße beseitigte.

                  Aus einem Schreiben des Bürgermeisters von Honnef an den Landrat in Siegburg vom 14.11.1938:

“ ... Am Donnerstag, den 10. d.M. gegen 15.15 Uhr wurde die hiesige Synagoge auf der Linzer Straße durch mehrere Personen ... in Brand gesteckt. Ein schnelles Niederbrennen wurde dadurch ermöglicht, weil sich die Täter eines größeren Quantums Benzins bedienten, ... Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Die Feuerwehr wurde zum Schutze der in der Nachbarschaft liegenden Häuser alarmiert. Eine Rettung der Synagoge war nicht mehr möglich. ... Die Bevölkerung hatte sich ruhig verhalten; wohl konnte man feststellen, daß diese das Abbrennen der Synagoge mit Freuden begrüßte als Antwort auf die ruchlose Tat, die sich in Paris zugetragen hatte. Zu weiteren Ausschreitungen war es nicht gekommen. Sonstige Beschädigungen an dem Eigentum der noch hier wohnhaften Juden sind nicht vorgekommen.”

Bei Kriegsbeginn lebten noch 15 Juden in Honnef; sie wohnten von da an in den beiden „Judenhäusern“ in der Rommersdorfer Straße 22 und Bergstraße 5.

Im Laufe des Jahres 1941 wurden die Arbeitsfähigen unter ihnen im „Arbeitsdienstlager“ Much interniert, wo sie etwa ein Jahr verblieben. Von Much und Honnef aus setzten im Laufe des Jahres 1942 Deportationen ein; danach hielten sich in Honnef nur noch drei „in Mischehe“ lebende Juden auf.

 

Nur einer der deportierten Juden kehrte, aus Theresienstadt kommend, nach Kriegsende wieder nach Bad Honnef zurück.

An mehreren Stellen in der Stadt erinnern heute Denkmäler an die jüdischen Einwohner. Zum 30.Jahrestag des Novemberpogroms errichteten die städtischen Behörden auf dem etwa 300 Jahre genutzten jüdischen Friedhof in Honnef-Selhof ein Mahnmal, das die folgende Inschrift trägt:

Zum ehrenden Angedenken an die jüdischen Bürger unserer Stadt,

die in den Jahren des nationalsozialistischen Terrors 1933 - 1945 ihr Leben verloren haben.

Eine Bronzeplatte - mit einer reliefartig gearbeiteten Darstellung der ehemaligen Synagoge und einer Menora - erinnert seit 1979 an der Linzer Straße an den Standort der einstigen Synagoge; die Inschrift lautet:

Hier stand bis zur Zerstörung durch die Nationalsozialisten am 9.11.1938

die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Honnef

Erinnerung - Mahnung   9.11.1979

Anm.: Das Synagogengrundstück ging 1939 in „arische“ Hände auf. Während des Krieges wurde auf dem Gelände eine Schulbaracke für evakuierte Waisenkinder aus Köln erstellt. Heute befindet sich hier eine Tankstelle.

2005/2006 wurden in Bad Honnef ca. 20 sog. "Stolpersteine" verlegt.

File:Bad Honnef Stolpersteine Linzer Straße.jpg  Bad Honnef Stolpersteine Bergstraße 5.JPG verlegt in der Linzer Straße/Ecke Am Saynschen Hof und Bergstraße (beide Aufn. Leit, aus: commons.wikimedia.org, CC-BVY-SA 4.0)

Der im Ortsteil Selhof liegende jüdische Friedhof macht heute einen sehr gepflegten Eindruck. Neben ca. 80 Grabsteinen findet man hier auch eine Gedenkstele, die 1968 von der Kommune Bad Honnef aufgestellt wurde.

  Bad Honnef Jüdischer Friedhof Gedenkstele.jpg

Jüdischer Friedhof und Denkmal in Bad Honnef (beide Aufn. Leit, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 

Weitere Informationen:

August Haag, Die jüdische Gemeinde Bad Honnef, in: Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren, Bad Honnef 1962, S. 174/175

Adolf Nekum, Die Menora von Honnef, in: "Honnefer Volkszeitung" (mehrere Ausgaben Juli/Aug. 1979)

Heinrich Linn, Synagogengemeinde Honnef, in: H. Linn, Juden an Rhein und Sieg - Ausstellung des Archivs des Rhein-Sieg-Kreises, 2.Aufl., Siegburg 1984, S. 328 f.

Adolf Nekum, Honnefs Kinder Israels - Spuren und Zeugnisse jüdischen Lebens in und um Honnef, in: "Studien zur Heimatgeschichte der Stadt Bad Honnef am Rhein", Heft 7, Hrg. Heimat- und Geschichtsverein Herrschaft Löwenburg e.V., 1988, S. 106 - 118

Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln, J.P.Bachem Verlag, Köln 1997, S. 509 - 513

Michael Brocke (Hrg.), Feuer an dein Heiligtum gelegt - Zerstörte Synagogen 1938 in Nordrhein-Westfalen, Ludwig Steinheim-Institut, Kamp Verlag, Bochum 1999, S. 256 – 258

Karl Günter Werber, Honnefer Spaziergänge, Bad Honnef 2002, S. 86/87

Ursula Reuter, Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts, in: "Geschichtlicher Atlas der Rheinlande", Bonn 2007, S. 25/26

Stolpersteine Bad Honnef (Flyer), hrg. von der Stadt Bad Honnef

Auflistung in in Bad Honnef verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Bad_Honnef