Duderstadt/Eichsfeld (Niedersachsen)

Jüdische Gemeinde - Göttingen (Niedersachsen)   Tractus Eichsfeldiae (Amt Duderstadt).jpg

Duderstadt ist eine Kleinstadt mit derzeit ca. 22.000 Einwohnern im Landkreis Göttingen im südöstlichen Niedersachsen - im Untereichsfeld nahe der Grenze zum Freistaat Thüringen gelegen (Karte aus: ortsdienst.de/niedersachsen/goettingen und hist. Karte vom Amt Duderstadt, um 1760, aus: wikipedia.org).

Duderstadt galt im Mittelalter als Großstadt. Im Laufe des 14.Jahrhundert sollen hier zeitweilig bis zu 20 jüdische Familien ansässig gewesen sein; die ersten vermutlich seit 1314, als der Braunschweiger Herzog die Stadt anwies, Juden das Bürgerrecht zu gewähren. Eine Synagoge wurde erstmals 1338 erwähnt; sie befand sich in der Jüdenstraße – zwischen „Stubenviertel“ und „Kleinem Viertel“. Während der Pestjahre wurden die Juden auch in Duderstadt verfolgt; erneute urkundliche Erwähnung erfolgte 1361. Die Größe der Duderstädter Gemeinde muss im 14./15.Jahrhundert stark geschwankt haben; so sollen z.B. im Jahre 1448 zwölf, einige Jahrzehnte später aber nur noch zwei Familien in der Stadt gelebt haben. Die Juden Duderstadts trieben Geld- und Pfandhandel.

Gegen Ende des 15.Jahrhunderts, als im niedersächsischen Raume Juden vertrieben wurden, sind in Duderstadt weiterhin jüdische Ansiedlungen belegt. Doch in der Folgezeit setzte sich der städtische Rat gegen seinen Landesherren, den Kurfürsten von Mainz, durch und verbot jegliche jüdische Siedlung in der Stadt. Im Jahre 1507 verkauften die beiden letzten Duderstädter Juden - möglicherweise auf Grund eines Ausweisungsdekrets - ihre Häuser am Gropenmarkt und am inneren Obertor.

Nach 1510 ist für 300 Jahre in Duderstadt keine dauerhafte Ansässigkeit von Juden nachweisbar; nur zu Jahrmärkten waren durchreisende jüdische Händler zugelassen, ja sogar erwünscht.

Ansicht von Duderstadt – Stich M. Merian, um 1655 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Die Geschichte der jüngeren jüdischen Gemeinde Duderstadt begann, als gegen Ende der napoleonischen Ära das Zuzugsverbot für Juden aufgehoben wurde. Nach 1812 lebten fünf jüdische Familien in Duderstadt, die als Trödler ihren Lebensunterhalt verdienten. Mit Ende der napoleonischen Zeit betrieb der Magistrat der Stadt 1816 die Ausweisung seiner jüdischen Bewohner; zwar gelang dies nicht, doch verloren sie ihr Bürgerrecht und erhielten wieder den Status von Schutzjuden: ihr Wohn- und Gewerberecht war auf zwölf Monate befristet; dafür war ein Schutzgeld zu zahlen. Ein weiterer Zuzug von Juden nach Duderstadt wurde allerdings verhindert; verantwortlich dafür waren Magistrat und Kaufmannschaft. Erst nach der Mitte des 19.Jahrhunderts wuchs in Duderstadt der jüdische Bevölkerungsteil an. Ende 1843 bildete sich der Synagogenverband Duderstadt, dem auch die Gemeinden Ebergötzen und Rüdershausen angeschlossen waren; allerdings handelte es sich hierbei um eine recht ‚kümmerliche’ Gemeindeorganisation ohne feste Synagoge, ohne Rabbiner, ohne Schule und ohne Vereine. Es gab nur einen Betraum in einem Privathaus in der Marktstraße, das dem Zigarrenfabrikanten Moses Löwenthal gehörte. Dies änderte sich um 1870, als die Gemeinde unter ihrem damaligen Vorsteher Moritz Katz neue Mitglieder gewann und der Betraum nun nicht mehr den Ansprüchen genügte. Um eine finanzielle Absicherung eines Synagogenneubaus zu erreichen, wurde das Gemeindehaus für 8.000 Mark an den Bäckermeister Theodor Hackethal veräußert. Schließlich konnte auch ein Baugrundstück gefunden werden. Gegen den Willen der Kommunalvertretung und dem Wunsch des Ursulinerinen-Konvents konnte sich die jüdische Gemeinde schließlich behaupten. 1898 wurde in Duderstadt in einem villenartigen Gebäude in der Gartenstraße, der heutigen Christian-Blank-Straße, die neue Synagoge eingeweiht; sie sollte vierzig Jahre später den gewalttätigen Ausschreitungen der Pogromnacht zum Opfer fallen. 

       Synagogengebäude der Duderstädter Gemeinde (hist. Aufn., Stadtarchiv) 

Das Duderstädter Wochenblatt „Zeitung für’s Eichsfeld“ berichtete am 26.August 1898 über die Feierlichkeiten anlässlich der Einweihung; darin hieß es u.a.:

„ ... Nachdem am Dienstag Abend der letzte Gottesdienst im alten Betsaal und darauf die Ueberführung der heil. Lade stattgefunden hatte, vollzog sich der Weiheakt Mittwoch Vormittag unter Theilnahme des Königl. Landrats Herrn Geh. Regierungsraths v. Oven und des hiesigen Magistrats in corpore, sowie von Gästen in folgender Ordnung: Nach Ueberreichung des Schlüssels der neuen Synagoge erfolgte unter Vorangehen von blumenstreuenden kleinen Mädchen der Einzug in dieselbe und vor die heil. Lade. … Dann hielt der Landrabbiner Dr. Lewinsky aus Hildesheim die Predigt und nahm hieran anschließend die Weihe der hei[. Lade, des Betpultes, des ewigen Lichtes und der anderen den gottesdienstlichen Zwecken dienenden Gegenstände, sowie des Hauses als Haus der Andacht vor. Mit dem Gebet für Kaiser und Reich, für die hiesige Gemeinde und Stadt und mit Ertheilung des Segens schloß die gottesdienstliche Handlung. ... Nachmittags 3 Uhr begann im Saale des ‚Englischen Hofs’ das Festessen, an welchem weit über 100 Personen Theil nahmen, darunter die Stadtbehörde. ... Es entwickelte sich bald die gehobenste Stimmung, welche besonders auch durch die Tischreden zum Ausdruck kam. Nachdem Herr M. Katz, welcher 25 Jahre lang Vorsteher der Synagogen-Gemeinde ist, die Gäste begrüßt hatte, brachte Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky den Trinkspruch aus Se. Majestät unseren regierenden Kaiser Wilhelm II. aus. Herr Moritz Katz toastete auf den hiesigen Magistrat, Herr Lehrer Speyer auf den Landrabbiner Dr. Lewinsky. Danach feierte Herr Bürgermeister Machens in trefflichen Worten das gute Einvernehmen der den verschiedenen Konfessionen angehörenden hiesigen Mitbürger. Der Landrabbiner Dr. Lewinsky trank auf das Wohl der Bürgerschaft der Stadt Duderstadt. Es folgten noch Toaste auf den Vorsteher Katz, die Synagogen-Gemeinde Duderstadt ec. Das Essen dehnte sich bis in die Abendstunden aus und konnte in Folge dessen der Ball erst später beginnen wie im Programm vorgesehen war. Derselbe nahm, gleich dem Festessen einen äußerst animirten Verlauf.“

Eine kleine jüdische Schule mit einem von der Gemeinde angestellten Lehrer gab es in Duderstadt seit 1870; deren Bedeutung war allerdings gering, da etwa die Hälfte der ortsansässigen jüdischen Schüler/innen weiterhin die kommunalen Bildungseinrichtungen besuchten. Mit der Pensionierung des letzten Lehrers (1924) wurde die israelitische Schule auf Anordnung der Bezirksregierung geschlossen.

Seit den 1830er Jahren ist eine jüdische Begräbnisstätte in Duderstadt existent; über die dort herrschenden Zustände hieß es in einem Bericht von Moritz Kahn (1870) an den Magistrat der Stadt: „ ... Der Begräbnißplatz ... entbehrt bislang einer Einfriedung, so dass er allem Vieh zugänglich, sogar ausdrücklich damit behütet wird. Wenn schon im Allgemeinen die Pietät gegen Verstorbene gebietet, die Begräbnißstätten in Ehren zu halten, so muß es gewiß für deren Angehörige schmerzlich sein zu sehen, wie ihre Gräber durch Behütung jeglichen Viehes entweihet werden. ... Unser Begräbnisplatz gleicht leider nur einem wüsten Orte, welcher durchaus nicht von Achtung gegen die dort Ruhenden, wie es die religiöse Pflicht gebietet, zeugt. Eine Schmückung der Gräber durch die Angehörigen kann nicht vorgenommen werden, weil über kurz oder lang die … weidenden Heerden doch alles zerstören würden."  Die Anlage eines umfriedeten Friedhofs (am heutigen Gänseweg) erfolgte dann ein Jahr später (1871), nachdem der Magistrat seine Einwilligung dazu gegeben hatte.

Juden in Duderstadt:

       --- 1816 ..........................  5 Familien (19 Pers.),

    --- 1826 ..........................  5     “    (21 Pers.),

    --- 1845 ..........................  3     “    (10 Pers.),

    --- 1876 .......................... 12     “    ( ? Pers.),

    --- 1885 .......................... 14     “    (84 Pers.),

    --- 1895 .......................... 25     “    (81 Pers.),

    --- 1900 .......................... 27     “    (85 Pers.),

    --- 1910 .......................... 19     “    (77 Pers.),

    --- 1920 .......................... 16     “    (58 Pers.),

    --- 1925 .......................... 13     “    (25 Pers.),

    --- 1933 ..........................  7     “    (25 Pers.),

    --- 1938 .........................   4     "    (18 Pers.),

    --- 1942 ..........................  2     “    (6 Pers.),

             (Dez.) ...................  keine.

Angaben aus: Stadtarchiv Duderstadt, Zusammenstellung aus Dud. 2, versch. Nummern

Der überwiegende Teil der Duderstädter Juden verdiente seinen Lebensunterhalt in kaufmännischen Berufen; er kann zu Beginn des 20.Jahrhunderts als relativ wohlhabend bezeichnet werden.

                              Bildergebnis für Duderstadt historisch 1900 Straßenzug im Zentrum Duderstadts, um 1900 (aus: akpool.de)

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg wanderten Duderstädter Juden vermehrt in die größeren Städte ab.

In der „Südhannoverschen Volkszeitung” und der „Eichsfelder Morgenpost” - letzteres war ein NS-Blatt - wurde am 31.März 1933 jeweils auf der Titelseite die Einwohnerschaft Duderstadts zum Boykott der hiesigen jüdischen Geschäfte aufgerufen. Bereits 1934 begann in Duderstadt die „Arisierung“ der wenigen jüdischen Geschäfte. Alfons Schmalstieg, Schriftleiter der „Eichsfelder Morgenpost“, machte sich zum Sprachrohr der Judenhetze in der Kleinstadt. Anlass für seine Schmähartikel waren Schilder, die im Sommer 1935 an allen Stadteingangsstraßen hingen: „In dieser Stadt werden mit Juden keine Geschäfte gemacht!" Als Ziel bezeichnete Schmalstieg, „daß der noch bestehende jüdische Einfluß restlos beseitigt wird, genau so, wie wir hier die Jüdenstraße beseitigt haben, um auch auf diese Weise zu beweisen, daß wir mit den Juden nichts zu tun haben wollen.“ Die Synagoge wurde in der Pogromnacht in Brand gesetzt und völlig zerstört. Auch die beiden letzten noch in Duderstadt verbliebenen jüdischen Geschäfte wurden geplündert; die vorhandenen Warenbestände wurden von einem aus Göttingen angereisten SS-Kommando beschlagnahmt und der NS-Wohlfahrt Duderstadts zur Verwahrung gegeben.

  Brennendes bzw. ausgebranntes Synagogengebäude Nov. 1938 (Aufn. Stadtarchiv)

In einem kurzen Artikel berichtete die „Südhannoversche Volkszeitung” am 11.11.1938 über die Vorgänge in Duderstadt: "... Wie in vielen Teilen des Reiches kam es nach dem Ableben des durch jüdische Mordhand niedergestreckten Gesandtschaftsrats vom Rath gestern auch bei uns in Duderstadt zu Protestkundgebungen gegen das Judentum. In den Morgenstunden ging zunächst die an der Christian-Blank-Straße gelegene Synagoge in Flammen auf, und später kam es dann zu spontanen Kundgebungen vor den beiden sich noch am Platz befindlichen jüdischen Geschäften. Die männlichen Juden hatte man in Schutzhaft genommen."  Bis Ende November 1938 waren die beiden jüdischen Geschäfte von Franziska Rosenbaum und Gustav Löwenthal in der Marktstraße in „arische“ Hände übergegangen. Die drei letzten in Duderstadt verbliebenen jüdischen Familien - Israel, Löwenthal und Rosenbaum - wurden nach dem Pogrom zwangsweise im sog. „Judenhaus“ in der Obertorstraße 59 untergebracht. Ende 1942 gab es keine jüdischen Bewohner in Duderstadt mehr; sie waren deportiert worden. 22 jüdische Duderstädter wurden Opfer der „Endlösung“.

In den letzten Kriegsmonaten mussten ca. 750 ungarische, zumeist jüdische Frauen in den in Duderstadt befindlichen Polte-Werken Zwangsarbeit leisten. Der aus dem KZ Bergen-Belsen kommende Transport von weiblichen KZ-Häftlingen erreichte Anfang November 1944 das neugebildete Duderstädter Außenlager des KZ Buchenwald, das sich auf dem Gelände der ehemaligen Möbelfabrik Steinhoff befand. Die ungarischen Frauen wurden Anfang April 1945 evakuiert; nach fast dreiwöchiger Irrfahrt erreichte der Transport am 26.4.45 Theresienstadt. - Zur Erinnerung an die Toten des KZ-Außenlagers Duderstadt wurde 2008 auf dem jüdischen Friedhof ein Gedenkstein aufgerichtet.

 

        http://www.radio-uebrigens.de/wp-content/uploads/2014/05/P5170961.jpg Im Jahre 1980 wurde am Wall an der Ecke Neutorstraße/Hindenburgring ein Denkmal für die jüdischen Bürger der Stadt errichtet; es stellt eine in Flammen stehende Säule dar (Aufn. aus: radio-uebrigens.de). Das Mahnmal trägt folgende Inschrift:

Zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger unserer Stadt und an die im Jahre 1938 zerstörte Synagoge

Den Lebenden zur Mahnung.

Auch auf dem jüdischen Friedhof am Gänseweg - seit 1953 als Gedenkstätte hergerichtet - erinnern drei Stelen mit den Namen der ermordeten Juden Duderstadts an die Verfolgung während der NS-Zeit. Auf Grund der vollkommenen Verwüstung des Begräbnisgeländes während der NS-Zeit konnten die alten Grabstellen nicht wieder hergerichtet werden.

           Blick auf die Gedenkstätte (Aufn. Lüder, aus: Göttinger Tageblatt 2014)

Eine Tafel an der St.Ursula-Schule, auf deren heutigem Grundstück einst die Synagoge stand, informiert seit dem Jahr 2004 über den Gedenkort jüdischer Friedhof.

Ehemaliger Friedhof der Jüdischen Gemeinde Duderstadt (1812-1942)
Der Friedhof wurde im 19. Jahrhundert angelegt

und nach dem Abtransport der letzten Duderstädter Juden in dieVernichtungslager im Osten (1942) von den Nationalsozialisten geschändet.
Die Grabsteine sind verschwunden.
Am 23.08.1953 wurde die Gedenkstätte in ihrer heutigen Form eingeweiht.
Auf den drei Säulen sind 86 Namen verzeichnet.
Zum Gedenken an die Duderstädter Juden
Stadt Duderstadt

Am Standort der ehemaligen Duderstädter Synagoge wurde im November 2009 ein weiteres Mahnmal enthüllt, das an die Geschehnisse des Pogroms von 1938 und an die jüdische Familie Kohn erinnert; die Gestaltung oblag Schüler/innen der St.Ursula-Schule in Abstimmung mit der Stadtverwaltung und dem Konvent der Ursulinen. 

Der vor Jahren gestellte Antrag zur Umbenennung der Christian-Blank-Straße in „Straße der Synagoge“ ist bislang nicht realisiert worden (Stand 2020).

Seit 2007/2008 sind in Duderstadt sog. „Stolpersteine“ verlegt worden, die zumeist an jüdische Opfer der NS-Herrschaft erinnern; der Großteil der Steine befindet sich an mehreren Stellen in der Gehwegpflasterung der Marktstraße; derzeit findet man in der Altstadt ca. 25 Steine (Stand 2020).

Stolperstein Duderstadt Marktstraße 37 Max Rosenbaum Stolperstein Duderstadt Marktstraße 37 Franziska Rosenbaum.jpgStolperstein Duderstadt Marktstraße 37 Margarethe Rosenbaum.jpgStolperstein Duderstadt Marktstraße 37 Ernst Rosenbaum.jpg verlegt in der Marktstraße

Stolperstein Duderstadt Marktstraße 9 Max LöwenthalStolperstein Duderstadt Marktstraße 9 Lina LöwenthalStolperstein Duderstadt Marktstraße 9 Rudolf LöwenthalStolperstein Duderstadt Marktstraße 9 Bella LöwenthalStolperstein Duderstadt Marktstraße 9 Bodo LöwenthalStolperstein Duderstadt Marktstraße 9 Edith Löwenthal

"Stolpersteine" für Familie Löwenthal - ebenfalls verlegt in der Marktstraße (alle Abb. Gmbo, 2018, aus: wikipedia.org, CCO)

Ein weiteres Zeichen der Erinnerung in Duderstadt mahnt an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Auf dem St.-Paulus-Friedhof ist 2014 ein steinernes Denkmal des Künstlers Udo Lange-Hesse seiner Bestimmung übergeben worden.

 

Die einzige jüdische Gemeinde im Nachbarkreis Worbis im Eichsfeld (heute Landkreis Eichsfeld in Thüringen) bestand in Rüdigershagen, das heute zur Kommune Niederorschel gehört. Erstmalige Niederlassung jüdischer Familien soll um 1800 erfolgt sein, nachdem die dortige Gutsherrschaft - aus finanziellen Beweggründen - die Erlaubnis dazu gegeben hatte. Ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte die hier lebende Judenschaft mit ca. 75 Personen im ersten Drittel des 19.Jahrhunderts; ihre Angehörigen lebten in äußerst bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen: Zwei Familien lebten vom „stehenden Kramhandel“, sechs waren „Handelsleute im Umherziehen“ und drei ernährten sich von Bettelei. Ihr Bethaus befand sich in der Karlstraße. Ein kleiner Friedhof lag auf einem Hang nördlich des Dorfes im Flur „In der Gemeinde“; die letzte Beerdigung fand hier 1908 statt. In den 1870er Jahren sollen sich in Rüdigershagen - wie im gesamten Kreis Worbis - keine jüdischen Familien mehr aufgehalten haben; sie waren bald nach der Jahrhundertmitte abgewandert.

 

In Ebergötzen – heute Teil der Gesamtgemeinde Radolfshausen im Landkreis Göttingen, ca. zwölf Kilometer nordwestlich von Duderstadt entfernt – gab es einen kleinen jüdischen Friedhof (im Diebestal), dessen Belegung vor allem in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts erfolgt war. 1934 wurde das Gelände eingeebnet.

 

Weitere Informationen:

Julius Jaeger, Juden im mittelalterlichen Duderstadt, in: "Unser Eichsfeld", No.13/1918, S. 84 - 87

Germania Judaica, Band II/1, Tübingen 1968, S. 176/177 und Band III/1, Tübingen 1987, S. 256 - 259

W.Röhrbein/R.Busch/P.Wilhelm (Hrg.), Siebenhundert Jahre Juden in Südniedersachsen Geschichte und religiöses Leben. Katalog zur Ausstellung im Städtischen Museum, Göttingen 1973

Christoph Lerch, Die Juden in Duderstadt, in: "Goldene Mark", No.25/1974, S. 15 ff.

Zvi Asaria, Die Juden in Niedersachsen, Verlag Rautenberg, Leer 1979

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Niedersachsen I: Regierungsbezirke Braunschweig und Lüneburg, Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1985, S. 18/19

Uta Schäfer-Richter, Die jüdische Gemeinde in Duderstadt in der Zeit des Nationalsozialismus, in: "Beiträge zur Geschichte der Stadt Duderstadt", Band 2/1992, S. 251 - 267

Uta Schäfer-Richter/Jörg Klein, Die jüdischen Bürger im Kreis Göttingen 1933 - 1945. Göttingen - Hann.Münden - Duderstadt. Ein Gedenkbuch, Göttingen 1992

H.-H.Ebeling/H.-R.Fricke, Duderstadt 1929 - 1949. Untersuchungen zur Stadtgeschichte im Zeitalter des Dritten Reiches, Mecke-Verlag, Duderstadt 1992

Hans-H. Ebeling, Die Juden in Duderstadt im Zeitalter der Emanzipation 1850 - 1918, in: R. Sabelleck (Hrg.), Juden in Südniedersachsen Geschichte - Lebensverhältnisse - Denkmäler, in: "Schriftenreihe des Landschaftsverbandes Südniedersachsen", Band 2, Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1994, S. 137 – 170

M.Brocke/E.Ruthenberg/K.U.Schulenburg, Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin), in: "Veröffentlichungen aus dem Institut Kirche und Judentum", Hrg. Peter v.d.Osten-Sacken, Band 22, Berlin 1994, S. 585 f.

Albert Marx, Geschichte der Juden in Niedersachsen, Fackelträger Verlag GmbH, Hannover 1995

Franz Baranowski, Geheime Rüstungsprojekte in Südniedersachsen ... , Mecke Verlag, Duderstadt 1995, S. 111 ff.

Dieter Wagner, Zur Geschichte der Synagoge u. des jüdischen Friedhofs in Duderstadt, in: "Eichsfelder Heimatzeitschrift", No.11/2003, S. 383 f.

Juden in Duderstadt – Schülerprojekt am Eichsfeld-Gymnasium Duderstadt, Manuskript 2004

Angaben der Kommunalverwaltung Niederorschel, 2004

Hans-Heinrich Ebeling (Bearb.), Duderstadt, in: Herbert Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Wallstein-Verlag, Göttingen 2005, Band 1, S. 497 - 507

Christian Gellrich, Jüdisches Leben im Eichsfeld: ein Forschungsbericht zur Wiederansiedlung im 19.Jahrhundert, in: "Jahrbuch für mitteldeutsche Kirchen- und Ordensgeschichte", Band 1/2005, S. 99 – 106

Geschichtswerkstatt Duderstadt e.V., „Bei denen konnte man immer gut einkaufen“ - Das Ende jüdischen Lebens in Duderstadt, in: "Eichsfelder Hefte", Band 1, Göttingen 2006

Israel Schwierz, Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation, hrg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Sömmerda 2007, S. 213/214 (Rüdigershagen)

Stadt Duderstadt (Hrg.), Juden in Duderstadt in sechs Jahrhunderten, in: "Eichsfelder Heimatzeitschrift", 11/2007, S. 417 f.

Hans-Georg Schwedhelm, Die Geschichte des Jüdisches Friedhofs in Duderstadt. Teil 1–3, in: "Südniedersachsen. Zeitschrift für Regionale Forschung und Heimatpflege. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft Südniedersächsischer Heimatfreunde e.V. Duderstadt", Jg. 37 (2009), S. 2 – 7, S. 42 – 46 und S. 69 – 76

Götz Hütt, Geschichte der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde in Duderstadt 1812 – 1942 und ihre Nachgeschichte, in: "Schriftenreihe der Geschichtswerkstatt Duderstadt", 2011/2012 (auszugsweise auch online abrufbar unter: geschichtswerkstatt-duderstadt.de)

Götz Hütt (Red.), Zur Geschichte des jüdischen Friedhofs. Vom Begräbnisort Viehweide zum Judenfriedhof, online abrufbar unter: geschichtswerkstatt-duderstadt.de/juedischer friedhof.htm

Götz Hütt, Das Außenkommando des KZ Buchenwald in Duderstadt, Ungarische Jüdinnen im Rüstungsbetrieb Polte, 2012

Gerald Kräft, Stadtrat ebnet Weg für „Stolpersteine“, in: "Göttinger Tageblatt" vom 25.6.2012

Auflistung der in Duderstadt verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Duderstadt

Geschíchtswerkstatt Duderstadt e.V. (Hrg.), Stolpersteine in Duderstadt, 2012

Kuno Mahnkopf (Red.), Drängen auf Umbenennung der Christian-Blank-Straße in Duderstadt, in: „Göttinger Tageblatt – Eichsfelder Tageblatt“ vom 12.12.2013

Ingeborg Lüdtke (Red.), Duderstadt. 6.Konferenz „Gedenken und Erinnern in Südniedersachsen“, online abrufbar unter: radio-uebrigens.de

Hans Georg Schwedhelm (Red.), DUDERSTADT – Novemberpogrome 1938 in Niedersachsen, Hrg. Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten, online abrufbar unter: pogrome1938-niedersachsen.de/duderstadt/

Hans-Georg Schwedhelm, Der 9./10. November 1938 in Duderstadt und Neues zur Duderstädter Synagoge, in: „Südniedersachsen – Arbeitsgemeinschaft Südniedersächsische Heimatforschung", Band 47/2019, S. 95 - 99

N.N. (Red.), Jüdsche Familie hält Kontakt nach Duderstadt aufrecht, in: „Göttinger Tageblatt – Eichsfelder Tageblatt“ vom 19.2.2020

Mike Rupprecht (Red.), Chronik von Rüdigershagen, in: ruedigershagen.net vom 25.6.2020