Düren (Nordrhein-Westfalen)

Datei:Düren in DN.svg Düren ist mit derzeit etwa 92.000 Einwohnern eine „Fast-Großstadt“ am Nordrand der Eifel zwischen Aachen und Köln gelegen; sie ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises (Karte TUBS, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

                      Düren um 1830 (Abb. aus: rheinische-landeskunde.lvr.de)

Ansiedlungen jüdischer Familien im rheinländischen Düren lassen sich bereits für die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts nachweisen; sie bildeten dort eine kleine Gemeinde; das erste Dokument, das die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Düren nachweist, stammt aus dem Jahre 1241.

Zwischen 1240 und 1300 lebte in Düren Isaak ben Meir, dessen Hauptwerk „Shaarei Dura" für Jahrhunderte zu einem der meistbeachteten religionsgesetzlichen Werke im aschkenasischen Judentum war. Darin befasst er sich vor allem mit zwei Bereichen der Religionsvorschriften, nämlich den Speisegesetzen sowie den Regelungen über die rituelle Reinheit von Frauen während der Menstruation.

Anm.: Die erste Druckausgabe des „Shaarei Dura“ entstand aber erst 1534 in Krakau, einem Zentrum rabbinischer Gelehrsamkeit; dabei war es einer der ersten hebräischen Buchdrucke in Polen überhaupt, der damit die Hochschätzung für Isaak ben Meir dokumentiert. - 1948 verausgabte Rabbiner Israel Elfenbein (1890-1964) unter dem Titel „Minhagim Yeshanim Medura“ in New York eine Sammlung der Aufzeichnungen des Dürener Rabbis Isaak ben Meir über die Gebräuche der deutschen Juden im 13. Jahrhundert.

Die jüdische Gemeinde Dürens - eng verbunden mit der in Köln - war im 13. und beginnenden 14.Jahrhundert nicht ganz unbedeutend. Einige Dürener Juden des 13. Jahrhunderts sind sogar namentlich bekannt, darunter der reiche und angesehene Livermann von Düren.

Während der Pestpogrome von 1348/1349 wurde die Gemeinde vernichtet; doch schon zwei Jahrzehnte später sollen wieder Juden in Düren gelebt haben; die "Judengasse" lag in der Nähe des Hauptmarktes; hier sollen um 1405 mindestens acht Familien gewohnt haben. Dürener Juden waren vor allem als Metzger tätig; einige arbeiteten im Hausierhandel.

Gegen Ende des 16.Jahrhunderts wurde eine „Juddenschol uf dem Vehmarkt” erwähnt, die sich im 17.Jahrhundert in der Kölner Straße befand. Im 17./18.Jahrhundert befand sich ein Betraum in einem Hause in der Kölnstraße. Im Mai 1872 wurde unter Teilnahme des Aachener Rabbiners Wilhelm Wolfssohn der Synagogenneubau an der Schützenstraße eingeweiht; der Bau hatte sich auf Grund finanzieller Schwierigkeiten jahrelang hinausgezögert. Die Dürener Bevölkerung soll durch Spenden den Synagogenbau unterstützt haben. Die neue Synagoge - ein massiges Backsteingebäude im neo-islamischen Stile - trug über dem Eingangsportal in hebräischen Lettern den Spruch „Kommt, beugen wir uns vor Gott”. Die Wände des Innenraumes waren mit stilisierten Pflanzenmotiven und hebräischen Schriftzügen versehen. In der Dürener Synagoge gab es keine Frauenempore; vielmehr saßen Männer und Frauen im Gottesdienstraum auf einer Ebene, nur durch den Mittelgang getrennt.

           Anzeige in der „Dürener Zeitung“ vom 16.Mai 1872  

Im „Dürener Anzeiger” vom 25. Mai 1872 hieß es zur Einweihung:

Einweihung der neuen Synagoge zu Düren

Am 24., 25. und 26.Mai ist in unseren Mauern ein eben so schönes als seltenes Fest begangen worden, welches seines inneren Wesens wie seiner äußeren Gestaltung wegen gleich sehr es verdient, ein Blatt in den Annalen unserer Stadtchronik zu bilden: das Fest der Einweihung der neuen Synagoge, für die israelitische Gemeinde von umso größerer Bedeutung, als dasselbe die Verwirklichung jahrelanger sehnlicher Wünsche einleitete, dem heißen Verlangen nach einem würdigen Gotteshause endlich Befriedigung verschaffte. ...

   

Synagoge in Düren (hist. Postkarte und hist. Aufn., Stadtarchiv Düren)

1920/1921 entschloss sich die Kultusgemeinde zu einer Umgestaltung der Fassade und einer Restaurierung des Innenraumes. Nach Fertigstellung der Synagoge in der Schützenstraße stand den jüdischen Kindern auf dem dortigen Gelände eine neue Schule zur Verfügung.

Um 1890 wurde den Juden in Düren eine neue Begräbnisstätte an der Binsfelder Straße zugewiesen, die später von einer Backsteinmauer umgeben wurde; vorher hatte man die Verstorbenen auf dem alten Friedhof vor dem Wirteltor (Arnoldsweiler Straße) beerdigt; er war seit ca. 1550 bis in die 1880er Jahre belegt worden.

Seit 1858 war Düren Sitz eines Synagogenbezirkes, zu dem die folgenden Landgemeinden zählten: Arnoldsweiler, Birkesdorf, Derichsweiler, Lendersdorf, Mariaweiler, Merken, Rölsdorf und Schlich. Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts sollen im Bereich des Landratsamtes Düren ca. 600 Juden gelebt haben, in Düren selbst etwa ein Zehntel.

Juden in Düren:

        --- um 1400 .......................    8 jüdische Familien,

    --- 1806 ..........................   52 Juden,

    --- 1818 ..........................   48   “  ,

    --- 1858 ..........................   78   “  ,

    --- 1868 ..........................  102   “  ,

    --- 1875 ..........................  161   “  ,

    --- 1885 ..........................  278   “  ,

    --- 1905 ..........................  268   “  ,

    --- 1911 ..........................  310   “  ,

    --- 1922 ..........................  339   “  ,

    --- 1925 ..........................  285   “  ,

    --- 1932/33 .......................  358   “  ,

    --- 1935 ..........................  347   “  ,

    --- 1937 ..........................  295   “  ,

    --- 1938 (Dez.) ............... ca.  200   “  ,

    --- 1943 ..........................  keine.

Angaben aus: J.Geuenich, Die Dürener Straßennamen; S. 223 f.

und                Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Reg.bez. Köln, S. 89

Um 1930 hatte die Dürer Kultusgemeinde ihren zahlenmäßigen Höchststand erreicht; neben zahlreichen größeren kaufmännischen Unternehmen lebten in der Stadt relativ viele jüdische Akademiker.

Nach der NS-Machtübernahme wurden auch in Düren am 1.April 1933 die Boykottmaßnahmen durchgeführt; wahrscheinlich dauerte die „Aktion“ mehrere Tage. In der Folgezeit war der jüdische Einzelhandel großen existenziellen Schwierigkeiten ausgesetzt: Ein Teil der Kundschaft blieb den Geschäften fern; außerdem erhielten jüdische Betriebe keine öffentlichen Aufträge mehr.

Am Morgen des 10.November 1938 setzten SA-Angehörige unter Leitung des NSDAP-Kreisleiters Georg Logauer die Dürener Synagoge in Brand; ebenfalls zerstört wurde das kleine Schulhaus auf dem Synagogengrundstück. Wenig später erwarb die Stadt Düren das Synagogengelände und ließ die Gebäudereste abbrechen. Heute wird das Gelände als Parkplatz genutzt. (Anm.: Über Angriffe auf die jüdische Bevölkerung Dürens gibt es keine schriftlichen Dokumente.)

                  Aus dem „Westdeutschen Beobachter” vom 11.Nov. 1938:

Das Maß ist voll

Der Volkszorn hat gesprochen

Auch in Düren kam es zu antisemitischen Demonstrationen

kl. - Wie in vielen deutschen Städten des Reiches kam es gestern auch in Stadt und Kreis Düren zu spontanen antijüdischen Demonstrationen, in denen sich die Bevölkerung Luft machte über den unerhörten jüdischen Mordanschlag in Paris. ..., übte die empörte Volksmenge in gerechtem Zorn Sühne und Vergeltung an den jüdischen Rassegenossen des Mörders. Zahlreiche jüdische Läden wurden zum Objekt dieser Vergeltungsmaßnahmen, auch die Synagoge in der Schützenstraße wurde Zielscheibe der hellen Volksempörung. Gleichzeitig wurden ähnliche spontane Protestaktionen in den Dörfern des Kreisgebietes durchgeführt, die zum Teil immer noch stark jüdisch durchsetzt sind. ... Selbst in diesen Stunden der Empörung hielt das Volk noch das ihm zumutbare Maß von Disziplin. In keinem einzigen Falle kam es zu tätlichen Ausschreitungen gegen Gesundheit und Leben der Juden, ...

                   Die „Dürener Zeitung” berichtete am gleichen Tage:

... Nach Bekanntwerden der Todesnachricht machte sich auch in Düren eine steigende Erregung bemerkbar, die sich in den gestrigen Morgenstunden zu Vergeltungsaktionen gegen jüdische Geschäfte auswirkte. Vor Tagesanbruch lief bei der Dürener Feuerlöschpolizei die Meldung über einen Brand der Synagoge in der Schützenstraße ein. Das Gebäude brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder. Zur gleichen Zeit wurden bei jüdischen Geschäften in der Wirtel-, Weier-, Köln-, Bonner-, Schenkel- und Alten Jülischer Straße sowie auf dem Marktplatz und in Rölsdorf die Schaufenster und die Inneneinrichtungen zertrümmert. Die Aktionen dauerten bis in die späten Vormittagsstunden an, ... Auch in verschiedenen Orten des Dürener Landes kam es zu judenfeindlichen Kundgebungen, ... Die Synagoge in Drove brannte, während die in Gürzenich, Vettweiß, Langerwehe und Weisweiler beschädigt wurden. Zu tätlichen Ausschreitungen gegen Leben und Gesundheit der Juden ist es nirgendwo gekommen.

Ende April 1939 begann man auch in Düren, jüdische Einwohner in sog. „Judenhäuser“ einzuweisen; diese standen u.a. in der Gutenbergstraße 16, Bergstraße 25 und Hohenzollernstraße 13. Aus ihren Wohnungen durften sie nur Möbel aus einem Zimmer mitnehmen, das übrige Inventar wurde öffentlich versteigert, ihre Häuser enteignet. - Unmittelbar vor den Deportationen wurden sie noch kurzzeitig in "Sammellagern" interniert. Auf heutigem Dürener Stadtgebiet existierten drei Sammellager: die „Thuirs-Mühle“ in Lendersdorf, die „Napp´sche Fabrik“ in Rölsdorf und die „Gerstenmühle“ in der Oberstraße. Im Frühjahr 1942 begannen dann die Deportationen; denen sich auch Juden aus dem nahen Umland anschließen mussten; ein Transport ging im März nach Minsk, ein zweiter dann Ende Juli nach Theresienstadt. Mehr als 100 Dürener Juden wurden Opfer des Holocaust.

 

Heute erinnert ein Gedenkstein in einer Parkanlage gegenüber der Hauptpost an die ehemalige jüdische Gemeinde von Düren und an die Zerstörung ihrer Synagoge. Die Inschrift auf dem Gedenkstein lautet:

In dieser Straße stand die am 24.Mai 1872 feierlich eingeweihte Synagoge der Jüdischen Gemeinde Düren.

Sie wurde in der Nacht des 9.November 1938 von Nationalsozialisten und ihren Anhängern niedergebrannt.

Zu dieser Zeit lebten 385 Juden in Düren. 102 von ihnen wurden in Vernichtungslagern ermordet.

Das Schicksal von 30 weiteren ist nicht bekannt.

Schon 1241/42 werden Juden erwähnt. Seit 1500 gab es eine jüdische Schule. 1634 stand sie in der Kölnstraße, 1761 am Viehmarkt.

1828 wird ausdrücklich in Düren eine Synagoge genannt.

       Inzwischen steht auf dem Gelände ein Parkhaus.

Eine vom Bildhauer Ulrich Rückriem geschaffene massige granitene Stele wurde am 50.Jahrestag des Novemberpogroms nahe des Standortes der ehemaligen Synagoge in der Schützenstraße aufgestellt; diese Stele ist eine von insgesamt zehn, die an anderen exponierten Stellen im gesamten Stadtgebiet stehen.

Gedenkstele (Aufn. P., 2006, aus: wikipedia.org, CCO)

Im Jahre 1951 wurde ein einziger Grabstein vom alten jüdischen Friedhof, der infolge von Kriegszerstörungen verschwand und an dessen Stelle heute eine Grünanlage sich befindet, aufgefunden. Das Begräbnisgelände befand sich früher vor der Dürener Stadtmauer am Wirbeltor (heute liegt es in der Innenstadt neben dem Parkhaus in der Arnoldsweilerstraße); eine Gedenktafel weist auf diesen ehemaligen Friedhof hin.

Aufn. P., 2011, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0

Der neue jüdische Friedhof in der Binsfelder Straße - eingetragen als Kulturdenkmal in die Denkmalliste der Stadt Düren - ist der einzige jüdische Friedhof im Kreis Düren, der nach 1945 noch belegt wurde. 1996 wurden zahlreiche der ca. 200 Grabsteine umgeworfen und aus der Verankerung gerissen; Freiwillige setzten den Friedhof noch im gleichen Jahre wieder instand.

An der Friedhofsmauer stehen zudem 22 Grabsteine von dem aufgelassenen Ort Langweiler.

 

Eingang und Teilansicht des jüdischen Friedhofs (Aufn. aus: limburg-bernd.de und  P., 2004, aus: wikipedia.org, CC BY 3.0)

Auch in Dürens Straßen erinnern sog. „Stolpersteine“ an zahlreiche jüdische Opfer des Nationalsozialismus; beginnend 2005 wurden in mehreren Verlege-Aktionen nahezu 80 Gedenktäfelchen in die Gehwegpflasterung im Dürener Stadtgebiet eingefügt (Stand 2020).

Stolperstein für Sara LevenStolperstein für Dr. Karl LevenStolperstein für Else LevenStolperstein für Hans Hermann LevenStolperstein für Mirjam Charlotte LevenStolperstein für Jona Leven

verlegt für Angehörige der Familie Leven, Hohenzollernstraße (Aufn. Gmbo, 2014, aus: wikipedia.org, CCO)

Stolperstein für Josef HerzFile:Stolperstein Düren Weierstraße 9 Rosa Herz.JPG Stolperstein für Hans Werner MayerFile:Stolperstein Düren Bonner Straße 8 Leopold Mayer.JPG File:Stolperstein Düren Schenkelstraße 22 Bernhard Horn.JPG

 "Stolpersteine" in der Weiherstraße, der Bonner Straße und der Schenkelstraße (Aufn. aus: wikipedia.org, CCO)

 

Im Stadtteil Düren-Gürzenich lebten seit Mitte des 18.Jahrhunderts jüdische Familien; ihre Anzahl blieb während des 19.Jahrhunderts relativ konstant bei 40 bis 60 Personen. Nach Benutzung eines Betsaals in einem inzwischen maroden Gebäude und vorübergehender Nutzung eines Raumes einer Gaststätte ließ die Gürzenicher Judenschaft 1906 eine eigene Synagoge in der Schillingstraße errichten. Einen Friedhof besaß die Gemeinde erst seit Mitte des 19.Jahrhunderts.

Aufn. P., 2010, aus: wikipedia.org, CC BY 3.0

[vgl.  Gürzenich (Nordrhein-Westfalen)]

 

Die jüdische Gemeinschaft in Langerwehe zählte Ende des 19.Jahrhunderts fast 60 Mitglieder; sie war eine Filialgemeinde des Synagogenverbands Düren. Allererste Hinweise auf hier lebende Juden stammen bereits aus dem 17.Jahrhundert. Seit 1874 stand eine eigene, aus Ziegelsteinen errichtete Synagoge auf einem Hinterhofgelände an der Hauptstraße; auch ein kleines Friedhofsareal (gelegen am Sandberg) war vorhanden. Während des Pogroms von 1938 wurde das Gebäude verwüstet und geplündert, während des Krieges vollständig zerstört.

[vgl.  Langerwehe (Nordrhein-Westfalen)]

 

Embken (mit Wollersheim u. Berg-Thuir) war eine weitere Filialgemeinde im Synagogenbezirk Düren ; zu Beginn der 1930er Jahre besaß sie immerhin knapp 70 Angehörige. Seit ca. 1865 stand den jüdischen Bewohnern eine Synagoge zur Verfügung, die in einem angekauften Hause eingerichtet worden war. In den 1880er Jahren wurde der jüdische Friedhof am Mühlenberg angelegt. Während des Novemberpogroms wurde die Synagoge in Brand gesetzt und mitsamt der Ritualien völlig zerstört.

Der in der NS-Zeit völlig verwüstete Friedhof weist heute nur noch ca. zehn Grabsteine auf; dass es nur noch so wenige sind, ist der wiederholten Schändung durch Neonazis zuzuschreiben.

Seit Mitte der 1980er Jahre erinnert ein Mahnmal an die jüdischen Opfer der NS-Herrschaft. 

[vgl. Embken (Nordrhein-Westfalen)]

 

In Elsdorf im Erftkreis erinnern heute noch ca. 75 Grabsteine auf dem hiesigen jüdischen Friedhof daran, dass bis in die NS-Zeit jüdische Familien im Orte wohnten; der älteste Stein datiert von 1783. Erstmals fanden Juden in Elsdorf um 1705 Erwähnung.

[vgl.  Bergheim (Nordrhein-Westfalen)]

 

Gemeinsam mit den wenigen jüdischen Familien aus Froitzheim, Hochkirchen, Kelz, Nörvenich und Poll gehörten die Juden aus Vettweiß der Gemeinde Lüxheim an, die seit 1854 als Filialgemeinde zur Kreissynagogengemeinde Düren zählte. Die Zahl ihrer Angehörigen erreichte kaum mehr als 40 Personen. Die Begräbnisstätte für Vettweißer Juden befand sich in der Flur beim Weiler Kettenheim; von 1860 bis Mitte der 1930er Jahre wurde der Friedhof belegt. Im Jahre 1890 wurde eine kleine Synagoge in der Gereonstraße gebaut; diese wurde während des Pogroms 1938 von hiesigen SA-Angehörigen gewaltsam aufgebrochen und die Inneneinrichtung zerschlagen. - Heute findet man noch 25 Grabsteine auf dem Judenfriedhof bei Kettenheim, der inmitten von Ackerflächen der Zülpicher Börde liegt.

 Jüdischer Friedhof Vettweiß (Aufn. P., 2010, in: wikipedia.org, CC BY 3.0)

Die Menora aus der Synagoge von Vettweiß ist erhalten geblieben; sie ist heute ein zentrales Exponat im Kulturhaus Landsynagoge Rödingen.

 

In Kelz, einem heutigen Ortsteil von Vettweiß, findet man in der Michaelstraße einen kleinen, von einer Hecke umgebenen jüdischen Friedhof, auf dem nur sieben Grabsteine stehen; der älteste Stein datiert von 1873. Über die einstige Nutzung dieser Grabanlage gibt es keine genauen Informationen.

jüdischer Friedhof in Kelz (Aufn. P., 2010, aus: wikipedia.org, CC BY 3.0)

 

In Kettenheim – einem Weiler bei Vettweiß – ist inmitten der Feldmark ein jüdischer Friedhof zu finden. Dieses Begräbnisgelände, das von 1860 bis 1934 in Nutzung war, weist derzeit noch 25 Grabsteine auf, die in fünf Reihen angelegt sind.

Jüdischer Friedhof bei Kettenheim (Aufn. P., 2010, aus: commons.wikimedia.org CC BY-SA 3.0)

 

Im Dorfe Lüxheim - heute ebenfalls Ortsteil der Gemeinde Vettweiß - lebten gegen Mitte des 19.Jahrhunderts knapp 50 jüdische Bewohner, die ca. 15% der Gesamtbevölkerung ausmachten. Der kleinen Synagogengemeinde waren auch die Juden aus umliegenden Dörfern, so aus Froitsheim, Hochkirchen, Müddersheim, Nörvenich, Poll und Vettweiß angeschlossen. Mitte der 1860er Jahre zählte die Filialgemeinde Lüxheim immerhin ca. 115 Angehörige.

Der jüdische Friedhof am Abhang des östlichen Neffelbachufers entstand in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts; der älteste noch vorhandene Grabstein stammt aus dem Jahre 1885. Im Jahre 1893 konnte man eine neue Synagoge in der Nikolaistraße einweihen, die ein älteres Bethaus (erstmals 1843 dokumentiert) ablöste. Während des Pogroms 1938 wurde deren Inneneinrichtung völlig zerstört; Teile des Gebäudes fielen den Flammen zum Opfer. Auch der jüdische Friedhof wurde geschändet. Nach 1945 wurden ca. 35 Grabsteine wieder aufgestellt. Ein Gedenkstein trägt die Namen der während der NS-Zeit Ermordeten.

Jüdischer Friedhof in Lüxheim (Aufn. P., in: wikipedia.org, CC BY 3.0)   Judenfriedhofluexheim4.JPG

2014 wurden in Lüxheim in der Gereonstraße und Nikolausstraße insgesamt zwölf sog. „Stolpersteine“ verlegt, die an Angehörige zweier jüdischer Familien erinnern.

Auch im Vettweißer Ortsteil Müddersheim wurden an zwei Standorten in der Amandusstraße insgesamt elf sog. "Stolpersteine" verlegt.

 

 

In der Gemarkung Gladbach (Ortsteil von Vettweiß) findet man in einem Waldgelände einen kleinflächigen jüdischen Friedhof, der nur wenige Grabsteine aufweist.

Jüdischer Friedhof in Gladbach (Aufn. P., 2011, aus: wikipedia.org, CCO)

 

In Nörvenich – einer Ortschaft im Kreis Düren – lebten stets nur einzelne jüdische Familien.

2010 wurden in der Kirchstraße drei sog. „Stolpersteine“ für Angehörige der Familie Schwarz verlegt.

Stolperstein für Moritz SchwarzStolperstein für Berta SchwarzStolperstein für Emma Schwarz drei "Stolpersteine (Aufn. P., 2015, aus: wikipedia.org)

 

Auch in Hürtgenwald - südwestlich von Düren gelegen - wurden im Ortsteil Gey im Jahre 2015 insgesamt elf sog. "Stolpersteine" verlegt, die an Angehörige von drei jüdischen Familien erinnern.

Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts existierte in Gey eine kleine jüdische Gemeinde, deren Betraum sich in einem Privathause befand; bis 1916 wurden hier Gottesdienste abgehalten. Am Haus Broichstraße 5 wurde 2001 eine Gedenkplatte zur Erinnerung an den dort ehemals bestandenen Synagogenraum eingeweiht. Unter einer stilisierten Menora trägt die bronzene Gedenktafel die Inschrift:

"An dieser Stelle in der Broichstraße stand bis 1932 eine Synagoge unserer Bürger jüdischen Glaubens. Das Gebetshaus wurde von jüdischen Bürgern abgebrochen, um ein Wohnhaus zu errichten. Am Ortsrand von Gey in Richtung Großhau befindet sich der alte jüdische Friedhof, der von Geyer Bürgern gepflegt wird. Wir danken unseren Bürgern jüdischen Glaubens für all das, was sie für unsere gemeinsame Heimat, die Menschen und die Ortsvereine geleistet haben. Wir bedauern das große Leid und Unrecht, das ihnen widerfahren ist.  Die Bürger von Hürtgenwald 2001"

Das ca. 900 m² große jüdische Friedhofsareal ist bis heute erhalten und weist noch 20 Grabsteine auf.

Teilansicht des Friedhofs in Gey (Aufn. P., 2011, aus: wikipedia.org, CC BY 3.0) 

 

Weitere Informationen:

Jörg Kleinen, Die Geschichte der Juden im Kreis Düren bis 1938 und ihre Friedhöfe, in: "Heimatjahrbuch des Kreises Düren", Düren 1966

Germania Judaica, Band II/1, Tübingen 1968, S. 179 – 181 und Band III/1, Tübingen 1987, S. 260/261

Klaus H.S. Schulte, Dokumentation zur Geschichte der Juden am linken Niederrhein seit dem 17.Jahrhundert, in: "Veröffentlichungen des Historischen Vereins für den Niederrhein ...", Band 12, Verlag L.Schwann, Düsseldorf 1972, S. 38 - 40

Heinrich Richartz, Düren - so wie es war, Droste-Verlag, Düsseldorf 1977

Baltar Schmitz, Als in Düren die Synagoge brannte, in: "Dürener Zeitung" vom 9.11.1978

Baltar Schmitz, Mit teuflischer Brutalität gingen sie vor, in: "Dürener Zeitung" vom 9.11.1978

Gemeinde Elsdorf (Hrg.), Juden in Elsdorf, Arbeitsergebnisse der Projektgruppe der Gemeinschaftshauptschule Elsdorf, Elsdorf 1983

Josef Dollhoff/Karl Josef Baum, Düren - Aus der Geschichte einer alten Stadt, Köln 1985, S. 42 - 45

Lambert Derich, Die ‘Reichskristallnacht’ in Düren. Tagebuchaufzeichnungen eines Augenzeugen (Hrg. H. J. Domsta), in: Dürener Geschichtsblätter 74/1985, S. 61 – 70

Heinrich Köller (Red.), Über die Juden in Gey im 20. Jahrhundert, in: "Dürener Geschichtsblätter", No. 75/1986, S. 65 – 70

Ludger Dowe, Die jüdischen Friedhöfe im Kreis Düren, in: "Jahrbuch des Kreises Düren 1989", S. 87 - 96

Regina Müller, Um Heimat und Leben gebracht: Zur Geschichte der Juden im alten Landkreis Düren 1830 – 1945, Verlag Hahne & Schloemer, Düren 1989

Norbert Thiel, Zur Geschichte der Juden im Kreis Düren - Vortrag anläßlich einer Gedenkstunde des Kreises Düren zur Erinnerung an die Pogrome vom 9./10.November 1938, in: "Jahrbuch des Kreises Düren 1990", S. 50 - 56

Dürener Geschichtswerkstatt (Hrg.), Die Rückriem-Stelen. Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, Düren 1991

Willi Dovern, Juden im Kreis Düren, Teil I : Die ältesten Nachrichten über jüdisches Leben im Kreis Düren, in: "Jahrbuch des Kreises Düren 1993", S. 124 - 134

N.Naor/N.Robrock, Erinnerung - Eine Dokumentation über die Jüdinnen und Juden in Düren von 1933 - 1945, Hahne & Schloemer Verlag, Düren 1994

Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln, J.P.Bachem Verlag, Köln 1997, S. 88 - 95

Michael Brocke (Hrg.), Feuer an dein Heiligtum gelegt - Zerstörte Synagogen 1938 in Nordrhein-Westfalen, Ludwig Steinheim-Institut, Kamp Verlag, Bochum 1999, S. 126 - 128 und S. 212/213

Bernd Hahne, Licht ins Dunkel bringen. Wohin wurden die ehemaligen jüdischen Mitbürger aus den Kreisen Düren und Jülich deportiert?, in: "Jahrbuch des Kreises Düren 2007", S. 137 – 142

Heinz Gerd Friedt, Buch der Erinnerung, hrg. vom Geschichtsverein Elsdorf, 2008

N.N. (Red.), Neue Stolpersteine erinnern an Vertreibung und Deportation, in: „Aachener Nachrichten" vom 12.12.2011

Herbert Pelzer, „Moritz, Martha und die Anderen – als das Neffeltal judenfrei wurde“, Verlag Hahne & Schloemer Nörvenich 2012

Guido von Büren, Synagogen im Kreis Düren – Zum Gedenken an die Reichspogromnacht vor 75 Jahren, hrg. von der Arbeitsgemeinschaft der Geschichtsvereine im Kreis Düren, Jülich 2013

Datenbank zur Geschichte Dürens, u.a. auch zur jüdischen Gemeindehistorie, in: geschichtswerkstatt-dueren.de

Auflistung der in Düren verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Düren

Stadt Düren (Hrg.), Die Rückriem-Stelen. Steine des Anstoßes: Erinnerung und Mahnung (Broschüre), Düren 2013 (auch online abrufbar unter: dueren.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/Rueckriem_Stelen.pdf)

Burkhard Giesen (Red.), Zwölf Stolpersteine gegen das Vergessen, in: „Aachener Nachrichten“ vom 23.2.2014 (betr. Lüxheim)

Gregor Brand (Red.), Isaak ben Meir Düren. Rabbiner und Talmudist aus Düren, in: „Eifel-Zeitung“ vom 19.8.2015

Ines Kubat (Red.), Elf Stolpersteine zur Mahnung und Warnung, in: „Aachener Zeitung“ vom 18.12.2015 (betr. Gey - Hürtgenwald)

Auflistung der in Hürtgenwald/Ortsteil Gey verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Hürtgenwald

Kommune Vettweiß (Bearb.), 24.Mai 2018: Verlegung von Stolperszteinen, in: „Mitteilungsblatt der Gemeinde Vettweiß“ vom Mai 2018

Stadt Düren (Red.), Erinnerung an Abraham Kamp – Gedenktafel an „Kamps Eck“ enthüllt, in: „Aachener Zeitung“ vom 30.1.2020