Crone a.d.Brahe (Posen)

Karte vom Landkreis Bromberg (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Im ca. 20 Kilometer nördlich von Bromberg gelegenen Crone (auch Krone) a. d. Brahe (poln. Koronowo, derzeit ca. 11.000 Einw.) erinnern heute das Synagogengebäude von 1856 und ein von der Vegetation überwucherter Friedhof mit wenigen Grabsteinrelikten daran, dass die Stadt einst eine jüdische Gemeinde besessen hat; deren formelle Gründung war in den 1830er Jahren erfolgt.

Die Anfänge jüdischer Ansässigkeit lassen sich aber bereits gegen Ende des 16.Jahrhunderts nachweisen. Zu den rituellen Einrichtungen zählten ein 1797 eingerichtetes Bethaus (1856 durch einen Synagogenneubau ersetzt) und ein 1817 angelegter Friedhof; zuvor waren Verstorbene in Zempelburg beerdigt worden.

  Ehem. Synagogengebäude (Aufn. Daniela Pacha, 2011)

Juden in Crone:

--- 1808 ...........................  54 Juden (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1816 ...........................  90   "  ,

--- 1831 ........................... 170   “  ,

--- 1849 ........................... 308   “  (ca. 14% d. Bevölk.),

--- 1861 ........................... 479   “  ,

--- 1871 ........................... 620   “  ,

--- 1885 ........................... 456   “  (ca. 12% d. Bevölk.),

--- 1895 ........................... 305   “  (ca. 8% d. Bevölk.),

--- 1903 ........................... 240   "  (ca. 6% d. Bevölk.),

--- 1910 ........................... 219   “  (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1921 ...........................  56   "  ,

--- 1931 ...........................  16   "  .

Angaben aus: Koronowo, in: sztetl.org.pl

            Ak Koronowo Krone Crone an der Brahe Westpreußen, Brahepartie an den Mühlen 0Teilansicht von Crone .a.d.Brahe, um 1910 (Abb. aus: oldthing.de)

In den letzten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts zählten mehr als 600 Personen zur Gemeinde. Nach Ende des Ersten Weltkrieges verließen aber die allermeisten jüdischen Bewohner die Stadt; 1921 waren nur noch knapp 60 Juden hier ansässig; 1940 lebten keine Personen mosaischen Glaubens mehr in der Kleinstadt.

Mit der Auflösung der Gemeinde wurde das Synagogengebäude an den Turnverein „Falcon“ veräußert; während der Kriegsjahre diente es der deutschen Wehrmacht als Magazin. Nach 1945 wurde das Gebäude zeitweilig als Kaufhaus bzw. als Kinosaal genutzt wurde. 2010 ging das inzwischen ungenutzte Gebäude in Kommunaleigentum über. Einige Jahre später erfolte eine Sanierung des historischen Gebäudes.

Koronowo synagoga 2 7-2016.jpg

Ehem. Synagoge (Aufn. T., 2014 und P., 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0 pl bzw. CCO)

Eine Gedenktafel informiert an die einstige Nutzung des Gebäudes mit der Inschrift in polnischer und hebräischer Sprache: "Synagoge in den Jahren 1856 - 1939"

Während des 2.Weltkrieges wurde der Friedhof teilweise, in den Nachkriegsjahren dann völlig zerstört. Von dem heute noch mit einer Ziegelsteinmauer umgebenen Begräbnisgelände, das von der Vegetation zu überwuchern droht, sind nur ca. 30 Grabsteine erhalten geblieben.

File:Koronowo cmentarz zydowski.jpg Cmentarz żydowski w Koronowie.jpg

Jüdischer Friedhof Koronovo (Aufn. P. Kozurno und A. Pawska, 2012, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0 pl)

 

Weitere Informationen:

Isaak Herzberg, Geschichte der Juden in Bromberg. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Juden des Landes Posen, Frankfurt a. M. 1903

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909

Sophia Kemlein, Die Emanzipation der Juden im Großherzogtum Posen 1815 - 1848, Magisterarbeit an der Christian-Albrechts-Univ. Kiel 1987

Koronowo, in: sztetl.org.pl