Freinsheim (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für landkreis bad Dürkheim ortsdienst karte Freinsheim mit derzeit ca. 5.000 Einwohnern liegt im Landkreis Bad Dürkheim und ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde – ca. 25 Kilometer westlich von Mannheim gelegen (Karte ohne Eintrag von Freinsheim, aus: ortsdienst.de/rheinland-pfalz/bad-duerkheim).

Ein erster Hinweis auf die Anwesenheit von Juden in Freinsheim geht aus einer Stadtrechnung aus dem Jahre 1701/1702 hervor; danach hielten sich im Ort zwei jüdische Familien auf; die Anzahl jüdischer Bewohner änderte sich im Laufe des 18.Jahrhunderts nicht wesentlich. In einer schriftlichen Erläuterung von 1757 hieß es: "... Die statt Freinsheim ist von undencklichen jahren her nur zwey juden im orth wohnen zu laßen berechtigt, welche auch ihre eigenen häuser haben, müßen jährlich neben gnädigster herrschaft schutzgeld, schatzung und andere extra schuldigkeiten und der gemeinen statt jeder vier und einen halben gulden wegen wasser und wayd, auch das wachgeld bezahlen, soforth sich der concession zu verhalten, auch praestanda praestiren (= für die Abgaben haften). Das grasen im feld ist ihnen gantz verbotten. Und ist dahero, wan von denen dermahlen zu Freinsheim in wohnenden vier juden zwei absterben, deren statt kein anderer anzunehmen."

Von einer funktionierenden kleinen Gemeinde kann erst in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts gesprochen werden, als damals im Ort bis zu ca. 70 jüdische Bewohner lebten. Nachdem zunächst ein Betsaal in einem der jüdischen Häuser bestand - erstmals 1815 erwähnt -, wurde im Jahre 1846 außerhalb der Stadtmauern ein im klassizistischen Stile gestaltetes Synagogengebäude errichtet. Es wurde aber nur wenige Jahrzehnte regelmäßig genutzt, da mit dem starken Wegzug der jüdischen Einwohner der für Gottesdienste erforderliche Minjan kaum noch zustande kam.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2076/Freinsheim%20Synagoge%20120.jpg Ehem. Synagogengebäude (Aufn. um 1995, aus: Landesamt)

Der Versuch, der Freinsheimer Judengemeinde ein eigenes kleines Beerdigungsgelände zur Verfügung zu stellen, scheiterte 1845; so bestattete man seine Verstorbenen weiterhin auf dem jüdischen Friedhof in Wachenheim. Auf dem Wachenheimer Friedhof, der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert wurde, fanden auch Verstorbene aus vielen umliegenden Ortschaften ihre letzte Ruhe. Dem ‚Friedhofsverband Wachenheim’ gehörten u.a. an: Alsheim, Assenheim, Bad Dürkheim, Ellerstadt, Freinsheim, Kallstadt, Meckenheim, Rödersheim und Weisenheim am Sand.

Juden in Freinsheim:

         --- um 1700 .....................  2 jüdische Familien,

    --- um 1760 .....................  4     “       “    ,

    --- 1801 ........................ 19 Juden,

    --- 1825 ........................ 48   “  ,

    --- 1835 ........................ 65   “  ,

    --- 1876 ........................ 39   “  ,

    --- 1910 ........................  3   “  .

Angaben aus: Freinsheim von A - Z, 1980, S. 64/65

Bereits zu Ende des 19.Jahrhunderts war die kleine jüdische Gemeinde in Freinsheim in Auflösung begriffen. Versuche, die nötige Zehnzahl religionsmündiger, nicht ortsansässiger Männer zum Gebet zusammenzubringen, waren nicht erfolgreich; auch der Aufruf in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 12.Mai 1887 änderte daran nichts:

Freinsheim (Bayerische Rheinpfalz). Durch Wegzug ist die hiesige israelitische Gemeinde derart klein geworden, daß es bereits an Minjan asara zur Abhaltung der Gottesdienste gebricht. Sollten ärmere Israeliten hierherzuziehen sich entschließen, so dürften sie auf die Unterstützung ihrer hiesigen Glaubensgenossen rechnen. - Es wäre erwünscht, wenn zu den Feiertagen vier arme Israeliten hierherkämen, um den öffentlichen Gottesdienst zu ermöglichen.

Das Synagogengebäude war bereits 1885 an die Kommune verkauft worden; der Erlös wurde zur Renovierung der Synagoge in Kallstadt bereitgestellt. Im Jahre 1894 wurde die Kultusgemeinde Freinsheim offiziell aufgelöst; die noch im Ort lebenden jüdischen Bewohner der Gemeinde von Kallstadt zugewiesen.

                                aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 21.12.1893

Bis 1966 diente das einstige Synagogengebäude als gemeindlicher Kindergarten, ehe es Heimstatt eines hiesigen Vereins wurde. Seit 1995 steht das Haus unter Denkmalsschutz (siehe Abb. oben).

Aus Freinsheim stammte der Schriftsteller und Publizist Hermann Sinsheimer (1883-1950), der in den 1920er Jahren Chefredakteur des „Simplicissimus“ war. 1938 emigrierte er nach Großbritannien. In seinem autobiographischen Werk „Gelebt im Paradies“ beschrieb er seine Jugendjahre in der Pfalz. Zur Erinnerung an Hermann Sinsheimer vergibt die Stadt Freinsheim seit 1983 alle zwei Jahre den Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten u.a. Walter Jens, Marcel Reich-Ranicki, Carola Stern, Siegfried Lenz, Ralph Giordano und Christa Wolf. Am Geburtshaus von Hermann Sinsheimer in der Haintorstraße ist eine Gedenktafel angebracht.

      http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20168/Ludwigshafen%20Stadt%20151.jpg Neben dem Hermann-Sinsheimer-Weg erinnert auch die Hermann-Sinsheimer-Grundschule an den bekanntesten Sohn der Kleinstadt.

Hinweis: 2011 wurde in Freinsheim das Historische Spielzeugmuseum* eröffnet.

* Die Firma „Gebrüder Bing“ wurde 1864 von Adolf Bing und seinem Bruder Ignaz (1840–1918) von deren Vater Salomon übernommen. Ab 1866 in Nürnberg ansässig entwickelte es sich als Großhandelsunternehmen für Haushaltswaren und Spielzeug. Mitte der 1880er Jahre beschäftigte die Firma bereits 500 Mitarbeiter. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts in eine Aktiengesellschaft umgewandelt umfasste der Großbetrieb in Deutschland und im Ausland zahlreiche Niederlassungen. Vor dem Ersten Weltkrieg bezeichnete sich Bing als „größte Spielwarenfabrik der Welt“ mit einer Beschäftigtenzahl von mehr als 4.000 Menschen. In den 1920er Jahren kamen zur Bing-Werke AG noch neue Geschäftsbereiche hinzu (insgesamt zählte die Belegschaft damals ca. 18.000 Mitarbeiter). In Folge der Turbulenzen der Weltwirtschaftskrise wurde die "Bing Spielwaren GmbH Nürnberg" 1934 aufgelöst und liquidiert; bereits zwei Jahre zuvor hatte man die Spielzeugproduktion eingestellt.

 

Weitere Informationen:

Hermann Sinsheimer, Gelebt im Paradies. Beschreibung einer Kindheit u. Jugend im Freinsheim des ausgehenden 19. Jahrhunderts, München 1953

Freinsheim von A - Z, 1980, S. 64/65

Statuten der Beerdigungsbruderschaft zu Wachenheim, in: Kurt Düppel/Wolfgang Meyer, Eine Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in der Stadt Wachenheim, 2.Aufl., Wachenheim 2003

Freinsheim, in: alemannia-judaica.de

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 154/155

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau, Landau 2005, S. 72

Spielzeugmuseum Freinsheim, online unter: spielzeugmuseum-freinsheim.de (mit der Historie der Fa. Bing)