Hirsingen (Elsass)

Els-hau-al-hi.png Der oberelsässische Ort Hirsingen - südlich von Mülhausen gelegen - ist das franz. Hirsingue, eine Kommune mit derzeit ca. 2.300 Einwohnern.

Die Anfänge einer israelitischen Gemeinde in Hirsingen reichen bis ins ausgehende 17. bzw. beginnende 18.Jahrhundert zurück. Um 1840/1850 erreichte die Zahl der jüdischen Bewohner Hirsingens ihren Höchststand.

Während der Unruhen im Sundgau von 1848 wurden auch in Hirsingen Wohnungen jüdischer Familien geplündert und die alte Synagoge teilweise zerstört. Diese konnte einige Jahre später aber wieder in Betrieb genommen werden.

1911/1912 wurde eine neue Synagoge gebaut und 1913 durch den Rabbiner Dr. Auscher aus Altkirch eingeweiht. Bis Ende der 1930er Jahre wurden hier regelmäßig Gottesdienste abgehalten.

 

    Die alte und die neue Synagoge in Hirsingen (links: hist. Aufn., rechts: Aufn. Ministère de la culture, um 1995)

Anm.: Die alte Synagoge wurde nach Fertigstellung des Synagogenneubaues verkauft und danach zu Wohnzwecken benutzt.

Im 19. Jahrhundert war seitens der Gemeinde zeitweise ein Lehrer angestellt, der neben der religiösen Unterweisung der Kinder auch zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.

Verstorbene Juden Hirsingens wurden auf dem jüdischen Friedhof in Altkirch beerdigt. 

Die Gemeinde gehörte seit den 1840er Jahren zum Rabbinat Altkirch.

Juden in Hirsingen (Hirsingue):

        --- 1784 .........................  20 jüdische Familien (95 Pers.),

    --- 1846 ......................... 127 Juden,

    --- 1861 .........................  94   “  ,

    --- 1910 ..................... ca.  80   “  ,

    --- 1936 .........................  28   “  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 46

http://static1.akpool.de/images/cards/112/1120274.jpg Ansicht von Hirsingen (hist. Postkarte, um 1915)

Nach dem Ersten Weltkrieg verzogen viele Juden aus Hirsingen.

Mitte der 1930er Jahre wurden ca. 30 jüdische Einwohner gezählt; einige konnten noch emigrieren; diejenigen, die im Ort verblieben, wurden unter der deutschen Besatzung 1940 nach Südfrankreich deportiert.

Das vermutlich bis 1962 noch zeitweilig genutzte Synagogengebäude dient nach Umbauten heute Wohnzwecken.

 

Weitere Informationen:

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992, S. 166

Daniel Gerson, Die Kehrseite der Emanzipation in Frankreich. Judenfeindschaft im Elsass 1778 bis 1848, hrg. vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, Klartext-Verlag, Essen 2006, S. 236

Hirsingue, in: alemannia-judaica.de